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Intifada bis zum Sieg? 13

Nun passiert das, was abzusehen war: migrantische Jugendliche französischer Nationalität erheben sich in den Vorstädten von Paris. Aufgehetzt, paralysiert, segregiert ziehen sie durch die Straßen und hinterlassen Verwüstung. Und die Presse versagt einmal mehr. Allenthalben wundert man sich, woher denn das kommt. Man hat keine Erklärung. Während die Linken in ihrer ureigenen Dummheit das ganze als quasi-revolutionären Akt romantisieren, weiß die politische Mitte nichts zu antworten, während die Rechte vor Überfremdung warnt und diese Warnungen durch die Geschehnisse bestätigt sieht. Dabei sind diese Riots weder eine Laune gelangweilter Einwandererkinder, noch allein ein Ausdruck des Einfluss des politischen Islams. Sie sind eine Mischung aus drei vorrangigen Phänomenen: rassistische Segregation, soziale Benachteiligung und nicht zuletzt eben doch der poltische Islam, der in klassischer Funktion religiöser Tendenzen den Aufstand umlenkt. Gegen den Westen, gegen die Moderne, gegen die französische Republik.
Es gilt, die Einwanderer zu richtigen Bürgern zu machen, Parallelgesellschaften zu verhindern und ihnen eine Heimstätte in den jeweiligen Ländern zu bieten. Alles andere schafft Pulverfässer.

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Comments

  1. Sascha says:
    published on November 15th 2005, 01:37:51 am *

    Kein Marxismus, keine Wissenschaft ohne Aufklärung, ohne "Moderne".

    Das mag’ ja historisch gesehen alles so richtig sein, aber reicht das aus, um sich darauf positiv zu beziehen?

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  2. Gerd Riesselmann returns:
    published on November 15th 2005, 02:25:59 am *

    Wissenschaft ist schon eine feine Sache, die ich nicht missen wollen würde.

    Auch Lars’ Einlassung zum Aufruhr/Aufstand/Was auch immer in Frankreich würde etwas mehr Wissenschaft sicher gut tun. Aber ohne jede Quelle, ohne Belege, ohne Fakten ist es nur eine Meinung, die als solche weder falsch noch richtig, sondern eben Meinung ist.

    Wenn man sich auf die Aufklärung oder die Moderne beziehen will, sollte man erst mal sagen, was man darunter denn so versteht. Moderne und Aufklärung sind nämlich in herkömmlicher Auffassung nicht das gleiche. Für gewöhnlich lässt man die Moderne mit der französischen Revolution beginnen und mit dem Ersten Weltkrieg enden. Die Aufklärung reicht dagegen (wenn man sie nicht auf Voltaire et al beschränken will) bis zu Beginn des 17. Jhds zurück und ist mit der französischen Revolution auch schon zu Ende.

    Es gibt aber auch Meinungen, die beides bis ins 15. Jhd zurückreichen lassen, dann fallen beide Begriffe quasi mit der Neuzeit zusammen.

    Geistes- und wissenschaftsgeschichtlich umfassen Aufklärung und Moderne so verschiedene Tendenzen, dass man auch da genau sein sollte. Die Idee einer "vernüftigen" Weltansicht hat genug Monster geboren, darunter den wissenschaftlichen Rassismus und die Idee der Menschenzucht. Das ist wohl nichts, was wir wirklich wollen, aber eben auch integraler Teil von Aufklärung und Moderne. Auch der optimistische Fortschrittsglaube des 19. und beginnenden 20. Jhd. ist ein arg zwiespältiges Ding.

    Das es ohne Aufklärung keinen Marxismus gäbe ist vermutlich wahr, allerdings gäbe es auch keine Aufklärung ohne die Renaissance und diese nicht ohne die antike Philosophie. Das führt aber nirgendwo hin, denn es gibt keine Gegenwart ohne Vergangenheit. Wenn aber der Marxismus weiter ist als die Aufklärung (und, das unterstelle ich mal: besser), sollte man sich dann nicht einfach auf den Marxismus beziehen? Denn hebt dieser nicht auch die Aufklärung auf?

    Wobei freilich so als Schlagwort sagt "Marxismus" dann auch nicht sonderlich viel…

    PS: Und als Materialist denke ich natürlich, dass der Kapitalismus die Aufklärung hervorgebracht hat, und nicht umgekehrt. Und als Historiker auch, schließlich beginnt der Kapitalimus bereits im 13. bis 14. Jhd ;-)

    PPS: Lars, da hab ich mir extra so ein Gravatar-Bildchen gemacht, und dann rechnest du das hier auf Stecknadelkopfgröße runter… Dabei ist doch noch genug Platz.

