Jörg Schönbohm wäre gerne mehr als er ist. Glücklicherweise ist er nicht mehr: Ein unbedeutender Politiker, der bei der Postenverteilung seiner Partei regelmäßig leer ausgeht und Ministerpräsident eines mittelgroßen Bundeslandes, das vor allem zwei Dinge reichlich hat: Moorlandschaften und Stiefelnazis. Ersteres ist unpraktisch und Zweiteres massiv unangenehm. Nicht weil Jörg Schönbohm sonderlich viel Mitleid mit Halbtoten falscher Hautfarbe hätte, nein, vielmehr weil der, wie er es nennt, »Imageschaden« für sein unbedeutendes Bundesland so hoch ist. Da rebellieren zwei überangepasste Stiefelnazis gegen jemanden, dessen Hautfarbe auch Schönbohm nicht mit der deutschen Leitkultur vereinbar fände und empfehlen sich somit eigentlich ganz wunderbar für die lokale Ortsgruppe der Jungen Union. Diese Empfehlung sieht Schönbohm und deswegen soll gefälligst Bundesstaatsanwalt Kay Nehm nicht weiter die schwarz-braune Kaderbildung stören. Nun stehen die klugen Mahner, Kerzenschwenker und andere, die jeden Restverdacht ausräumen, sie könnten Intelligenz überhaupt buchstabieren, selbstverständlich Gewehr bei Fuß: Die hohe Arbeitslosigkeit sei schuld, sie soziale Perspektivlosigkeit oder – wie beim letzten Mal – das Fehlen irgendwelcher bürgerlichen Werte, das seit der Zeit der DDR den dortigen Insassen als Gendefekt anhängt. Schönbohm sollte sich abregen: als Initiator des Leitkulturgeschwafels sollte er sich an der prügelnden Avantgarde seiner eigenen Idee erfreuen, sind doch die meisten Einwohner seines Bundeslandes offensichtlich gern bereit, diese massiv gewalttätig durchzusetzen.
Georg Schütte, Generalsekretär der Humboldt-Stiftung, die jedes Jahr einige hundert ausländische Studenten zum Aufenthalt in Deutschland überredet, meint, man könne doch keine Bannmeilen um ostdeutsche Städte ziehen. Warum eigentlich nicht?
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