In Europa ist man weltoffen: man speist beim Chinesen, geht zum islamischen Gemeindefest, liebt den Dalai Lama, akzeptiert Andersartigkeit mit dem Argument »so sind sie die …«. Wenn nun eine Zeitung diese repressive Toleranz bricht – und sei es eine rechtskonservative – so findet man das kollektiv furchtbar. Sofort folgt der Kotau vor einigen kreischenden Klerikern.
Aktuell sind die Karikaturen der dänisches Zeitung Jyllands-Posten. Deren Inhalt ist klar: Gelästere über Wahnsinnige islamischen Glaubens. Dass es derer genug gibt, sollte spätestens seit dem 11. September mehr als nur ein Gerücht sein. Dass ein Volkssturm losbricht, wenn die arabische Seele sich gekränkt fühlt, ebenso. Hier sind die Taliban dieser Welt ihrer christlichen Konkurrenz ähnlich: auch verschiedene Kirchenvertreter wollten seinerzeit das inkriminierte Schweinchen der grottenschlechten Punkband Wizo verbieten. Kein Wunder ist es auch, dass kein deutscher Verlag sich traute, »Die satanischen Verse« von Salman Rushdie abzudrucken. Wahrscheinlich um »religiöse Gefühle«, in denen man auch heute wieder allerortens schwelgt, zu verletzen und als Galileo meinte, er wüsste besser, wie es sich mit den physikalischen Gesetzmäßigkeiten verhielt, zwang man ihn abzuschwören. Die Geschichte der verschiedenen Sekten, Religionen und sonstigen Spinnern, ist die Geschichte des verblendeten Mordens, pathologischen Wahns und der ständigen Rangelei um Markanteile auf dem Weltmarkt der religiösen Dummheit. So sind die Eskapaden der islamischen Himmelsstürmer eben nicht merkwürdig oder verwundernd, sondern folgen nur der Logik des religiösen Wahns. Das sie dabei gleich noch ein paar Botschaften anzünden, zeugt nur von der Verfasstheit islamischer Gesellschaften. Wer heute noch so doof sein kann und ein Gefährdung durch den Islam herunterspielt, dem ist nicht zu helfen. Der Islam mausert sich mehr und mehr zum Feind Nummer 1 all jener, die zumindest perspektivisch noch an so etwas wie befreiter Gesellschaft festhalten.
In Deutschland hingegen ist man sich mit seinen islamischen Nachbarn sehr schnell einig: man hasst gemeinsam Juden, hat das mit der Zivilisation sowieso nicht so richtig verstanden und unter gutem Leben versteht man vorrangig Arbeit, bevorzugt köperliche. Und solange der Moslem von nebenan nicht die deutsche Kneipe besucht, ist alles in Ordnung. Die deutsche Toleranz erlaubt alles, außer sie selbst zu gefährden. Man darf munter Juden, Ausländer anzünden oder gleich totschlagen, Schwule verprügeln und Lesben bespucken. Nur die Ruhe soll bitte nicht gestört werden. Hält sich der Islamist von nebenan daran, schlägt der Bruder also nur die eigene Schwester wenn sie mit dem falschen flirtet oder gar fickt und nicht den deutschen Gleichaltrigen auf dem Schulhof, so ist alles in Ordnung. Dies ist der mörderische Konsens der deutschen Toleranz.
Das Linke hier mal wieder die besseren Deutschen sind, ihnen also die besseren Argumente einfallen, warum man bei jeder noch so großen Scheißaktion tolerant sein muss, verwundert wenig. Gehören sie doch zu den Hauptorganisatoren des blöden Multikulti-Diskurses, der vergessen hat, dass es einmal um soziale Befreiung und nicht um kulturelles Nebeneinander ging.
