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Regressive Rebellion 1

Oder: wenn der Wahn sich entgrenzt. Wenn das falsche Ganze sich als solches offenbart, also von seiner Latenz abweicht, wird das im Allgemeinen Krise genannt. Diese Bezeichnung ist in sofern korrekt, als dass das Falsche sich nicht mehr als idealisierte Version seiner selbst zeigt, sondern als das was es ist: brutal, inhuman und schließlich endlich – tödlich.


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Habermas als Vertreter der Heiligen Inquisition 1

Man kann von Jürgen Habermas aus vielen Gründen scheiße finden. Nationalisierungdiskurs in der Linken (Stichwort: »Nationalstolz nicht trotz, sondern wegen Auschwitz«, Stichwort: Verfassungsloyalität), sein Wandel vom Adorno-Schüler zum Haus- und Hofphilosophen der rot-grünen Prominenz oder auch den Blödsinn, den er in seinen Abhandlungen über Diskurse schrieb. Nun liefert der ergraute Herr einen mehr: er fetischisiert die Katholische Kirche als, wie der Spiegel in seiner aktuellsten Ausgabe zitiert, »Krücke der entgleisenden Modernisierung«, als »transzendeter Bezugspunkt aus der Sackgasse«. Schon wieder pervertierte Kritische Theorie.

Wollten die tradionellen Vertreter der Kritischen Theorie (siehe: »Religösität und Transzendenz«) noch den Glauben vom Wahn trennen um die Möglichkeit zur Transzendenz zu erhalten, so reicht einem Habermas die Existenz des Glaubens und dessen Verherrlichung als »transzendenten Bezugspunkt«. Ich muss kotzen.

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Religiösität und Transzendenz 3

Um mein Gepöble (1, 2

) etwas mit Inhalt zu füllen, noch einige Ausführungen zu Religionskritik aus rationalistischer und psychoanalytischer Sicht.

Gott ist … egal


Es geht nicht darum, ob es Gott gibt oder nicht. Diese Frage ist metaphysisch und deshalb – nach Kant – nicht zu beantworten und somit sinnfrei. Es ist also egal ob, wie Nietzsche sagen würde, Gott tot ist oder Gott eben schlichtweg nicht existiert oder ob er gar existiert.

Vulgärmarxismus: Opium des Volkes

Der traditionelle Marxismus sieht in der Religiösität breiter Schichten eine Affinität zu Drogen und vergleicht dies auch so. Marx Religionskritik basiert hauptsächlich auf den Feuerbachthesen, die allerdings zu kurz greifen. Zwar ist die Religion ein Ausdruck des begrenzten Selbstbewusstseins oder nach Freud eine Neurose aber eben nicht nur ausschließlich eine psychische Deformation, sondern zugleich auch ein Prinzip, die Möglichkeit des transzendenten Denkens.

Kritische Theorie: transzendentes Denken vom Wahn befreien


Herbert Marcuse kritisiert in »Der eindimensionale Mensch« (oder auch Theodor W. Adorno in »Minima Moralia«) die Religionsrezeption des klassischen Marxismus’, die zu verkürzt sei. In der Fähigkeit der Menschen zur Religiösität drückt sich eben nicht nur die Fähigkeit zur irrationalen Neurose, sondern ebenso die Möglichkeit zum transzendenten Denken, zum »Prinzip Hoffnung«, wie Bloch sagt, aus. Diese dialektische Sichtweise der Religiösität, nicht der Religion, ist der Realität viel eher gewachsen. Transzendentes Denken, also die rationale Möglichkeit dazu, das Eigentliche zu antizipieren, ist von der Idiotie der Religösität zu befreien, um die Möglichkeit sozialer Emanzipation aufrecht zu erhalten. Auch wenn Kant das anders gesehen hätte. In dieser Folge wird auch ein Schuh daraus, denn trotz alledem ist der Mensch, um Jean-Paul Sartre zu genügen, das was aus sich macht – oder machen lässt.

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»Du bist ja irgendwie total oberflächlich« 0

Auf speziellen Wunsch einer Leserin gibt es dieses Posting nun schon etwas früher. Ich wollte mir damit eigentlich noch etwas Zeit lassen, um das Persönliche etwas besser in den Griff zu bekommen. So werde ich mich nun schwerlich mit einer Tatsachenbeschreibung begnügen können, das Filtern sei dann eben meinen Lesern überlassen.

Der Titel ist Programm. Nicht zufällig gewählt, sondern »aus dem Leben gegriffen« ist die Überschrift. Sie ist der Antwortsatz einer ehemaligen Klassenkameradin auf meine Festlegung: »Ich glaube nur, was ich sehen und beweisen kann«. In der ganzen Debatte ging es um langweiligen Kram wie Spiritualität, Esoterik, Religion. Und wie üblich, wenn es um so etwas geht, bin ich relativ alleine mit meiner Position, alles Mystische sei Einbildung.

Worauf will ich hinaus? Auf den »Typus Mensch«, auf die Charakterform, die Waldorfschulen tendenziell erzeugen. Natürlich nicht empirisch, sondern nur erfahrungsbasierend, d.h. ohne Versuche, Umfragen, Tests etc.

