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Germany my love 0

Was schrieben die notorischen Schlaumeier dieser Republik noch für Elogen auf ihr Vaterland während der Fußball-WM: Traktate mit den Überschriften »Deutschland einig Fußballland«, »Klinsis Jungs machen uns stolz«, »Schwarz-rot-geil«. Jenseits grammatikalischer Schwächen gab es also so etwas wie die positive Liebe zu ihrem Land, gestiftet aus dem Erfolg der jungen Herrenfußballnationalmannschaft.


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Eine Station im Lebenslauf 6

1944, Arbeitsdienst, Ende 1944, Waffen-SS, 1947/1948 Praktikum beim Steinmetz. Glücklicherweise muss sich Günter Grass ja nirgends bewerben, seine Aufträge sind ihm sicher, nicht ob seines literarischen Talents, denn seine triefenden Heimat- und Vertriebenenromane voll schlechter Metaphern und verklemmter Rekurse auf die Sexualität sind nicht der Rede wert, sondern weil er zu »den Guten« der Bundesrepublik gehörte. Deren »Gut sein« war aber immer mehr als eingeübter Gestus im neuen, demokratischen Politikbetrieb, er war zugleich die einzige Werbung, die der Generation Massenmörder so übrig blieb. Sie sind damit auch die praktischen Vorläufer der heutigen »gebrochenen Biographien« (erst abgebrochenes Kunststudium dann Studium der evangelischen Theologie und dann doch die Umschulung zum Verwaltungswirt zu machen) und somit furchtbar modern. Das ist auch die zentrale Debatte bei Grass heute. Kann man bei der öffentlichen Bewerbung die Station »Waffen-SS« wirklich erwähnen? Oder sollte man sie lieber unter »Sonstiges« subsumieren? Eventuell vielleicht lieber zum Zeltlager umbenennen? Man merkt schon, die Unsicherheit bleibt, wieviel »gebrochene Biographie« man seinen Arbeitgebern – und mit denen haben es Künstler, Schriftsteller, Journalisten, etc. ja immer ganz besonders schwer, müssen sie doch der Herrschaft jede kleinste Regung aus jeder mimischen Verzerrung lesen – präsentieren kann. Grass hat nun beschlossen, ein Detail mehr anzugeben und wird dafür heftig gelobt. Dass man nach Auschwitz kein Gedicht mehr schreiben kann, hat ihn nie interessiert, er schrieb vor allem immer wegen des Nationalsozialismus und vor allem wegen seines Schreckens – vorrangig bei ihm der Verlust von Danzig. Klaus Theweleit fand gegenüber dem Tagesspiegel als einer der wenigen die richtigen Worte: »Es handelt sich um die Reklameaktion eines Publicity-Süchtigen, der ein neues Buch geschrieben hat. Wenn Grass den Umfragen entnimmt, dass nicht 102 Prozent der Deutschen ihn kennen, dann fällt ihm so etwas ein.«

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