Das hingegen Liberale ganz verwundert aus der Wäsche glotzen, weil sich die dänische Regierung entschuldigt und den moralischen Impetus der liberalen Weltaufklärer unterstützt liegt vor allem daran, dass sie nicht verstanden haben, dass Staaten eben die Sachverwalter der nationalen Kapitalien sind und nicht die Erfüller der feuchten Träume einiger deutscher Liberaler. Nochmal zum mitschreiben: der Staat schaft in der kapitalistischen Ökonomie den Rahmen, um die unterschiedlichen Kapitalien untereinander in Konkurrenz treten zu lassen. Zudem organisiert er diese Konkurrenzverhältnisse auch global, jeweils zum Vorteil des heimischen Kapitals. Eine Entschuldigung ist also auch an dieser Stelle nur allzu logisch, gefährdet ein Stillhalten doch on the long run die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Kapitalien auf dem Weltmarkt, zu dem auch die arabische Welt gehört. Das Geflenne über die Entschuldigung und das Einknicken des dänischen Ministerpräsidenten ist also nichts weiter als moralingesäuerter Ausfluss, dessen Konsistenz ich hier nicht weiter ausführen möchte.
Aufgrund dessen, das man als Linker mit Hirn weiß, dass es nicht sonderlich viele Alternativen zur Demokratisierung der islamischen Welt gibt, unterstützt man das Programm der USA, dass diese im Nahen Osten derzeitig betreiben. Nicht weil man auf einmal gelernt hat, wie toll und human Kriege sind oder weil man glaubt, die USA brächten das Gute in die Welt, sondern weil zufällig die Interessen übereinstimmen. Beim nächsten mal kritisiere ich die amerikanische Administration vielleicht wieder, wer weiß. Derzeitig bleiben aber nicht viele Alternativen zu einem Krieg gegen den Iran, viel Verhandlungspotenzial lässt sich dort nicht erblicken. Einen Versuch wert wäre es allerdings, die iranische Opposition zu bewaffnen, in der Hoffnung, dass sie die Mullahs aus dem Land fegt. Nur dann ist der Mehrwert für die US-Administration nicht gegeben. Ein schlechter Deal eben.
Angenehm zu lesen in den letzten Tagen: Jens und Loxia, die mir allerdings die deutsche Mehrheitsgesellschaft ein bisschen zu positiv aufleben lässt.
Filed on 06-02-2006, 16:04 under 9/11, Antiamerikanismus, Antisemitismus, Bombengürtel, Iran, Iran-Krieg, Islam, Karikaturen, Mohammed, Politik, Tugendterror, USA, Wahn, War on Terror & 15 comments & two trackbacks
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Ich habe mal gehört, dass, anders als es normalerweise heißt, seine Ansichten zum Thema Sonne und Planeten gar nicht der Auslöser für den Prozess gegen Galilei gewesen sein sollen. Womit die Kirche ein Problem hatte, sei vielmehr gewesen, dass er ein Atomist war, was sich nicht mit dem katholischen Abendsmahlsverständnis verträgt – weil dann Hostie und Messwein nämlich auch bloß aus Atomen bestehen, die vorher was anderes waren und später noch was ganz anderes sein können.
Ich weiß nicht, ob das so richtig ist. Auf jeden Fall macht es die Handlungsweise der Kirche eher noch erschreckender als man so schon denkt.
Klingt interessant, um näheres zu erfahren. Weißt du noch, woher diese Information stammt?
Hab ich vor langer, langer Zeit mal in einem Feuilletonartikel gelesen. Das kann zehn Jahre her sein. Daher weiß ich keine exakte Quelle, sorry :(
"Der Wissenschaftshistoriker Pietro Redondi vermutet deshalb, dass auch dem Prozess 1633 eine Anzeige wegen Atomismus und damit häretischen Ansichten bezüglich des Abendmahls zugrundeliegt, die jedoch durch Intervention der eigens geschaffenen päpstlichen Untersuchungskommission auf die weit weniger brisante Frage des Kopernikanismus bzw. des Ungehorsams abgelenkt wurde."
"...im Februar 1632 erschien der ‘Dialogo’.
Der Zensurauflage, das Werk mit einer Schlussrede zugunsten des Ptolemäischen Systems zu beschließen, meinte Galilei nachzukommen, indem er diese Rede in den Mund des manifesten Dummkopfs Simplicio legte. Überdies beging er den Fehler, sich über einen Lieblingsgedanken Barberini-Urbans lustig zu machen: dass man eine Theorie niemals über die von ihr vorhergesagten Effekte nachweisen könne, da Gott diese Effekte jederzeit auch auf anderem Wege hervorbringen könne. Damit hatte Galilei den Bogen überspannt und die Protektion des Papstes verspielt, der – möglicherweise auch aus außenpolitischen Gründen – nun mit voller Härte reagierte."