Charaktermerkmal: Antirationalismus
Immer wieder fällt auf, dass der typische Waldorfschüler, nennen wir ihn ab jetzt »Usual Steiny«, sein Unbehagen gegen das schwer-Erklärbare in einem fast schon manischen Anfall wider rationalistischen bzw. streng wissenschaftlichen Denken zum Ausdruck bringt. Dieser ist nicht klassisch wissenschaftsfeindlich, sondern mehr eine Kombination aus der Überhöhung eines kruden Naturbegriffs und der Ablehnung des kritischen Geistes.

Charaktermerkmal: autoritäre Fixierung
Das sozioökonomisch relative Oben, in den meisten Fällen also der Lehrer oder die jeweils älteren Schüler »genießen« eine kruden Allgemeingültigkeit. Trotz vordergründig-penetranter Rebellion mit klassische Che-Guevara-Shirt, den Batikklamotten und dem linksbürgerlichen Habitus, ist der »Usual Steiny« meist komplett autoritär orientiert. Mit »Das Gute kommt von oben, sonst wäre es nicht dort« ließe sich die durchschnittliche Geisteshaltung beschreiben.

Charaktermerkmal: Simplizität
Ein weiteres Merkmal des »Usual Steiny« ist die komplette Vereinfachung von schwierigeren Fragestellungen. Da gibt es die Klassenkämpfer, die das relative Unten verherrlichen, die invertierten Klassenkämpfer, die das selbe mit dem relativen oben tun. Auch gibt es selbstredend alle politischen Strömungen, die man in der Normalgesellschaft findet. Nur eines ist ihnen allen gemein: die Welt ist einfach, die Wahrheit ist schlicht und recht haben sie zudem noch alle (was ja kaum sein kann, da ich ja schon recht habe). Die Komplexität, die eine sinnvolle Gesellschaftsanalyse notwendigerweise mit sich bringt, wird vom »Usual Steiny« verdrängt.

Charaktermerkmal: »gefühlte Kritik«
Wie schon im Absatz zum Themenkomplex »Antirationalismus« beschrieben, muss der »Usual Steiny« nichts begründen. Für ihn reicht es, Kritik zu fühlen. Ganz offen verwehrt er sich auch gegen überbordende Wissenschaftlichkeit oder gar das Einfordern einer Begründung. Wenn er die Welt als lilablassblau fühlt, dann ist sie das. Eines Beweises bedarf es nicht.

Ursachen
Die Ursachen für die Grundkonfiguration des »Usual Steinys« ist in der Schulform zu suchen. Sie liegen in der völlig unklaren, nebulösen Vermittlung verschiedener politischer Theorien und darin, dass man Wissenschaftlichkeit nicht als Prinzip, sondern ausschließlich das Resultat dieser Denkform als Unterrichtsinhalt benützt. Alles andere ist idealistisch, tendenziell romantisierend und – ebenso tendenziell – reaktionär.

Allgemeingültigkeit
Natürlich sind diese Aussagen nur eine Tendenz, keine absolute Festlegung. Insgesamt lassen sich diese Charakterkonfigurationen allerdings wirklich gehäuft feststellen. Oft kombiniert mit starker neurotischen Zügen, wenn es um die Beschreibung der Realität geht. Eines sollte man auf jeden Fall vermeiden, will man nicht Aggressionschübe und Wutanfälle über die komplette Beklopptheit des Gegenübers bekommen: mit einem »Usual Steiny« politische Themen zu diskutieren.

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Nachhilfe für Linke: Fremdherrschaft und Macht 4

Ich habe beschlossen eine neue Serie zu starten, neben BlogDiktat, »Larry the Teacher« und den allseits bekannten und auch recht beliebten Musik Reviews (Vol. V, Vol. IV, Vol. III, Vol. II, Vol. I) nun also die vierte beständige Serie. In dieser Ausgabe soll es um den Themenkomplex Herrschaft und Macht und im speziellen über die Nichtigkeit und die Implikationen der in der Linken achso beliebten Kategorie der »Fremdherrschaft« gehen. Ich möchte also aufzeigen, warum es politisch-analytisch vollkommen absurd ist, diesen Terminus zu bemühen bzw. dem Status der s.g. Fremdherrschaft eine besondere machtökonomische Rolle beizumessen.

Begrifflichkeit:

Fremdherrschaft wird meist im Zusammenhang kultureller oder militärischer Okkupation benützt. Klassische Beispiele dafür sind heute der Irak, dessen »Besatzung« immer wieder angeprangert wird oder auch Tibet, deren buddhistische Feudalstrukturen und Naziverstrickungen tibetischer Eliten für viele einen positiven Bezugspunkt darzustellen scheinen. Kulturelle Besatzung meint die eine Dominanz, die sich historisch, meist nicht primär militärisch entwickelt hat (Unterdrückung der Basken, Unterdrückung der wasauchimmer) und die sich aufgrund moderner Staatlichkeit, die sich nicht anhand ethnischer Grenzen konstituiert, sondern anhand staatspolitischer Kalkül und historisch-militärischen Fakten. Spanien ist also so groß wie es ist, inklusive dem »Baskenland«, weil es über die Jahrhunderte durch Kriege, politische Auseinandersetzungen, Annektionen etc. etc. so »gewachsen« ist.

