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Deutsche Helden 7

Nun gut, kündigte ich kürzlich noch an, ich würde mich entspannen, so ist das nun endgültig vorbei. Es geht nicht, es ist zu schlimm, diese Band ist fürchterlich. Sie ist der optimale Vertreter des neuen Deutschlands, das ach so aufgeklärt, der Welt seine Ideen »nahebringt«. Eine Band, die es nötig hat, in vollkommener Verschmelzung mit ihren Kollektiv, sich darauf zu freuen, dass man »nach Berlin fahre«, ist vollkommen indiskutabel. Dass sie außerdem live noch langweiliger ist als wenn die Tracks wenigstens nachbearbeitet wurden, spricht Bände. Da ist einfach nichts. Man nehme fünf Sozialpädagogen mit Redehemmungen und abgebrochenem Studium, komischem Kleidungsstil und genug Ferne von jeder Ästhetik, gebe ihnen Instrumente in die Hand, die sie nicht spielen können, und nenne sie »Wir sind Helden«. Dann lasse man sie noch darüber singen, dass »wir« – gefälligst – »nur zu wollen haben«.
Wirkliche Helden abmelden wird diese Band nicht. Sie ist für all jene, die sich dafür schämen, Pur zu mögen, weil ihre Eltern das eben auch schon taten. Ist die Musik schon aus der Konserve eher bräsig, aber wenigstens noch erträglich, so verwandelt sich der Joschka Fischer-Habitus, dass Leid der Welt in den Stücken zu tragen und die Zuhörer gefälligst mitleiden zu lassen, live in eine einzige groteske Posse. Zwischen dem schwer erträglichen Sermon nuschelt Judith Holofernes, bisher eher durch ihre naiv-dümmliche Art beim Aufenthalt in Upperclass-Plapperrunden aufgefallen, irgendwas von ihrer guten Laune ins Mikrofon, freut sich über ihre Fans, Deutschland oder gleich die ganze Welt und grinst gar debil. Eines ist sicher: wenn jemand Deutschland ist, dann Judith Holofernes.

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Das Décolleté des Adam Green 2

Bisher fiel mir Adam Green vor allem durch eines auf: mir schon immer skurril erscheinende Waldorfschüler fanden ihn großartig, wiesen mich immer wieder darauf hin, ihn doch unbedingt zu hören, er sei so überaus genial und – wie könnte es anders sein – witzig. Ich fand ihn vor allem konventionell. Eine Mischung aus hippiesker Flowerpower-Ästhetik und seinem Nimbus als junger, leicht entrückter Songwriter. Irgendwo zwischen George Harrisson und Jack Johnson, weniger Strand, mehr Melancholie, weniger Rock‘n Roll, mehr Pop. Auch er war auf dem Southside-Festival vertreten. Und jenseits der Bestätigung des Eindrucks, er sei vor allem unspannend, blitzte immer wieder sein Talent hervor. Sobald er die ausgetretenen Pfade des Rokoko-Hippietums verlässt, wird es interessant. Dann nämlich, wenn er sich an einen 5/4-Takt wagt, wenn er seinen normalen Stil mit Klezmer-Anleihen versieht oder wenn die Melodie der Tracks sich nicht nach den ersten zwei Akkorden erschließt. Dies gelingt ihm leider viel zu selten. Aber dass es ihm gelingt, lässt darauf hoffen, dass er in Zukunft einige gute Platten veröffentlicht. Vielleicht dann, wenn er die Anbiederung an die verspäteten Hippies materiell nicht mehr nötig hat. Solange allerdings, wird er vor allem durch seine Po-Ritze überzeugen, die zur Freude des Publikums immer wieder hervorlugt. Das ist eine Symbolik, die es versteht.

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Riot Grrrls on stage 7

Vor ein paar Wochen noch kannte ich die Band The Gossip nur dem Namen nach. Bei seinem Besuch in Köln, hinterließ Daniel einige feine Tracks. Darunter »Standing in the way of control« von – eben – The Gossip. Nach einem erneuten Blick auf das Programm des Southside-Festivals stellte ich fest, dass dort The Gossip auch vertreten sein würden. Als Bericht genügt, dass es großartig war. Diese Band rockt schwer. Wie man bei sengender Hitze in einem Zirkuszelt bei gefühlten vierzig Grad eine solch phantastische Show abliefern kann, bleibt mir vollkommen unbegreiflich. So gut sogar, dass man den Durst, den in Strömen fließenden Schweiß, der nun wirklich nicht nach Vanille oder gar Zimt riecht, vollkommen vergisst. Auch wenn die Wikipedia meint, man könnte die Musikrichtung als Post-Punk bezeichnen, so wird es The Gossip nicht gerecht. Viel zu spürbar sind Blues-Einflüsse, die mit harten Gitarrenriffs, der überwältigenden Stimme von Beth Ditto und deutlichen Remeniszenzen an Punk-Einflüsse The Gossip musikalisch zu dem machen, was sie aktuell sind: eine großartige Band.