"Auch jetzt noch war das Klima – verglichen mit anderen Ketzerprozessen, die zu Folter und Scheiterhaufen führten – freundlich und das Urteil milde. Nachdem Galilei geschworen hatte, ...stets geglaubt zu haben, gegenwärtig zu glauben und in Zukunft mit Gottes Hilfe glauben zu wollen alles das, was die katholische und apostolische Kirche für wahr hält, predigt und lehret, erhielt er ‘lediglich’ Kerkerhaft, die bereits nach wenigen Wochen in Hausarrest umgewandelt wurde."
"Dass ein Volkssturm losbricht, wenn die arabische Seele sich gekränkt fühlt,..."
Hier von einem Volkssturm zu sprechen, ist grob falsch, Lars.
Mal abgesehen davon, dass Du alle, die sich von den Karikaturen beleidigt fühlen, sprich mehrheitlich Moslems, "Wahnsinnige islamischen Glaubens" nennst und so in bester plump-deutscher Manier mit dem Islamismus identifizierst – abgesehen davon versteht sich der Islamismus auch nicht völkisch, sondern als fundamentalistisch-religiöse Bewegung.
Der Terminus des Volkssturmes stellt die Interpretation der Ausschreitungen denen anheim, die in ihm den neuen Nationalsozialismus sehen wollen.
Das interessante an der islamischen Formierung ist eben schon, dass sie ideologisch eine Religionsgemeinschaft völkisch abbildet. Deswegen ist die Bezeichnung Volkssturm deskriptiv und nicht hetzerisch. Was es mit »plump-deutsch« zu tun hat, keine Ahnung. Wie ich richtig beschrieb, sind Deutsche dem Islam und seinem Treiben gegenüber eher positiv gestimmt, verbindet sie doch einiges. Und nein, der Islam ist nicht die Wiederkehr des Nationalsozialismus, das habe ich nirgends behauptet. Was ich allerdings betone, dass der Islam zur Gänze ein Problem ist, solange sein Mainstream Religion nicht als private Spielerei (wie Onanie, Sex, Fondue essen, auf’s Klo gehen) sieht, sondern als gesellschaftliche Perspektive. Der Unterschied zu Christentum ist eben nicht, dass es im Christentum keine Spinner gäbe, der Unterschied ist, sie sind nicht tonangebend. Dass amerikanische Klerikale nerven, deutsche Pfaffen reaktionäres Gesindel sind, klar. Ihr gesellschaftlicher Einfluss ist nur recht marginal, glücklicherweise. Das kann man vom Wahhabismus nicht behaupten.
Was meinst Du mit "völkisch abbilden"? Wie der politische Islam sich präsentiert oder wie er dargestellt wird, ist nicht von Belang, solange er kein völkisches Selbstverständnis hat.
Ich habe Dir im Übrigen nie unterstellt, im Islamismus den neuen NS zu sehen. Ich schrieb, die Benutzung des Terminus "Volkssturm" spielt denen in die Hände, die dies wollen (Küntzel z.B., Merkel mehr oder weniger), oder fällt zumindest auf den entsprechenden Nährboden.
Völkisch abbilden: wie er sich selbst geriert.
Küntzel, Merkel: Bei Küntzel ist dem eindeutig nicht so, er schreibt von den Paralellen und historischen Traditionslinien, nicht vom »neuen NS«. Bei Merkel hingegen sehe ich nur Appeasement, nothing more.
Das ist mir zu schwammig. Sprichst Du nun von einem Volkssturm, weil Islamismus völkisch präsentiert wird, oder weil er ein völkisches Selbstverständnis hat?
Was Küntzel angeht: Er sprach 2003 schon von einer "Ideengleichheit der Nationalsozialisten und der Attentäter vom 11.9.". Das ist beschreibt mehr als nur eine Parallele. Und Du weißt ja sicher, auf was für einen Nährboden Aussagen wie diese in Deutschland fallen, wenn sie den Islamismus, bzw. seine AttentäterInnen als Nazis bezeichnen.