Minderheitenrechte vs. universelle Staatlichkeit:

Bleiben wir erst einmal beim Phänomen der »kulturelle Okkupation«, deren absurde Grundkonstruktion die Eigentümlichkeiten gewisser »Völker«, »Ethnien« etc. sind. Diesen werden ein generische Eigenschaften und Interessen unterstellt und durch die fremde Macht, dem historische gewachsene (s.o.) »Mutterstaat«, unterdrückt wird.
Minderheitenrechte oder gar nationale Souveränität basieren auf dem Konstrukt der »Ethnie« oder des »Volkstums«. Wer diese Minderheitenrechte fordert, wird sich schwer tun, schlüssig zu argumentieren, warum Schlesien nicht doch »unser« ist. Der Fortschritt der modernen Staatlichkeit liegt unter anderem darin, dass sie die Möglichkeit der s.g. »Vielvölkerstaaten« schafft (ein in sich eigentlich schon rassistischer Begriff). Diese Form der Staatlichkeit kennt nur noch gleiche Rechtssubjekte. Kennt keine Stände, keine Religionen, keine Völker oder Ethnien.

Okkupation als militärisches Phänomen:

Die Kategorie Fremdherrschaft taugt nicht, da sie den Begriff der Herrschaft um ein Attribut erweitern, das irrelevant für die Analyse selbiger ist, die sich grundsätzlich völkisch konstituieren muss. Da ist einerseits das gute Volk, dass so wunderbar romantisch sich nur untereinander beherrscht und andererseits der böse Eindringling von außen, der das Land, seine Kultur, etc. etc. beherrscht.
Es gilt für Linke zu analysieren, inwieweit militärisches Eingreifen den Charakter der Herrschaft verschlimmern oder verbessern, alles andere ist zweitrangig. Will sagen: nur wer sich in den Clichés des »Fremden« und des »Eigenen« bewegt, kann Fremdherrschaft überhaupt als Problematikum erkennen. Es muss aber vielmehr um den Charakter der Herrschaft gehen, um Fortschritt vs. Regression und nicht um eine pathische Projektion, die sich immer ganz sicher ist, was »fremd« und was »eigen« und somit »eigentlich« ist.

Zusammenfassung:

»Fremdherrschaft«…

  1. …ist ein absurder Begriff, da er sich notwendigerweise rassistisch, bzw. mindestens kulturalistisch definieren muss. Er schafft gezwungenermaßen die Notwendigkeit, aus eigentlich gleichen Rechtssubjekten unterschiedliche Individuen zu konstruieren, damit diese, ja nach Ethnien- oder Volkszugehörigkeit, unterschiedlich behandelt werden.
  2. …verschleiert den Blick auf die Phänomenologie der Macht und in ihrer institutionalisierten Form der Herrschaft, die es eigentlich zu analysieren gäbe. Diese ist deutlich vielschichtiger als nur rein militärisch fassbar. Vielmehr geht es hier um Diskurse, um Zugang zu Wissen, um Bildung und um Konditionierung.
  3. …zu kritisieren bedeutet kulturelle Eigentschaften über individuelle Rechte zu stellen. Vergisst also die Perspektive des Individualismus, der ja nun nicht zu den schlechtesten, hingegen eher zu den pervertiertesten, Erfindungen der Moderne gehört.
  4. …bedient sich vormoderner Begrifflichkeiten, konstruiert Kollektive, wo sie aufzuheben wären und deren Existenz immer ein Nachsehen haben müssen hinter der Erfindung des universalistischen Staates, der zwar repressiv und bürgerlich ist aber in der Tendenz fortschrittlicher als feudale und vorfeudale Strukturen.

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So ein Theater: Schöne neue Welt 5

War sowohl am Freitag Abend als auch am Sonntag in einer Theaterfassung des Romans »Schöne neue Welt« von Aldous Huxley. Das hier lokal sehr bekannte »Horroladenteam«, eine Gruppe recht junger Theaterschaffender mit kitschig-gesellschaftskritischem Anspruch, betreuten die 11. Klasse der Freien Waldorfschule Ludwigsburg hierbei. Nun ist es schon etwas länger her, dass ich mir dieses Buch ins Hirn schüttete und so war ich immer wieder belustigt über die doch immer wieder hübschen Aphorismen, Merksprüche und beißenden Analysen, die dieser Text zu bieten hat. Dinge wie »Philosophie ist dazu da, um das was man intuitiv sowieso denkt mit einer schlechten Erklärung zu versehen« sind nunmal sehr kurzweilig, unabhängig von ihrer Korrelation zur Realität.

Allerdings wurde mir immer deutlicher, dass Theater nicht als politische Praxis oder politischer Ausdruck taugt, sondern ausschließlich als Belustigung, als Müßiggang, als Vergnügen. Was ja nun wahrlich nicht das Schlechteste ist. Aber eben nicht mehr. Der große Unterschied zwischen dem Theater und dessen, was die Realität an Kritik »benötigt«, ist die Existenz bzw. Inexistenz von Personen, die Objekt der Kritik sind. Gibt es im Theater den Bernhard Marx, der beschimpft und zum Dauerversager stilisiert werden kann, den Gott, an dessen Unvollkommenheit sich der Faust reibt oder auch Claudius, der für Hamlet das Böse verkörpert, so ist die Realität sehr viel komplexer. In ihr ist es zwar möglich aber falsch, gesellschaftliche Kritik personal, also verkörpert, zu transportieren. Theater ist maximal gesellschaftskritische Folklore, kitschig-romantische Persiflage auf das was Gesellschaftskritik zu sein hätte.

