Bei Marx heißt es ganz zu Anfang des Kapitals:
»Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des Warenkörpers bedingt, existiert sie nicht ohne denselben. Der Warenkörper selbst, wie Eisen, Weizen, Diamant usw., ist daher ein Gebrauchswert oder Gut.«Aus dieser zentralen Erkenntnis folgernd, kann man bei Adorno nachlesen, Kulturindustrie und -produktion sei eine »willentliche Integration ihrer Abnehmer von oben«. Nun denn, der Wille ist da, nur das Angebot so schlecht. Sobald man sich von der Latenz hin zur Intensivität wagt, so wird man enttäuscht. Will man sich unterhalten lassen, so ist das Angebot so schlecht. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, so der Titel des gleichnamigen Aufsatzes von Benjamin, bietet in seiner normativen Form zu wenig. Machen wir es kurz: ich war im Kino und der Film war schlecht. »Inside Man«, der neue Streifen mit von mir sehr veehrten Denzel Washington ist dermaßen misslungen, dass jede geschriebene Zeile eine zu viel ist. Die Geschichte ist schnell skizziert: ein superschlauer Bankräuber überlistet alle, ist ja auch klar, sein Papa trägt eine Kippa, er muss also schlau sein. Sein Gegner ist einerseits ein wohlhabender Bankier, selbst Jude, wie die Kameraführung dem Zuschauer beim Schwenk über Chanukka-Leuchter und Magen David vermittelt. Jener Bankier ist ein übler Finger, bereichterte er sich doch in der Zeit des Nationalsozialismus am Leid seiner Glaubensbrüder und -schwestern. Nun gut, der Bankraub gelingt natürlich und der gute Polizist, umhüllt von Intrigen, bringt die Wahrheit ans Licht. Wir lernen: Juden sind entweder arm und gewitzt und gut oder reich und böse. Wenn sie letzteres sind, profitierten sie vom Nationalsozialismus. Über schwarze Polizisten lehrt der Film: sie heben im Gespräch mit ihren Freundinnen immer die Größe ihrer Geschlechtsteile hervor und die Freundin ist zudem ein verdorbenes Luder ist, dass nach getaner Arbeit nur darauf wartet, es ihrem Helden gar heftigst zu besorgen.
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jot*be opines:
published on March 31st 2006, 09:05:51 amIch fand den Film halt klassisch Ami/Hollywood-Style. Aber unterhaltsam – Natürlich nur, wenn man ihn einfach mit dem Aspekt der Unterhaltung betrachtet :)
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scrupeda says:
published on March 31st 2006, 11:44:54 amDabei ist Adornos Vorwurf an die Kulturindustrie ja gerade, dass ihr Zeug eben nicht wirklich unterhält. Aber ich habe auch den Film nicht gesehen…
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Lars Strojny opines:
published on April 1st 2006, 03:35:21 pmAdorno wirft ihr vor, nur zu unterhalten und nicht (mehr) über sich selbst hinauszuweisen. Bishin zur Unmöglichkeit über die Form den Inhalt zu transzendieren (bspw. Betrachtungen zum Surrealismus).
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scrupeda returns:
published on April 1st 2006, 09:57:57 pmNa, Zitate gibt’s morgen. Sie sind mir auch noch eins schuldig…
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Lars Strojny supposes:
published on April 2nd 2006, 02:42:30 amHam’se recht Madame. Mir war nur die Woche über nicht danach. Aber: »alls neu mach der Sonntag« oder so.
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Hmmm... replys:
published on March 31st 2006, 10:30:54 pmOhne jetzt Benjamin gelesen zu haben, aber die Unterhaltsamkeit auf fehlende Qualitätsbemühungen der "Kulturindustrie" zurückzuführen, halte ich für fraglich. Der der das Angebot nicht annimmt, der hat doch umsomehr versagt sein Kulturverständnis der "Industrie" zu vermitteln. Die Haltung, daß was aus dem Fernseher kommt ist immer Schund, die macht das Unterhaltungsgeschäft zu dem was es ist.
