Eierlegende Wollmilchsäue
In Ermangelung sinnvoller Schnittstellen und aufgrund schwacher grafischer Oberflächen, bspw. klassischerweise das Betriebssystem aus Redmond aber auch im Bereich des Linux-Desktops, gibt es immer wieder Versuche, all diese Probleme plattformübergreifend durch ein all-in-one Tool zu lösen. Star Office in der Version 5 gehört zu diesen glücklicherweise zugrunde gegangenen Versuchen, ebenso die Mozilla-Suite (heutiger Name »Seamonkey«). Anstatt das Übel an der Wurzel zu packen und Applikationen zu entwickeln, die sich hübsch in den jeweiligen Desktop einfügen und selbst wiederum Schnittstellen bieten, mit denen andere Programme etwas anfangen können, gibt es alle paar Monate einen neuen Hype um eine eierlegende Wollmilchsau. Die aktuellste heißt Flock und kombiniert RSS-Reader, Browser, Flickr-Client und Blogging-Tool miteinander. Bekanntlich wird ja jedes Programm entwickelt bis es Emails verschicken kann, somit wird auch diese Funktionalität nicht mehr lange zu vermissen sein.
One Tool, One Job, Good Job
Schauen wir uns doch einmal an, welche Lösungen es für die oben beschriebenen Felder in meiner bevorzugten Desktop-Umgebung so gibt:
- Flickr: f-spot arbeitet sehr hübsch mit flickr. Man kann Photos exportieren, die Tags werden übernommen usw. Somit: das wäre fast gelöst, wenn es noch die Möglichkeit gäbe, per Drag and Drop ein Photo mit einem der beiden Blogging-Tools für den GNOME-Desktop, Drivel und gnome-blog.
- Blogging-Tool: Wie gerade schon geschrieben, Drivel und gnome-blog. Ich verwende keines der beiden, weil mein Webinterface so toll ist …
- Browser: Kann mir mal jemand erklären, warum alle Welt Firefox verwendet? Dabei ist der einfach nur Scheiße. Ein hässliches, unpraktisches Stück Software, dass nirgendwo gut aussieht, sich nie eingliedert, sondern immer eine Extrawurst bleibt. Weder verwendet er den gnome-keyring-manager, noch die GTK-Stock-Icons, ebenswenig wie er die ganzen hübschen GNOME-typischen Features wie Einfachheit und Usability bietet. Verwendet Epiphany. Sieht gut aus, ist schlank und einfach zu bedienen. Sozusagen eine Traumfrau, diese Browserine.
Nochmal zurück zu Firefox: hey, das mit den Extensions ist ja schön und gut aber will man wirklich Programm XY aus einem Browser heraus starten. Ist dafür nicht eigentlich die Toolbar da? Und: macht es wirklich Sinn, eine Terminkalender-Erweiterung zu haben? Will man nicht einen hübschen Terminkalender, der eine eigene Applikation ist, bzw. mit dem Mailprogrammm integriert ist?
- RSS-Reader: Liferea, was anderes gibt’s sowieso nicht. Die Entwickler sollten sich einmal entscheiden, ein richtiges GNOME-Programm aus dem Teil zu basteln und nicht diese Mischmasch-Geschichten. Fluxbox, FvWM, Windowmaker und der ganze Kram ist sowas von 1990, darauf braucht man nun wirklich keine Rücksicht zu nehmen. KDE und GNOME, es gibt eh nichts anderes. Aber zurück zum Thema: Liferea ist schon ganz nett, ein bisschen hakelig an manchen Stellen aber im Endeffekt ist er schon das, was man will.
Nochmal zum Mitschreiben: lasst endlich mal den Blödsinn und schreibt Applikationen, die eine Aufgabe erledigen und diese dafür sinnvoll erledigen. Wir brauchen offenen, gut dokumentierte Schnittstellen, um Programme zusammenzubringen. Ein zweites, drittes, hundertstes StarOffice-MozillaSuite-Flock-Dingsda ist komplett sinnfrei. Ich will einen schlanken, gut-integrierten Desktop, der aus einem Guss ist. Ich will mir nicht vier Passwörter für vier verschiedene Passwortmanager merken, sondern eines. Den sollen dann gefälligst alle verwenden.
Was mir nun auch nicht in den Kopf will, warum die Herren Haeusler, Steidl und Lumma, die ansonsten – wie ich in der Tendenz ja auch – auf Web 2.0 stehen, Flock so schnuggelig finden. Hey, das ist das Gegenteil von sinnvollen Schnittstellen, das ist das Gegenteil von »Ein Werkzeug, eine Aufgabe« und das ist auch das Ende von »Auf meinem Desktop sieht alles gleich aus«. Flock – niemand braucht sowas.
Update:
Habe ganz vergessen, die del.icio.us-Integration zu thematisieren. Das muss in den Browser, völlig klar. Als Extension, so wie das bspw. Epiphany macht.
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