Aber zurück zum Stück: insgesamt war es ausgesprochen schön, wenn auch sehr lang. Manche Passagen wirkten schauspielerisch unterbelichtet, die dramatische Leistung einiger Schüler und Schülerinnen war teilweise eher belanglos, bspw. die ausgesprochen schwach besetzte Rolle des »Bernhard Marx«.
Aber wo das »Horrorladenteam« ist, da sind gute Sounds nicht weit. In für diese Truppe typischer Manier, zeigte man durchaus gerne und teilweise überausführlich, was man an technischem Schnickschnack zu bieten hat. Dieses Faktum alleine wäre unproblematisch. Trifft aber überbordende Technik mit schauspielerischem Unvermögen zusammen, so wirkt es kleisterhaft und getüncht, wo Mut zur Ehrlichkeit, zum Unvermögen gefragt wäre.
Nun aber noch ein bisschen Lob: phantasisch und unvergessen bleibt »Der Wilde«, die Besetzung der Mutter und der Aufseher des Reservats. Gratulation.

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Gesellschaftliche Arbeit vs. Arbeitsgesellschaft 0

Ein interessantes Interview mit Götz Werner gab es heute in der »Stuttgarter Zeitung« zu lesen. Werner spricht von einer Verteilungskrise anstatt der gebetsmühlenartig wiederholten Idee der Wirtschaftskrise. Er spricht von der Aufgabe der Wirtschaft, die Menschen mit Dienstleistungen und Gütern zu versorgen und er spricht davon, dass dies immer besser machbar wird. Das Problem sei nur, dass ein nicht widerherstellbarer Zustand angestrebt werde, die Vollbeschäftigung. Er schlägt damit in eine ähnlich Kerbe Axel Braig in der »Sonntag Aktuell«. Es ist durchaus angenehm zu hören, dass auch von anderer Seite einmal sinnvolle Positionen zu kommen scheinen. Leider klammert Herr Werner den ökologischen Aspekt völlig aus und denkt innerhalb nationalstaatlicher Grenzen: international ist die Art des Resourcenverbrauchs, wie wir ihn handhaben, nicht haltbar. Und, Herr Werner ist Anthroposoph. Aber dies macht (diesmal) nichts.
(Hinweis kam von Hanno. Dank dafür!)

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Historisches 1

Vielleicht zum besseren Verständnis des ganzen Vorgangs. Dass die WASG gerade Beifall von anderer Seite bekommt, ist kein Versehen, sondern Produkt falscher Ideologie<sup>1</sup>. Was Arbeitermarxismus bedeutet hatte ich schon einmal ausgeführt. Das Problem dieser verkürzten Analyse und Kritik hat die WASG, wie im übrigen fast alle (rest-)linken Gruppen, dass die Sicht der Welt binär unterteilt wird. Das gute Unten, das böse Oben. Mit den dazugehörigen Implikationen. Während das revolutionäre Subjekt, dass der Arbeiter zu sein hat, jenseits der Verfasstheit dieser Klientel »gut« zu sein hat, wird das gesellschaftliche Oben als immer entfernter, ja, fast schon verschwörungstheoretisch wahrgenommen. Im Gegensatz zu den Operaisten, die die Differenzen der Arbeiterschaft als Grundlage marxistischer Kritik noch betrachteten und sich der »militanten Arbeiteruntersuchung« widmeten, taugt das ostdeutsche ALG II-Empfänger, dessen deusche Mordsucht sich gern Asylanten als imaginäre Ziele sucht, für die WASG genauso als »popular underdog«<sup>2</sup>, wie der iranische Familienvater, dessen Affirmation der Sharia diese auch noch hier wirksam werden lässt. Zusätzlich gibt es überqualifizierte Migranten, die hier als Reinigungsfachkräfte tätig sind, da die westliche Biopolitik, die Politik der totalitären Verwaltung der Körper, sie als solche unterminiert.

