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Kreuzschmerzen 1

In zehn Tagen bleiben nur noch neun Jahre bis zum sicheren Ende, dem dreißigsten Geburtstag. Also im Grunde genommen bin ich noch nicht furchtbar alt. Trotzdem quälte ich mich heute den ganzen Tag mit derben Rückenschmerzen. Schuld daran war das phänomenale Konzert von CSS im Gebäude 9 (ein schön-schmutziger Club). Nun, es fing denkbar schlecht an. Die erste Vorband hatte den Charme einer Klassenfahrt von Zwölftklässlern eines Dorfgymnasiums. Auf einmal standen die Jungs von The Holloways auf der Bühne, wussten nicht genau, was sie nun tun sollten und fingen an zu spielen. Dabei gebärten sie sich denkbar uncool und ironiebefreit, produzierten grottenschlechtes Gitarrengeschrubbe, was vermutlich irgendwie entfernt Brit-Pop sein sollte. Das Publikum, das vermutlich alles gut findet, was ihnen vorgesetzt wird, schüttelte dämlich den Kopf und glotzte beseelt. Wer’s mag.
Danach kam eine brasilianische Volksmusikgruppe, Tilly And The Wall. Nun, nicht solche mit Alpaka-Poncho, Panflöte und Akkustikgitarre, sondern die Studentenversion davon. Also eine Gruppe bestehend aus drei Damen und ebensovielen Herren, einer bekleidet mit skurrilem Retro-Peace-Sign-Shirt, die wirklich nervige Volksmusik spielten, mit debilen Texten wie »Let us be free-ee-ee-ee«. Also Shakira macht im Grunde genommen ja schon recht dürftige Musik, diese Stundentenkapelle hingegen unterbot alles was man an Latin-Kitsch so kennt um Längen. Ricky Martin ist im Vergleich dazu ein richtig ernstzunehmender Musiker. Das alles hielt große Teile des Publikums natürlich nicht davon ab, wieder bekloppt mit den Köpfen zu wackeln, ab und an hippiesk mit den Armen zu wedeln und auch ansonsten ausgiebige Geschmacksbefreiung zur Schau zu stellen. Aber genug des Ärgers, selbst schuld, wenn man so früh da ist.
Endlich um 23:00h herum betraten dann CSS die Bühne. Nach dem ersten Stück konnte man die Band nicht mehr sehen, der Kunstnebel war wohl ein klein wenig überdosiert. Schnell verschwand der Nebel und ebenso schnell bewegten sich die Körper der Tanzenden zur wirklich fantastischen Show. Die Rockereien der Frontfrau würde ich nicht einmal fünf Minuten durchhalten ohne umzufallen. Nach einer Stunde war dann Schluss und sogar das Armband meiner Uhr komplett durchgeschwitzt. Und mein Rücken wurde wohl auch ein wenig in Mitleidenschaft gezogen. Ob es von apruppten Bewegungen kommt oder temporäre Altersschwäche ist, bleibt ungeklärt.

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»Da, wo gute Geschäfte sind« 0

Die Unternehmensgruppe DuMont, zu der u.a. die DuMont Neue Medien und der DuMont Verlag, mit seinen Untergliederungen DuMont Reiseverlag und dem DuMont Literatur- und Kunstverlag gehört und der die Kölner Zeitungen Kölner Stadt-Anzeiger, die Kölnische Rundschau und die hiesige Regionalvariante der Bildzeitung, den Express, herausgibt, ist stolz auf ihre vor allem antifaschistische Geschichte. Noch 2003 widmete sich dieses Blatt in einer Serie Arisierungs-Gewinnlern. Während des Nationalsozialismus war man, so die eigene Geschichtsschreibung, als liberale Verlagsgruppe der Verfolgung ausgesetzt. Nun hat der Historiker und Journalist Ingo Niebel Gegenteiliges recherchiert. In der Entnazifizierungsakte Neven DuMonts gebe dieser freimütig zu, dass sein Unternehmen 1941 von der Enteignung des jüdischen Wäschereibesitzers Brantenstein profitiert habe. Interessant ist auch das Objekt, welches DuMont damals erwarb: es handelt sich um das DuMont-Carré an der Breiten Straße, das heute unter dem Leitspruch »Da, wo gute Geschäfte sind« als nobles Einkaufcenter fungiert. Bis 1941 gehörte das Gebäude zum Besitz des jüdischen Wäschereibesitzers Fritz Brantenstein und wurde dann – im Zuge der Arisierung – vom Gerling-Konzern erworben. Im Besitz des Gerling-Konzerns blieb es für drei Jahre und wurde dann weiterverkauft – an Neven DuMont.
Mit dem Einkaufszentrum vergoldet sich DuMont heute posthum das Leid der jüdischen Bevölkerung im Nationalsozialismus. Mit gutem Gewissen, als angeblich Opfer, gestern und heute »da, wo gute Geschäfte sind«.

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