Die einzige Quelle die ich zu Küntzel gefunden habe, war der Bericht einiger Schüler, vor denen er einen Vortrag hielt. Da ich Küntzel sowohl gelesen habe als ihn auch kenne, halte ich es für unwahrscheinlich, dass er eine solche Aussage in ihrer Einfalt getätigt hat. Was vielmehr richtig ist, sind die ideologischen Paralellen, die eindeutig zu erblicken sind.
Wegen dem leidigen »völkisch«: die Bezeichnung ist deswegen vollkommen korrekt, weil sich der Islamismus eben so gebährdet. Das Gerede über das Volk der Moslems ist nichts weiter als die Generierung eines Volkes aus einer (zudem im Binnenverhältnis vollkommen uneinen) Religionsgemeinschaft.
Welchen Nährboden du meinst, wenn man Islamisten als nationale Sozialisten bezeichnet (was sie zweifelsohne sind, denn ihr Programm entspricht der Realisierung von Sozialpolitik, autoritärer Formierung und Antiindividualismus zum Zwecke der Volksgemeinschaft), kann ich nur erraten. Den leidigen Rassismus rauszukehren, hielte ich an dieser Stelle für verfehlt, weil es nicht der Realität entspricht. Klar gibt es den rechten Rand der CDU, der noch immer nicht verstanden hat, dass er eigentlich mit islamischen Fundamentalisten viel mehr gemeinsam hat als er sich vorstellen kann aber ganz rechts ist die Freundschaft mit den Islamisten doch banale Tatsache.
Hier der Link zu Küntzel. (s. Homepage)
Er entreißt den NS, besonders den deutschen Antisemitismus seiner Geschichte, seinem geschichtl. Hintergrund, lässt den Rassenbiologismus, das völkische Selbstverständnis beiseite, sprich reduziert ein solches einmaliges Phänomen, das eben nur in seinem historischen Kontext verstanden werden kann, auf ein paar Symptome, ein paar Ismen, die erfüllt sein müssen, um von Nationalsozialismus zu sprechen. Auf seinen Antisemitismus reduziert kann man ihn dann auch entspannt mit dem Islamismus kurzschließen und gleichsetzen. Das ist schon ein bisschen mehr als Parallelen aufzuzeigen.
Mit dem Reduzieren des NS auf ein paar Bestreben, die »zum Zwecke der Volksgemeinschaft« erfüllt werden, fährst Du genau den selben Dampfer. Warum sprichst Du eigentlich von »nationalen Sozialisten« anstatt von »Nazis«?
Der Nährboden, von dem ich sprach, sollte jetzt klarer sein. In Deutschland kann man sich auf diese Weise bestens seiner Vergangenheit entledigen.
Zum wahrlich leidigen »völkisch«: Du redest Dir selber immer von Neuem ein, dass die Bezeichnung ja korrekt sei, nennst aber nie Gründe und antwortest unkonkret auf meine Fragen. Kannst Du Belege für ein »Gerede über das Volk der Moslems« posten?
OK, da würde ich Küntzel auch widersprechen. Es ist eben nicht das gleiche, sondern entscheidend sind die Paralellen, die massig vorhanden sind.
Lies nochmal: es gibt wohl einen Unterschied zwischen Nationasozialismus und nationalem Sozialismus, oder nicht? Die Entledigung der Vergangenheit über die Thematisierung der Ideologie der Islamisten halte ich dann für einen sinnvolle Unterstellung, wenn davon gesprochen wird, das »Deutsche« habe sich in den islamischen Raum verlagert oder ähnliches. Kann ich bei Küntzel nicht sehen, sorry.
Lies mal die Charta der Hamas (wegen mir auch in der englischen Fassung, wenn du Küntzel nicht traust), die Verlautbarungen des iranischen Regimes zum Ziel des »Kampfes gegen die Ungläubigen«. All dort träumt man einem arabischen Reich, dass sich von der Türkei bis Ägypten erstrecken soll (geographische Angabe ohne Gewähr, was alles arabisch ist, liegt häufig im Auge des Betrachters).
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posted on February 7th 2006, 12:53:32 am GedankensplitterEs rumort allerorten, und so tr
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posted on February 15th 2006, 02:30:08 pm Zivilisation verteidigtLars hat sich mal die Mühe gemacht und zur »Karrikatur-Krise« einen, meiner Meinung nach echt Lesenswerten Artikel verfasst. ...