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  3. rokus returns:
    published on November 14th 2005, 10:59:44 pm *

    "So, so auf die "Moderne" also. Bleibt nur die Frage in welchem Kontext?"
    In dem Kontext, dass, wenn wir hier von "Moderne" sprechen, offensichtlich eine vernunftorientierte Betrachtungsweise meinen. Natürlich sitzt uns die Dialektik der Aufklärung im Nacken, dessen Resultat, quasi als Negation der Negation, wiederum der Mythos und Totalitarismus sein kann. Aufklärung ist die Antwort auf "Kirchendogmatik und Religionsgesellschaft" und ganz nebenbei nicht nur Brutstätte des Kapitalismus und bürgerlicher Ideologie (was übrigens auch eine "vernunftbasierte" Gesellschaftsform ist.. Vernunft und Amoralität schließt sich selten aus) sondern auch emanzipatorischer Prototypen. Kein Marxismus, keine Wissenschaft ohne Aufklärung, ohne "Moderne".
    schweißabwisch So weit dazu :)

    Ansonsten – Lars:
    OK, du hast Recht, da war der Reflex schneller als der Kopf. Das mit den Pulverfässern nehm ich zurück.
    Nichts destotrotz beinhaltet die Forderung nach Integration auch die nach Assimilation. Im Übrigen ist jene nur die soziokulturelle Seite der Münze, deren Wappen der Korporatismus ist.. Die Idee eines konstruierten Gemeinsamen ist beiden Ideen immanent – hier Volksgemeinschaft, da Leitkultur (mag zugegeben an dieser Stelle ein bisschen scharf geschossen sein, trifft aber des Pudels Kern).

    So far.

    PS: Arbeite mal an der Spamkontrolle. Du willst nicht wissen, wie oft ich gestern und heute hier schon Antwort auf Antwort geschrieben habe :)

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  4. Sascha supposes:
    published on November 14th 2005, 10:18:53 pm *

    So, so auf die "Moderne" also. Bleibt nur die Frage in welchem Kontext?

    Ich finde die "Moderne" an sich ja nicht wirklich positiv. Natürlich sind Aufklärung, Säkularisierung usw. "fortschrittlicher" als Kirchendogmatik und Religionsgesellschaft. Aber ist es deshalb schon positiv? Ein bisschen "empfunden weniger schrecklich" ist für mich ja noch lange nichts Erstrebenswertes – mal ganz davon abgesehen, das Kapitalismus und der bürgerliche Staat, die politische Ökonomie ganz klar Teil dieser "Moderne" sind. Nur weil sich die Herrschaftsmechanismen gewandelt haben, sind sie doch noch lange nicht besser oder gar positiv.

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  5. Sascha supposes:
    published on November 14th 2005, 02:26:39 am *

    Und Du als "Materialist" beziehst Dich also positiv auf "Westen", "Moderne" und "französische Republik" – oder wie soll ich das verstehen?

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  6. Lars Strojny supposes:
    published on November 14th 2005, 11:45:51 am *

    Auf die Moderne, selbstverständlich.

    Reply

  7. Gerd Riesselmann states:
    published on November 15th 2005, 02:26:40 pm *

    Was immer die Phänomenologie bürgerlicher Subjektform auch sein mag, ich habe da nur sehr nebelhafte Vorstellungen… (Ich bin Fast-Phyiker, Fast-Historiker und Programmierer, ich bin dumm!)

    Ich reite stattdessen exemplarisch und konkret mal auf dem Begriff der Gleichheit herum, um den Widerspruch zwischen bürgerlicher Moderne und Marxismus ein wenig auszuleuchten.

    Zuvorderst sind die bürgerlichen Subjekte – nach Marx – "Produktenaustauscher", die in ihrem Verhältnis als Warenbesitzer gleiche Quanten vergegenständlichter abstrakter menschlicher Arbeit tauschen. Ein Vorgang, der weil er von der Ungleichheit der Produkte abstrahiert, die Idee der Gleichheit gebiert, die sich in der entwickelten Tauschgesellschaft zum – auch Marx – "Volksvorurteil" verfestigt.