Subjektsuche ist Quatsch
Die Not, eine Projektionsfläche, eine allgemeine soziale Gruppe mit angeblich identischen Eigenschaften, zu finden, ist die Not des Selbstbewusstseins politischer Ideen. Liberalismus war ein großartige Idee, egal wie viele das auch so sahen, Das was Marx schrieb und dachte ist ebenso brauchbar, auch wenn das heute niemand glaubt. Wozu bedarf es des tollen Arbeiters, der mit stählerner Faust (»Kruppstahl«) begeistert zur Arbeit wandelt, um seinen »Dienst am Volk« auch heute zu erfüllen. Es bedarf keines Subjekts, in wessen Namen man etwas tut. Eine politische Forderung hat sich ideologisch unter Beweis zu stellen, nicht soziotopisch. Die Forderung der FDP nach Einschränkung der Aufweichnng der Bürgerrechte ist vielleicht ein Schritt dazu. Die SPD muss wieder die kleinbürgerliche Arbeiterschaft entdecken, die sie mit Heuschrecken-Ressentiments aber ja schon ganz gut bedient. Die CDU bleibt als Partei der »christlichen Mitte«, als Bewahrer abendländischer (sic!) Tradition und völkisch-patriotischer Attitüde und der FDP stände es wirklich gut, sich als wirklich liberale Partei zu präsentieren. Der WASG bleiben ungebildetete Arbeitslose und andere Menschen, deren Lebens- und Arbeitsverhältnisse sich mehr und mehr prekarisieren. Die »Partei der kleinen Leute« übt sich nun schon einmal in der Glorifizierung ihrer neu-entdeckten Underdogs: der gemeine Deutsche und die gemeine Deutsche fürften nicht von »Fremdarbeitern« verdrängt werden. Doch wo Lafontaine ist, da darf Ulrich Maurer nicht fehlen. Während einer Podiumsdiskussion im letzten Jahr, wo ich die zweifelhafte Ehre hatte, neben ihm zu sitzen, träumte er von der EU als positiven Machtblock, mit nationaler Identität und allem drum und dran. Irgendwie hat die WASG aber wahrlich ihrer Charme: als frustrierter SPD-ler würde ich mir einen Wechsel womöglich auch überlegen. Die Hoffnung, mit der WASG bald dort zu sein, wo die SPD vor 10 Jahren vielleicht noch war, ist ja durchaus eine berechtigte und wird sich sicher erfüllen. Für alle konservativen SPD-ler und nicht anderes sind die Herren und Damen Maurer, Lafontaine, Nahles & Co. bietet sich hier die einmalige Chance Karriere zu machen, trotzdem ihre politische Attitude im Tagesgeschäft nicht mehr ganz en Vogue ist.


  1. <span id=”#hist_id1”></span>»Falsche Ideologie« im Sinne des Wahrheitsanspruchs der Kritischen Theorie. Das Rückschrittliche ist das Falsche, das Fortschrittliche noch lange nicht richtig.
  2. <span id=”#hist_id2”></span>In Anlehnung an Adornos »popular girl« bzw. »popular boy«

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Zitat 0

Heute in Die Welt:

“Wenn ich heute nicht lache, muß ich mich erschießen!”
Woody Allen

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Ausführungen zu »Unmöglichkeit von Transzendenz« - Deutschland seit Auschwitz 1

[frame]Introduktion: Transzendenz oder “transzendentes Denken”?
Transzendenz meint in der Philosophie seit Immanuel Kant, die Möglichkeit der Überschreitung des bisher Bekannten, also die Fähigkeit, Denken und Handeln vom freud’schen Über-Ich abzuleiten. Scharf zu unterscheiden ist es von der Transzendentalität, deren Bedeutung hier allerdings keine Rolle spielt (aus dem Denken die Erfahrung des Denkens möglich machen).[/frame]<p>
In meinem Artikel »Die Antideutsche Ideologie« steht folgende Anmerkung:

(…)und [Robert Kurz, Anm. d. A.] spricht von der Notwendigkeit, zugleich immanent und transzendent zu denken, wo noch nicht einmal die Möglichkeit der Überwindung gegeben ist.

Diesen Satz halte ich im Bezug auf die Kritik deutscher Verhältnisse für unbedingt ausführenswert. Somit soll dieses Traktat Anleitung und Anstoß zu einer sinnvollen Rezeption und -Kritik der speziefisch deutschen Verhältnisse sein. Hierbei soll es nicht um historische Fakten, sondern um die politische Einordnung und den ideologischen Umgang damit gehen.

Germany, the lovely ol’ wife – die Deutschen und ihre Nation
Die Nationalgeschichte Deutschlands ist insofern einzigartig, als das sich innerhalb ihrer Entwicklung ausschließlich eine Traditionslinie abzeichnet: Die reaktionären Revolution von oben zur Verhinderung von relativem Fortschritt und das Bedürfnis nach Kollektivität, nach gesamtgesellschaftlichen Lösungen. Letzteres reicht von der bismarck’schen Sozialgesetzgebung bei gleichzeitigem Verbot relativ fortschrittlicher – wenn auch weiterhin völkischer und antisemitischer Kräfte – bis hin zum »Bündnis für Arbeit«, zur Agenda 2010 oder auch das Phänomen des Atomkonsensus’. Das Bedürfnis nach Auflösung jedweden Aufflammens von Interessenspolitik und Vertretung des – teilweise sicherlich haluzinierten – Klassenstandpunkts nicht durch Austragung dieses Konflikts, sondern durch Begräbnis unter einer Schicht nationalen Selbstverständnises, dass sich nicht an historisch Erreichtem festmacht, sondern an der urdeutschen Gewissheit, im Endeffekt und a priori doch »irgendwie nur das Gleiche zu wollen«. Hierbei wird ein nicht-materialistisches Faktum virulent: das Bewusstsein wird manifest.

