Ich bin der festen Überzeugung, dass einen Sendung mit der Maus über Konkurrenzverhältnisse in der Ökonomie mehr helfen würde als jede verschwendete Therapeuten-Stunde, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, der Patient also bereits Wahnvorstellungen über die Nokia-Verschwörung entwickelt hat.
Von Anfang an: die Standorte konkurrieren auf verschiedenen Eben untereinander. Hamburg und Berlin streiten sich darum, wer die Lufthansa bekommt, Wiesbaden und Berlin darum, wer die Damen und Herren des BKA umsorgen darf und Bochum und Cluj eben um Nokia.
Bei der Entscheidung für diesen oder jenen Standort entscheiden die berühmten Standortfaktoren: Niedrige Lohnkosten können nicht schaden, tendenziell ist die Akzeptanz von Privateigentum von Vorteil, marodierende Banden helfen meist nicht, es sei denn sie helfen bei der Beseitigung von Bürgerrechtlern und Gewerkschaftern, Gewerkschafter sind zugleich aber auch nicht unbedingt ein Problem, das Modell Wolfsburg zeigt ja, wie man damit umzugehen vermag und Subventionen für interessierte Standortnutzer sind auch nicht das schlechteste.
Neben den sonstigen administrativen Aufgaben gehört für jeden Politiker ganz zentral zum Berufsbild, dem Standort zu dienen und seine Nutzer zu vermehren. Das ist der nordrhein-westfälischen Landesregierung mit Nokia bisher gelungen, nun aber wurde sie überboten.
Dass sie überboten wurden bringt nun lustige Artefakte zu Tage: Christa Toben – sie ist Wirtschaftsministerin – fiel über Nacht auf, dass Nokia die den Subventionsbescheiden zugrunde liegenden Beschäftigungszahlen nicht eingehalten hatte. Was nur bedeutet, dass ein Unternehmen wie Nokia solange Subventionsbestimmungen missachten kann, wie es die Standortwahl unangetastet lässt.
Struck gibt nun sein Handy zurück. Glaubt man der Berichterstattung über die Durchdringung der Politik mit modernen Technologien, so ist das ein Opfer, das ihn traumatisch schädigen wird. Das ganze Landwirtschaftsministerium soll mobile Endgeräte anderer Hersteller verwenden. Eine Entscheidung die die Firmenzentrale in Espoo erschüttern wird.
Interessanter aber wäre zu überlegen, warum heute noch irgendjemand glaubt in Deutschland auch nur irgendwie erfolgreich reine Industrieproduktion etablieren zu können. Warum einem also nichts besseres einfiel, als nach dem Wegfall von Kohle und Stahl im Ruhrgebiet auf die nächste Branche zu setzen, die planbar nur ein paar Jahre dort bleiben kann. Denn genau das wird für jene, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren, zum Problem. Nur mit “eiskalten Managern” und fieser “Profitorientierung” hat das nichts zu tun.
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