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Tomte und der Zorn der Musikindustrie 6

»Auf dem Hurricane-Festival hatten wir am Freitag eine Autogrammstunde um 16:00h gegeben, da war schon alles voller Schlamm und die Leute sehr betrunken. Dagegen wirkt das hier wie eine Versammlung von Spiegel-Lesern. In meiner Welt sind Spiegel-Leser ja was Gutes. Man muss schließlich wissen, was der Feind schreibt.«
Thees Uhlmann, Tomte
Ich beginne kurz von vorne, um dann mit dem letzten Ereignis zu schließen: von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend war ich in Neuhausen ob Eck, einem vollkommen wohlfeil zu ignorierendem Kaff auf der schwäbischen Alb. Das Einzige, das den Aufenthalt dort rechtfertigt, ist das jährlich stattfindende Southside-Festival. Leider endete das Festival gestern Abend nicht programmgemäß, sondern musste aufgrund heftiger Sturmböen unterbrechen werden – und das am Anfang des Auftritts von Tomte. Erst einige Stunden später wurde es dann fortgesetzt – allerdings ohne mein Beisein, ich hatte auf eine Absage angesichts des Wetterumschwungs spekuliert und war inzwischen gegangen.
Hatte Thees Uhlmann, der Frontmann von Tomte, am Anfang noch im Hinblick auf die aufziehenden Regenwolken vom Zorn der deutschen Musikindustrie gesprochen, der über die beim Independent-Label Hotel van Cleef unter Vertrag stehende Band, hereinbreche, so fragte er sich beim dann folgenden Abbruch schon, ob er wirklich ein so großes Arschloch sei. Neben der großartigen Musik, für die sich Tomte seit Jahren verantwortlich zeigt, macht die Intelligenz der Band diese sehr angenehm. Die Fraternisierung mit den vorrangig pubertären Zuschauern hat sie nicht nötig, vielmehr wird das Konzert mit einem Glas Wein in der Hand begonnen. Schade, dass es nur für drei Stücke gereicht hat.

Filed on 26-06-2006, 19:07 under , , , , , , & six comments & no trackbacks

Ausverkauft 2

Glücklicherweise gehöre ich zu den exklusiven Besitzern einer Karte für’s Southside. (Tue ich doch, Stefan?). Außerdem steht das Programm und die Kollisionen sind akzeptabel.

Filed on 24-05-2006, 10:10 under , , , & two comments & no trackbacks

Werbeeinblendung 2

Gleich doppelt Interessantes nächste Woche. Am Mittwoch, 24. 5. geht es mit Thomas Ebermann, Rainer Trampert im Buchladen Le Sabot mit ihrem aktuellen Programm »Zu Gast bei Freunden« los. Am Donnerstag, 25.5. dann Daniel Kulla im Rahmen des Open Chaos beim Kölner Chaos Computer Club mit dem Vortrag »Entschwörungstheorie«.

Filed on 18-05-2006, 12:12 under , , , , , , , , & two comments & no trackbacks

Schöner Fund: Christian Kjellvander 0

Faya
(Music)
Artist: Christian Kjellvander
Manufacturer: V2 Records (rough trade)
Released: 27. Januar 2006
Beim morgentlichen Bespielen meines iRivers in den »fertig«-Ordner meines favorisierten Filesharing-Clients geschaut und festgestellt, dass dort ein Stück herumfährt, dass mir nichts sagt. Ebensowenig kann ich mich erinnern, es heruntergeladen zu haben. Ob nun akuter Gedächtsnisschwund aufgrund von zunehmendem Alter oder einfach nur alltägliche Vergessenheit, ist vollkommen gleich, denn es ist sehr großartig: sonore Stimme, leise, unaufdringlich und dazu unaufgeregt und dezent ein paar Gitarren und Klavierklänge. Die Rede ist von »Foreign Rain« von Christian Kjellvander, erschienen auf seiner Platte Faya. Und das Schönste: mein lokaler Bittorrent-Fachhändler hat das sogar im Angebot.