I’m what I’m – Identitätskonstruktion und Antisemitismus

“Vollkraft, Biederkeit, Gradheit, Abscheu der Winkelzüge, Rechtlichkeit und das ernste Gutmeinen waren seit einem Paar Jahrtausenden die Kleinode unseres Volkstums…”
Friedrich Ludwig Jahn

Aus dieser Konstellation ergibt sich das Bedürfnis nach Abgrenzung. Die Eigentümlichkeiten der Deutschen, deren Nationalbewusstsein sich immer wieder neurotisch-zwanghaft antijüdisch und später dann industrialisiert-antisemitisch formulierte. Dieser Zusammenhang sei aber an anderer Stelle erläutert. Die Konstruktion der spezifisch und genuin deutschen Identität bedarf des Bewusstseins um Eigenheiten, die dem ganzen Volk obliegen, also als Volkscharakter virulent werden. Antisemtismus ist hier willfähriges Vehikel, diese Andersartigkeit die Schwächsten, die Juden in der Diaspora, spüren zu lassen. Als unbewaffnete und (damals) staatenlose Religionsgemeinschaft eine leichte Beute deutschen Wahns.
Dem Doppelcharakter der Industrialierung folgend, ergab mit dieser eine neue Perspektive für den Judenmord: die genauestens geplante Vernichtung all dessen, was sich der deutschen Eigentümlichkeit widersetzte war damit als Möglichkeit gegeben. Es bliebt nicht bei der bloßen Möglichkeit.

Think, think, think! – linke Rezeptionen und Rezepte
Die zentrale Fragestellung lautet also heute weiterhin, sind die Deutschen ein Tätervolk und somit bezüglich emanzipatorischer Anstrengungen personi non grata oder weiterhin – je nach Klassenlage – Projektionsfläche revolutionärer Bedürfnisse – denn zu mehr reicht es so oder so nicht. Und zusätzlich, ist Auschwitz ein Produkt der Aufklärung, der bürgerlichen Gesellschaft, also nur eine Regressionstendenz dieser Entwicklung oder eine Umkehrung all des erreichten der bürgerlichen Gesellschaft. Während Robert Kurz und seine Wertkritiker deutlich zu ersterem neigen, ist für deren platte Inversion die berliner Bahamas zuständig.
Beide Positionen sind schlichtweg falsch. Wird die Bahamas leugnen, dass Ausschwitz in dieser Form jenseits der Möglichkeit, Zyklon B zu produzieren und massenweise ökonomisch zu denken, möglich gewesen wäre. Jenseits dessen, dass aus dem Christusmörder der jüdische Bankier wurde, der Betrüger und Verführer, der materielle Abhängigkeit simulierte. Was bitte sagt R. Kurz auf die Frage, warum Auschwitz nun gerade in Deutschland stattfand, also doch Produkt eines verkrüppelten, weil unterbliebenen bürgerlichen Aufklärungs- und Revolutionsprozesses war. Es gilt, Auschwitz als ein Produkt beider Entwicklungslinien zu denken, als die Symbiose aus industrieller Möglichkeit, bürgerlicher Individualität, völkischem Bedürfnis nach Kontinuität und Gemeinschaft und eben der bruchlosen Identifikation mit der Nation.</p>

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»Die antideutsche Ideologie« 2

Nachdem Hanno es sich in seiner grenzenlos-traditionslinken Bösartigkeit nicht verhalten konnte mir »Die antideutsche Ideologie« von Robert Kurz zum Geburtstag zu schenken nun hier einige Bemerkungen zu diesem Buch, die ich mir – natürlich auch aus Bösartigkeit – nicht verkneifen kann.

Erst einmal, das Buch ficht nicht Zitatschlachten (“der/die hat dann das gesagt”) und räsoniert ebensowenig über den angeblichen antideutschen Rasssimus, sondern setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit die antideutsche Rezeption der Realität eine doppelt-verquere, sprich: eine bürgerlich-invertierte ist. Leider muss man einfach sagen, Robert Kurz offenbart sich hier als Profi der projektiven Kritik: er konstruiert Realität um dann diese adäquat zu kritisieren. Seine Wahrnehmung antideutscher Publikationen scheint sehr auf das ISF Freiburg bzw. der berliner Bahamas beschränkt zu sein, deren theoretische Arbeit er teilweise wahrlich fundiert kritisiert. Er sprich von verkürzter Wertkritik und wärmt die Mär der Traditionslinie des Arbeitermarxismus innerhalb »der Antideutschen«&trade; auf. Das es die so nicht gibt, interessiert ihn nicht, ihm geht es um Zuschreibungslogik und politische Denunziation und dies auch oft noch doppelt verdreht: so kritisiert er die metaphysische Tendenz der antideutschen Geschichtsbetrachtung und spricht von der Notwendigkeit, zugleich immanent und transzendent zu denken, wo noch nicht einmal die Möglichkeit der Überwindung gegeben ist. Er haluziniert, Auschwitz gehöre zum Refugium der Möglichkeiten der bürgerlichen Gesellschaft und begreift nicht die Dialektik zwischen Anlage und Perversion – Und dies sind nur einige Punkte.

Ich hatte mir ernsthaft erhofft, dieses Buch würde einiges ideologisch gerade rücken. Soweit sind Wertkritiker und vernünftige&trade; Antideutsche gar nicht auseinander. Man könnte den Unterschied der beiden Strömungen als eine Art postfordistische Arbeitsteilungskonstellation begreifen und sie dementsprechend – sich gegenseitig befruchtend – arbeiten lassen. Mit ständiger immanenter und gegenseitiger Kritik. Das ist aber auch der einzig sinnvolle Vorschlag den das Buch zu Beginn liefert, der Rest verfällt in reflexhafte Muster und kritisiert das Falsche. Es gäbe genug zu kritisieren innerhalb der Antideutschen, nur leider weiß Robert Kurz vermutlich nicht einmal, wer das ist. Das Buch müsste somit viel eher »Bahamitische Ideologie und warum ich die nicht mag – eine Soapopera in drei Teilen« heißen. Aber das wäre zu ehrlich.