    Für Marx und Engels war der Begriff der Gleichheit zwar von taktischem Interesse, programmatisch aber lehnten sie ihn ab, da er "dem engen bürgerlichen Rechtshorizont" entsprang (Marx in der Kritik des Gothaer Programms) beziehungsweise als eine Einseitigkeit galt, die "jetzt überwunden sein sollte, da sie nur Verwirrung in den Köpfen anrichtet" (Engels in einem Brief an Bebel zum selben Thema). Stattdessen, proklamierte Marx, müsse das "Recht statt gleich vielmehr ungleich sein", da auch die Menschen und ihre Lebensbedingungen notwendig verschieden seien.

    Das ganze gipfelt in dem bekannten Bonmot "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen".

    Freilich kommen auch Marx und Engels nicht ganz ohne Gleichheit aus. Diese bedeutet ihnen aber, dass den Menschen gleiche Bedingungen zur Entfaltung ihrer spezifischen Individualität gewährleistet werden. Das lässt sich mit der Forderung nach "gleichen Rechten" nicht bewerkstelligen, da diese von der konkreten, materiellen Ungleichheit abstrahiert. Auch Arbeiter und Kapitalist haben gleiche Rechte, aber nur der Kapitalist hat die Produktionsmittel…

    Reply

  8. Lars Strojny supposes:
    published on November 15th 2005, 10:38:13 am *

    Deswegen ist es ein Blog, weil es hier meistens um Gesinnung geht ;-)
    Ansonsten stimme ich dir zu, in deinen Einlassungen zum Begriff der Moderne, würde allerdings von der konkreten Begrifflichkeit auf die Phänomenologie bürgerlicher Subjektform abstrahieren wollen, um diese Subjektform mit »Moderne« zu versehen.
    Rest: Übereinstimmung, soweit.

    Reply

  9. Lars Strojny reckons:
    published on November 15th 2005, 10:15:48 am *

    Nein, nicht positiv, sondern relativ positiv.

    Reply

  10. Julia states:
    published on November 13th 2005, 12:01:48 pm *

    Das "paralysiert" macht da eigentlich nicht so richtig Sinn, wenn sie doch Aufstände gestartet haben, oder?

    Wo warst du eigentlich gestern Abend? Habe über eine Stunde auf dich gewartet. Schaff dir ein Handy an!

    Reply

  11. rokus means:
    published on November 13th 2005, 01:26:24 pm *

    Einerseits richtig, andererseits…
    "Es gilt, die Einwanderer zu richtigen Bürgern zu machen, Parallelgesellschaften zu verhindern und ihnen eine Heimstätte in den jeweiligen Ländern zu bieten."
    Was macht denn den "richtigen Bürger" aus? Bedeutet das, die "richtigen Rechte", wie jeder andere französische Staatsbürger auch, oder bedeutet das französisch sprechen, korporatistisch denken und die gute, alte französische Kultur in der Platte vor der Stadt für sich zu entdecken? Wenn ich mir das mit den Parallelgesellschaften angucke, sieht das ja eher nach letzterem Aus, und das will ich weder für mich in BRD noch für andere Menschen in anderen Ländern..

    "Alles andere schafft Pulverfässer." Ich finde Pulverfässer erstmal ne gute Sache :)

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  12. Lars Strojny answers:
    published on November 13th 2005, 01:54:04 pm *

    Das tut mir furchtbar leid, ich hatte noch darauf gehofft, dass du nicht so lange warten würdest. Grund erzähl ich dir mal persönlich. Ansonsten: ich würde schon darauf beharren, dass diese Aufstände schon Ausdruck eines paralysierten Bewusstseins sind, sonst wäre ihre Form und ihr Ziel anders.

    Reply

  13. Lars Strojny responses:
    published on November 13th 2005, 01:57:44 pm *

    Was macht denn den "richtigen Bürger" aus? Bedeutet das, die "richtigen Rechte", wie jeder andere französische Staatsbürger auch, oder bedeutet das französisch sprechen, korporatistisch denken und die gute, alte französische Kultur in der Platte vor der Stadt für sich zu entdecken?
    Als Materialist, der ich ja bin: natürlich die Rechte. Französisch sprechen hilft allerdings schon, wenn man auch Partizipation am Bildungswesen, Kulturbetrieb etc. befürwortet, was ich im Zweifelsfall tue.
    Ich finde Pulverfässer erstmal ne gute Sache :)
    Vorsicht, vorsicht. Pff, linke Revolutionsromantik. Ein Aufstand ist nicht per se gut oder per se schlecht, es kommt darauf an, gegen was er sich richtet, was er will usw. Take your eyes open ;-)

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