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Meine Lieblingsalben 2000 – 2009 3

Zur Jahreswende ist es Zeit auf die letzten zehn Jahre Popmusik zu schauen. Allen ein gutes neues Jahr zu wünschen, wann auch immer es in den jeweiligen Kalendern beginnt.

20 Matisyahu Youth 2005

Matisyahu – Youth

19 Joanna Newsom Ys 2006

Joanna Newsom — Ys

18 The Shins Oh, Inverted World 2001

The Shins - Oh, Inverted World

17 Rufus Wainwright Release the Stars 2007

Rufus Wainwright - Release the Stars

16 Architecture in Helsinki Fingers Crossed 2003

Architecture in Helsinki - Fingers Crossed

15 Morrissey Years of Refusal 2009

Morrissey - Years of Refusal

14 Editors The Back Room 2005

Editors - The Back Room

13 The Kooks Inside In/Inside Out 2006

12 Gossip Standing in the Way of Control 2006

Gossip – Standing in the Way of Control

11 The Good, The Bad & The Queen The Good, The Bad & The Queen 2007

The Good, The Bad & The Queen - The Good, The Bad & The Queen

10 The Knife Deep Cuts 2003

The Knife – Deep Cuts

09 Element of Crime Mittelpunkt der Welt 2005

08 Bloc Party Intimacy 2008

07 Arctic Monkeys Whatever People Say I Am, That's What I’m Not 2006

Arctic Monkeys — Whatever People Say I Am, That's What I’m Not

06 Maxïmo Park Our Earthly Pleasures 2007

05 Johnny Cash American V: A Hundred Highways 2000

Cover: Johnny Cash – American V: A Hundred Highways

Mit der Veröffentlichung von American V: A Hundred Highway nach dem Tod Johnny Cashs geht ein Stück Musikgeschichte zu Ende. Die American Recordings-Serie zeigt Cash auf dem Höhepunkt seines musikalischen Schaffens. Wer hat nicht wenigstens eins dieser Stück gehört und nicht wieder vergessen: The Beast In Me, Bird On A Wire, I See a Darkness, I Won’t Back Down, The Mercy Seat, Solitary Man.

Den Tracks des letzten Albums ist der Gesundheitszustand Cashs aufgeprägt: seine brüchige Stimme verstärkt die Melancholie, die der ganzen Serie anhaftet. Unvergessen das Celebrity-Tribute-Video zu God’s Gonna Cut You Down.

Die letzte Platte ist nicht die beste der Serie, sie ist aber sicher die beeindruckenste. Ob aus pragmatisch-ökonomischen Gründen, wie bei Veröffentlichung gelästert wurde, oder aus edleren Motiven: ein Album zu veröffentlichen, auf dem deutlich zu hören ist, dass es das letzte sein wird, zwingt den Zuhörer zu irgendeiner Art von Reaktion. Und wem Cashs Musik etwas bedeutet, der wird gerade dieses Album in seiner bitteren Süße genießen.

04 Modest Mouse Good News for People Who Love Bad News 2004

Modest Mouse – Good News for People Who Love Bad News

Wenn wir schon bei Rockmusik sind: im Sommer 2007 empfahl mir ein Bekannter Modest Mouse als ein wenig verspult aber interessanter Sound. Und er meinte nicht nicht picky-interessant, sondern interessant-interessant. Also hörte ich mir das an und reagierte erstmal zurückhaltend. Ja, lustiger Albumtitel, ja, Musik ist Okay aber mehr war erstmal nicht. Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen hörte ich das Album aber weiterhin an und irgendwann gefiel es dann doch. Sogar ziemlich gut. Jedenfalls so gut, dass ich kurz darauf Modest Mouse live sah, mir den Rest Ihrer Alben besorgte und immer weiter hörte.

Good News for People Who Love Bad News klingt wie heiser und aggresiv – wie Musik manchmal sein muss. Die Gitarren schrammeln, das Schlagzeug treibt, Rockstruktur halt.

Lieblingstitel

  • 02: World At Large
  • 03: Float On
  • 06: Bury Me With It
  • 08: Bukowski

03 Eels Souljacker 2001

Eels – Souljacker

Life ain’t pretty for a dog faced boy heißt es im Refrain von Dog Faced Boy. Life ain’t pretty for the E man würde genauso passen.

Mark Oliver Everett hat mit Eels bis heute eine Reihe von Platten hingelegt, die so unfassbar gut sind, dass selbst die schlechten noch die musikalische Konkurrenz bei weitem übertreffen. Aber über die schlechteren wollen wir nicht reden, wir reden über Souljacker. Souljacker ist deswegen so interessant, weil es all dass, das Eels kann, auf eine Platte presst. Da geht es krächzend los mit Dog Faced Boy und That’s not Really Funny, dann folgen Fresh Feeling und Woman Driving, Man Sleeping ganze ruhige Stücke, die sogar mit Streichern umso besser funktionieren, nur um wieder von einem klassischen Rock-Arrangement, nämlich Souljacker I, abgelöst zu werden. In Friendly Ghost verschmelzen die beiden Stilrichtungen und werden angereichtet mit Elementen des Folk zu einem netten 3:23 Stückchen.