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Über Heuschrecken und andere Tiere 1

"Diese Juden, die hier unter uns leben, die sich wie verzehrende Heuschrecken unter uns verbreiten, und die das ganze preußische Christentum dem Umsturz drohen, das sind Kinder derer, die da schrien: kreutzige, kreutzige.
Intelligenzblatt für den Unter-Mainkreis des Königreichs Bayern, 20. Juli 1819
Die norwegische Presse, die bisher so gar kein Verständnis für die Judenfrage hatte, merkt plötzlich, was es heißt, wenn eines Tages die Kinder Israels wie die Heuschrecken in ein Land einfallen. Es wird eine ganz heilsame Lehre sein, die Norwegen hier erteilt wird."
Auswärtiges Amt Berlin, 1939
"Wie die Heuschrecken kommen sie über unser Land!"
Aus: Jud Süß, antisemitischer Propagandafilm
"Heuschrecken und Raupen sind diese Juden, sie fressen mein Frankreich auf!“
Napoleon Bonaparte

Tagespolitik ist ja nun nicht gerade die interessanteste Disziplin. Die Verwendung einer in bester orwell’scher Manier verfremdeten Sprache, die ständige Dualität von Wahn und Ressentiment und die Hetze um Aktualität, die notwendigerweise schon verfehmt sein muss.

Interessanter wird es dann schon, wenn den Funktionseliten (oder ihren Propagandaexperten) der Wertverwertung ihre immanenten Krisen zu Kopf steigen: Franz Müntefering – höchstpersönlich passionierter Dummschwätzer und sowas wie das Propagandabureau der SPD – ist dafür ein klassisches Beispiel. Sein Gerede von den Heuschrecken, die den rheinischen Kapitalismus und seine wundervolle soziale Marktwirtschaft bedrohen, soll nun man etwas genauer auf den Zahn gefühlt werden. Nicht mit Hammer und Meisel, wie Münteferings ökonomistische Konkurrenz, sondern vielmehr mit Pinzette, Mikroskop und erst zum Schluss, mit dem legänderen, woody-allen’schen Baseballschläger.
Bei antisemitisch chiffrierten Beiträgen nach Intention zu fragen ist wie immer sinnfrei. Vielleicht wollte er sich einfach neben Napoleon stellen und damit seiner biederen Karriere als Parteisoldat einen weltmännischen Anstrich geben.
Spannender ist also die grundsätzliche Frage danach, wie man auf die Verknüpfung animalischer Bedrohungsszenarien mit Krisenerscheinungen der kapitalistischen Wertverwertung kommt. Dazu bedarf es eines kurzen Exkurses in die geistigen Untiefen des klassisch-orthodoxen Arbeiterbewegungsmarxismus, in dessen Kontinuität, dem Aggregatszustands der sozialdemokratischen Erklärungsversuche, Müntefering durchaus gesehen werden kann.

Der angebliche Antagonismus von Kapital und Arbeit, der bei Marx aus der Differenz zwischen Erkanntem und Milleubestimmtem herrührt, der aber aufgrund seiner einfachen Vermittelbarkeit und seiner fast schon mystischen Anschlussfähigkeit von Anbeginn der post-industriellen Arbeiterbewegung zentrale Identitätfindungsfunktion darstellte, ist die Grundlage der Idee von der äußeren Bedrohung. Da Arbeiterbewegung und somit die Affirmation derselben für die Wahlchancen der SPD irrelevant geworden sind, findet nun die Transformation des falschen Weltbildes auf das Phänomen der herbeigeredeten Globalisierung statt. Hierbei ist der Nationalstaat der Gute – als postfordistischer Nachfolger des obsolet gewordenen, tüchtigen und rechtschaffenden (sic!, welch emanzipatorische Kategorien) Arbeiters – der gegen das Äußere, früher das Kapital in generale und seine Transformationsstufen als heutige Multinationale Konzerne bzw. eben der Private-Equity-Trusts verteidigt werden muss. Der Dualismus von »kleiner Mann« und Stammtisch ist hierbei verlockend und sorgt für seine exaltierte Position als Werbeobjekt: die Sorge des kleinen Mannes, dessen Beschädigung – emotionale und soziale Disfunktionen – es nicht einmal zulassen, seine eigene Unmündigkeit zu erkennen, ist somit beliebter Anknüpfungspunkt für soziale Phrasendrescherei. Egal ob von links oder von rechts. Die Schnittstelle von Antisemitismus und Antiamerikanismus, der Müntefering hier – ob bewusst oder unbewusst – auf den Leim geht, ist nichts weiter als die Transformation des Ressentiments auf das aktualisierte Objekt »der Begierde«.

"Die Glorifizierung des Underdogs ist die Glorifizierung seiner Gesellschaft"
Theodor W. Adorno, »Minima Moralia«
Wenn also der Jude fehlt, weil Auschwitz sein Übriges tat, bedarf es der erneuten Suche eines Projektionsopfers. Hier erfindet sich der Ungeist seinen amerikanischen Trust und seinen promiskuren Turbokapitalismus um seiner vormodernen Sehnsucht nachmodern Nachdruck und Faktizität zu verleihen. Das Puppenspiel zwischen Ökonomie und dem Createur ihres Rahmens, der Politik, ist gleichsam zu kritisieren. Die mörderische Vernunft der Wertvergesellschaftung und deren notwendiges Pendant der ebenso tödlichen Unvernunft: dem Ressentiment und Wahn.