Haben Adorno&Co eigentlich je eine Lösung dafür vorgeschlagen?
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scrupeda says:
published on March 31st 2006, 11:54:46 pmSolange das Wertverhältnis nich aufgehoben ist, kann es nach denen nich wirklich besser werden. Innovationen werden gerade in dem Maße zugelassen, wie sie dienen können, um über die ständige Wiederholung der alten Scheisse hinweg zu täuschen.
Aber willst du mir damit sagen, dass ich nur dran glauben muss, und dann ist das alles gar nich mehr so schlecht? Und überhaupt, warum sollte es mein Job sein, der ‘Industrie’ irgendwas zu vermitteln? Wenn ich für die Teilnahme an einer Konsumentenstudie bezahlt werde, meinetwegen, aber so Marktforschung für umsonst, hä?
Aber dieses Genörgel ‘man würde immer nur so unkonstruktiv kritisieren’ und ‘nichts positives beitragen’ kann ich sowieso nich mehr hören. Wer mit der Einstellung versucht einen Zugang zu Kritischer Theorie zu finden wird ewig suchen.
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mawa returns:
published on April 2nd 2006, 02:17:35 amSchön, dass sich mal jemand klar zur Folgenlosigkeit als Prinzip kritisch-theoretischen Denkens bekennt. :)
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Lars Strojny responses:
published on April 2nd 2006, 02:43:25 amFrei nach Nuhr: »Einfach mal die Klappe halten«. Haste bestimmt schon öfters zu Ohren bekommen, oder?
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mawa supposes:
published on April 10th 2006, 02:41:52 pmEhrlich gesagt noch nie, aber ich unterhalte mich normalerweise mit Leuten, denen Argumente einfallen, wenn sie mir etwas entgegnen wollen.
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Lars Strojny answers:
published on April 10th 2006, 02:54:54 pmDer infantile Reflex »Aaah, ich habe mal wieder irgendwo das Stichwort KT gelesen« ist so langweilig wie jene, denen er ständig geschieht. Wer all jenes für folgenlos hält, das sich realpolitischen Apologetik der Warengesellschaft implizit verweigert, verrät mehr über sich und seine Haltung als über das Objekt seiner »Kritik«. Mei, sich identitär dem Fetisch zuzuneigen ist vielleicht gut für den Bauch und das heimelnde Gefühl, mehr aber auch nicht.
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Hmmm... replys:
published on April 4th 2006, 09:16:02 pmDas System einreißen, also das Wertverhältnis aufheben, ist immer eine Lösung. Nur dessen Notwendigkeit rechtfertigen mußt du dies immer noch genau mit dem nach dem ich gefragt habe. Nämlich indem du nachweist, daß deine Argumentationsweise eben nicht Teil jenes TV-Meinungsbildungskomplexes, der das Fernsehen eben so wertlos macht.
Und aus den Beiträgen von dir und Lars habe ich genau das herausgelesen. Es hört sich einfach nur wie eine Reaktion an. Und wenn es hier die "wahre" Lehre gibt, sei es die kritische Theorie, gibt, dann sollte diese in der Lage sein sich so auszudrücken das sich jener kleine Unterschied zum Kulturmeinungsbetrieb herausstellt.
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Lars Strojny reckons:
published on April 11th 2006, 12:24:57 pmTranszendenz ick hör dich trappse.
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Hmmm supposes:
published on April 21st 2006, 08:26:52 pmAhhhh Hilfe! Ich habe eine bösen Gedanken im Kopf dessen Fehler ich nicht sehe :-)
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Lars Strojny reckons:
published on April 22nd 2006, 03:01:53 pmWir machen hier keine Moraltheologie. »Böse Gedanken«, hoffentlich. Vielleicht auch noch schmutzige. Zu wünschen wäre es.
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