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Deutsche Helden 7

Nun gut, kündigte ich kürzlich noch an, ich würde mich entspannen, so ist das nun endgültig vorbei. Es geht nicht, es ist zu schlimm, diese Band ist fürchterlich. Sie ist der optimale Vertreter des neuen Deutschlands, das ach so aufgeklärt, der Welt seine Ideen »nahebringt«. Eine Band, die es nötig hat, in vollkommener Verschmelzung mit ihren Kollektiv, sich darauf zu freuen, dass man »nach Berlin fahre«, ist vollkommen indiskutabel. Dass sie außerdem live noch langweiliger ist als wenn die Tracks wenigstens nachbearbeitet wurden, spricht Bände. Da ist einfach nichts. Man nehme fünf Sozialpädagogen mit Redehemmungen und abgebrochenem Studium, komischem Kleidungsstil und genug Ferne von jeder Ästhetik, gebe ihnen Instrumente in die Hand, die sie nicht spielen können, und nenne sie »Wir sind Helden«. Dann lasse man sie noch darüber singen, dass »wir« – gefälligst – »nur zu wollen haben«.
Wirkliche Helden abmelden wird diese Band nicht. Sie ist für all jene, die sich dafür schämen, Pur zu mögen, weil ihre Eltern das eben auch schon taten. Ist die Musik schon aus der Konserve eher bräsig, aber wenigstens noch erträglich, so verwandelt sich der Joschka Fischer-Habitus, dass Leid der Welt in den Stücken zu tragen und die Zuhörer gefälligst mitleiden zu lassen, live in eine einzige groteske Posse. Zwischen dem schwer erträglichen Sermon nuschelt Judith Holofernes, bisher eher durch ihre naiv-dümmliche Art beim Aufenthalt in Upperclass-Plapperrunden aufgefallen, irgendwas von ihrer guten Laune ins Mikrofon, freut sich über ihre Fans, Deutschland oder gleich die ganze Welt und grinst gar debil. Eines ist sicher: wenn jemand Deutschland ist, dann Judith Holofernes.

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Comments

  1. Julia reckons:
    published on June 27th 2006, 11:06:21 pm *

    So schlimm find ich Wir sind Helden gar nicht. Ich mag n paar Lieder. Bin ich jetzt auch Deutschland?

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  2. Lars Strojny replys:
    published on June 27th 2006, 11:09:07 pm *

    Du bist sowieso Deutschland. Ich mein, so als Quasi-Chefredakteurin … [maritime Metapher hier einfügen].

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  3. Julia opines:
    published on June 27th 2006, 11:20:44 pm *

    Hm. Das kann dir ja nicht passieren, so als strong blonde handsome sailor (Norwegians call you Lars!).

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  4. Lars Strojny returns:
    published on June 28th 2006, 08:15:31 am *

    Frechheit. Und blond, das bin ich nur im Sommer.

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  5. Kai Raven replys:
    published on June 27th 2006, 11:56:41 pm *

    Klasse, Lars. Du sprichst mir aus der Seele bzw. das aus, was schon immer diffus in meinem Hinterkopf bohrt, wenn ich die mal zu hören bekomme oder in der Glotze sehe.

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  6. mawa reckons:
    published on June 28th 2006, 10:45:15 pm *

    Da zeigt sich mal wieder, dass sogar die kritischsten Individuen immer wieder von der Gewalt, die der spätkapitalistischen bürgerlichen Gesellschaft strukturell immanent ist, vereinnahmt werden, wenn sogar du müde alte Klischees vom Pur-Mögen berufst, um auch ja einen Prügelknaben zu wählen, an dem die bewusstlose Masse keinen Anstoß nehmen wird. :)

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  7. Lars Strojny replys:
    published on June 28th 2006, 10:52:05 pm *

    Die Differenz zum Schlager bestimmter Geschmäcker ist nur eine Differenz der Befindlichkeit. Das ist der Punkt. Pur ist durchaus kein wohlgefälliger Prügelknabe, vielmehr ist die Haltung der meisten ambivalent. Das Authentische ist positiv, der Kitch hingegen unangenehm.

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