Update:
Gerade habe ich noch dieses Banner gefunden. Wie Recht Sie haben. Müntefering und Lafontaine stehen wundervoll in einer Linie mit Lenin, der Marx noch nie verstand.

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»Sprich einfach« - Sprache und Ressentiment 1

Die frühen Vertreter der Kritischen Theorie, also Halbgötter wie Walter Bendix Schönflies Benjamin, Theodor Wiesengrund Adorno, Max Horkheimer formulierten relativ durchgängig in den ausführenden Begründungen zur Wahl ihrer sprachlichen Mittel, dass eine der wenigen Möglichkeiten der Einflussnahme auf den Lesenden eben genau diese Wahl sei.

So also ist die Verwendung einer Sprache, die den Leser fordert die Umkehrung der populistischen Logik, die dem politischen Mainstream Sinn stiftend gilt, nach welcher Sprache Verschleierung und propagandistisches Mittel ist. Sprache ist also die Möglichkeit immanent, (Auf-)klärung und Verwirrung zu stiften. Das Erstere muss das Ziel der Kritischen Theorie bzw. ihrer Apologeten sein, zu denen ich meine Wenigkeit inzwischen relativ abstrichlos zählen würde.

Der Kotau vor der Realität, der das angeblich erwachsene, solche Prinzip als Voraussetzung für das massenweise Verständnis propagiert, ist schon die Lästerung der eigentlich Erkenntnis. Sie ist, a priori, falsch nicht mehr förderlich zum Erreichen des Eigentlichen. Bildung lästert wider sich selbst, wenn sie sich als Projekt geriert. Wenn sich also Vermittlung und das Gedankenmachen vor Inhalt und Lehre drängen – also Suggestion und Pädagogik vor ein zu beschreibendes Axiom, Theorem etc. treten – hat das Sein sich längst dem Bewusstsein bemächtigt und der falsch verstandene Materialismus führt sich selbst ad absurdum. Ist somit real geworden als ein generöses Prinzip eines verkuschelten Transformationsergebnisses der Theorie, die ihm einst zu Grunde lag. Ebenso, wie sich Theoriebildung als Veräppelung präsentiert, hat sie sich der realen Transformation schon bemächtigt: der schwächliche, wenigstens potenziell faschistische Charakter ist so weit geöffnet für ihre Umtriebe, dass der Verursacher, die kulturindustrielle Stigmatisierung und Idiotisierung, sowie emotionale Infantilität und Robotisierung, sein Werk schon vollendet hat.

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Ich auch! 0

Nettes Zitat von Henryk M. Broder, gefunden in Torsuns Weblog:

“Ich bin mir sicher, dass ich nicht gaga bin. So bleibt nur die andere Option: Die anderen sind es. Ich sage das ohne jeden Zweifel und ich kann es in jedem einzelnen Fall belegen.”
Henryk M. Broder

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Erwiderung: Rolemodel und Funktion 2

Zu »Leichtfertig, sorglos, würdelos und achtungslos«:

…Fast täglich höre ich, dass jemand Ausdrücke wie “Den bring ich um” sagt…

Hier wird genau der Punkt angesprochen, der die Differenz zwischen der normalisierten, alltäglichen Morddrohung und der Freude über das Ableben einer Person ist. Ersteres ist Teil einer brutalen Verfasstheit und Geisteshaltung des Gros, im anderen Falle ist es die Freude darüber, dass ein bestimmter öffentlicher Würdenträger nicht weiter befähigt ist, seiner ekeligen Rolle als solcher nachzukommen. Die Hoffnung auf das Ableben eines spezifisch Widerwärtigen ist die letzte Hoffnung im Angesicht der Ohnmacht des Individuums in der bürgerlichen Gesellschaft. Sprich: die Freude über das Ableben ist ein spezifischer und kein genereller. Zentraler Punkt ist also die Unmöglichkeit, einer Rolle weiterhin nachzukommen. Diese Position ist also deutlichst unterscheidbar von Ganggewalt, Schlägertruppen und allgemeiner Rohheit.

Schizophrenie oder Rolle und Sein verhalten sich dialektisch
In einer Gesellschaft von Würdenträgern (Pfarrer, Politiker, Maintainer etc.) speist sich das Verhalten innerhalb dieses Rolemodels aus den gegebenen Anforderungen also dem patriarchalem Konglomerat von Erwartungserfüllung, Pflichtbewusstsein, Treue und Selbstdiszisplinierung. Dieser Teil der Existenz ist also nicht zwangsweise kongruent zum wirklichen Sein, sondern viel heufiger gleicht sich Sein und Ich-Struktur der Gegebenheit an.
Die Kritik an solcherlei Rolemodels und deren Materialisierung ist also keine personalisierte, sondern vielmehr die Destruktion der Rolle und ihrer Funktion. Die klammheimliche Freude über einen verstorbenen Papst ist eine über den Tod des Papsts und nicht eine solche über das Ableben des Privatmenschen Karol Wojtyla.

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