Zwischen 2000 und 2009 sind ganze sieben Eels-Alben erschienen, nur eines zu loben wäre unaufrichtig. Souljacker ist die Verdichtung aller anderen Alben, die hier aber nicht unerwähnt bleiben sollen. Wer den symphonischen Teil weiter kennenlernen will, kann auf With Strings: Live at Town Hall Neuinterpretationen der Eels-Stücke mit Orchester lauschen, wem nach poppigen Arrangements zu Mute ist, der wird mit Daisies of the Galaxy glücklich.

02 Tocotronic Kapitulation 2007

Tocotronic – Kapitulation

Der deutschen Poplandschaft entsprießten um die Jahrtausendwende ein Haufen musikalisch und textlich ausbaufähiger Bands wie Juli, Echt, Silbermond oder Revolverheld. Ausbaufähig ist eine freundliche Untertreibung, solcher Quatsch sucht seinesgleichen. Diese Bands mussten immer betonen, wie sehr sie von Tocotronic beeinflusst wurden. Diese Entwicklung griffen Tocotronic 2002 mit ihrem Album Tocotronic, auch als Weißes Album bekannt, auf. Sicher auch aus dem Bedürfnis der Abgrenzung heraus wurde die vormalige Sloganhaftigkeit mehr und mehr verdrängt durch diffizilere, lyrische Texte.

Reise nach 2007: Seit 1998 war die Schröder-Regierung an der Macht: Deutschland war im Reformfieber, seitdem wird gefördert und gefordert, ohne Eigeninitiative geht gar nichts mehr. In dieses Treiben hinein veröffentlichte Tocotronic 2007 ihren Aufruf, den Quatsch einfach mal sein zu lassen. Nicht als aufdringliche Liedermacher-Dichtung, sondern als höflicher Schubser, wegzulaufen, sich zu verstecken – eben zu kapitulieren, wenn man es nicht mehr aushält.

Der Klang der Platte ist, trotzdem sie als Themenalbum angelegt ist, typisch für die ehemaligen Neulinge der Hamburger Schule: gitarrenlastig, roh. Über den Klangteppich breitet sich die Nichtstimme von Dirk von Lowtzow, die mal brüchig und zurückhaltend wie in Dein geheimer Name oder stampfend wie in Sag alles ab das stimmliche Spektrum der Band beleuchtet. Die Platte kann einfach als Rockmusik gehört werden, als poetisches Album voller versteckter Referenzen oder eben als auch als politisches Konzeptalbum. Die Vorgänger-Alben waren richtig und wichtig, doch nie war Tocotronic auch musikalisch so gut.

Lieblingstitel

  • 02: Kapitulation
  • 06: Harmonie ist eine Strategie
  • 10: Sag alles ab

01 Arcade Fire Neon Bible 2007

Arcade Fire – Neon Bible

Mit Neon Bible zeigten Arcade Fire 2007 was sie können: ungewöhnliche Arrangments an den Genre-Grenzen von Folk und Rock unterlegt mit ungewöhnlichen Instrumenten wie Orgel und Akkordeon. Was auf dem Vorgänger Funeral schon anklang, Dunkelheit, Hysterie, drückende Hitze, wird hier zur Perfektion getrieben. Wer behauptet, nach Pink Floyd könne im Pop niemand mehr Songs die Anmutung von Opern-Arien geben, sieht sich getäuscht. Der Qualität von Neon Bible können auch die in reaktionäre Sehnsucht sich wendenden Texte kaum etwas anhaben: zu berauschend, zu atemberaubend ist die Schönheit dieser Aufnahme.

Und weil ich in den letzten zehn Jahren einfach kein Album gehört habe, dass mich dermaßen gefesselt hat, muss es auf Platz 1 landen.

Lieblingstitel

  • 01: Black Mirror
  • 03: Neon Bible
  • 04: Intervention
  • 11: My Body is a Cage

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Kurze Durchsage 2

So. Für dieses Jahr braucht man keine Musik mehr zu hören. Es gibt dieses Jahr genau zwei wirklich relevante Alben. Einmal Arcade Fire – Neon Bible und Tocotronic – Kapitulation. Das war’s. Nichts weiter. Bis zum 1/2008 muss niemand mehr neue Scheiben anhören, die Sache ist gelaufen.

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With or without »The« 3

»The Arcade Fire« or »Arcade Fire«?
However, the new album »Neon Bible« has been completely leaked. You should give it a try. Eric Clapton and the Colplay-guys cannot be both wrong.

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