Filed on 24-04-2006, 14:02 under , , , , & no comments & no trackbacks

Übermäßiger Alkoholgenuss und phänomenale Musik 2

Darauf freue ich mich ja schon riesig. Karten werden morgen bestellt, also wer noch mitmöchte ganz schnell melden.

Filed on 09-03-2006, 22:10 under , , , , & two comments & one trackback

The internet is for porn 2

Yeah, I like it.

Filed on 09-03-2006, 12:12 under , , & two comments & no trackbacks

Vorfreude stillen 0

Mitte März kommt die neue Scheibe von Placebo in die Läden: Meds. Die Vorfreude lässt sich aber schon jetzt stillen.

Filed on 26-02-2006, 13:01 under , , , , & no comments & no trackbacks

Webmontag Frankfurt 14

»Schon besser« wäre mein Fazit. Nachdem ich zum ersten Webmontag in Köln noch fleißig herumgepöbelt habe, konnte ich es trotzdem nicht lassen, wieder hinzugehen. Diesmal sogar mit eigenem Vortrag (mit fukami) zu Sicherheit im Web 2.0. Angelegt klarzumachen, dass mit dem Paradigmenwechsel von der Content-zentrierten Anwendung hin zur User-zentrierten auch einige neue Gefahren auftauchen, besser gesagt alte Gefahren in neuen Gewändern, und ausgebaut als kleiner Rant über existierende Probleme. Meinen ausdrücklichen Dank an Nico Wilfer für seine Coolness, zwei seiner Projekte als Demoobjekte herzugeben. Glaube nicht, dass das jeder so bringt, danke. Weitere Ergebnisse des Abends: Gerrit van Aaken ist didaktisch durchaus talentiert, sein Vortrag zu Typographie im Netz war spannend, Beate Paland gab eine wirklich gute Einführung (soweit ich das mitbekam) in Ruby on Rails, Moe ist auch live ne coole Sau und: es hat diesmal schon viel mehr Spaß gemacht.

Update:
Moe hält uns für nette User, Thomas Wahnhoff sieht unseren Vortrag unter den besten, poocs.de hat Photos, blogwinkel bringt meinen Realname und meinen Nick zusammen, sollte ich gleich verklagen (macht man heute anscheinend so), zu hören gibt es uns auch und die Folien stehen nun auch online (Live, Tarball).

Filed on 07-02-2006, 07:07 under , , , , , , , , , , , , & 14 comments & one trackback

Gnädiger Deichbruch 2

Auch wenn Nico sich dem CD-Kauf verweigert, ich nicht. Ich habe aber – soweit ich weiß – auch keine kleine Tochter. Deswegen: letztes Weihnachtsgeld im dicken Saturn am Hansaring (»Größte Ansammlung von CDs der Welt«, laut Selbstbeschreibung) auf den Kopf gehauen und CDs erworben.


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Filed on 08-01-2006, 12:12 under , , , , , , , , , & two comments & no trackbacks

Schokokeks.org is featuring Egotronic 0

Schokokeks.org bietet nun alle herunterladbaren Stücke der Berliner Band Egotronic an. Sie können unter mirror.schokokeks.org bezogen werden. Im Gegensatz zu den Originalen, im Netz befindlichen Downloads, sind sie ordentlich getaggt und benannt, was das wiederfinden und abspielen erleichtern sollte.
Torsun, Sänger bei Egotronic, verspricht, mir noch weitere Formate zukommen zu lassen, damit wir dann OGG (Vorbis) und FLAC (Free Lossless Audio Codec) anbieten können. Bis dahin: viel Spaß. Die Musik ist absolut lohnenswert, tanzbar und undoof.

Filed on 03-01-2006, 18:06 under , , , , , , , , , , , , & no comments & no trackbacks

22C3: Technological art off the trodden tracks 0

Quite fine talk. Régine Débatty (Weblog, read it!) and Jussi Ängeslevä are currently talking about »Technological art off the trodden tracks«. They’re focusing on the use of »bad« techniques, e.g. RFID-tags, CCTVs and so on, for funny and artistic issues. There thesis are to combine hacking and artistical work.
A good idea, as I think (nevertheless I want to abolish arts) to combine different kinds of »hacking«. Use hacking as a term for creative work on and with different techniques. Constructing a gap between hacking and arts is quite synthetic or do you really argue that all the thing the hackers are doing makes sense?

Filed on 28-12-2005, 21:09 under , , , , , , , & no comments & no trackbacks

Drupal ist sexy! 0

Und zwar sehr, sehr sexy. Erzählte Gerd auch schon einmal.

via Nico


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Filed on 21-12-2005, 19:07 under , , , , , , & no comments & no trackbacks

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