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Abschließende Betrachtungen 9

Es ist ja nett, dass sich manche Sorgen machen, wenn ich einen Tag lang nicht blogge. Allerdings bleibt zu erwähnen, die Sorge ist unbegründet. Meine Zurückhaltung in letzter Zeit ist keiner Krankheit oder sonstigen unsymphatischen Erscheinungen geschuldet, sondern ist mehr eine Art Besinnungsmoment, ein Innehalten im Bloggerzirkus.

Mit Entsetzen habe ich einige meiner Beträge neu gelesen, mit Freude hingegen die älteren, mehr theoretisch fundierten. Was diesem Weblog und seinem Autor in den letzten Wochen geschieht, ist die Affirmation der Realpolitik und das Herabsinken auf den Grad des Banalen. Ich habe mich gemein gemacht mit dem Geschäft, das Politik heißt und dessen bloße Existenz aufzuheben ist. Ich habe versucht, radikale Gesellschaftskritik populär, im Sinne von weit-verständlich, zu formulieren. Und: ich bin daran gescheitert, weil daran nur zu Scheitern ist.

Dieses Weblog war in letzter Zeit, bis auf sehr wenige Ausnahmen, so flach wie seine Mitbewerber, die eigentlich nie welche sein sollten. Dieses Weblog wurde zu einem Weblog »wie alle anderen«, was es nie sein sollte und bis kürzlich auch nie war. Ich betrachte keine Flüsse, reite normalerweise wenig, erst recht nicht auf standardisierten Wellen, meine Laute formen sich zu ganzen Sätzen und sind keine legasthenischen Verulkungen selbiger und ich versuche mehr zu ent- als zu verwirren. Dies war hier nun lange genug nicht so.

Weblogs sind, als Kommunikations- und Partizipationsmittel, völlig überschätzt. Wenn Blogger von den Grautönen reden, meinen Sie die Mischfarben des bunten Einheitsbreis und sind sofort Teil dessen, was notwendigerweise der Kritik zuzuführen wäre. Das Wahlblog war nicht mehr als eine peinliche Wahlkampfmaschine. Dass ich anfangs mitmischte, schlimm genug. Das Leute das bis heute ernst nehmen, schlimmer. Das Lautgeben zum Steigbügelhalter rot-grüner Außen- und Umweltpolitik wird und es nicht einmal merkt oder merken will, dass man sich allerorten auf den Politzirkus ernsthaft einzulassen scheint und die Sonntagsfrage zur Frage über Sein und Nichtsein erhebt, macht Klein-Bloggersdorf nicht symphatischer, sondern zeigt nur, wie tief sich die totale Dummheit der alltäglichen Idiotie in den angeblich Kritischen verfestigt hat. Auch, und v.a. in jenen Köpfen, die sich für unabhängig halten und doch nur so unabhängig sind, wie es die eigene Reproduktion eben zulässt.

Wer sich über die eigene Unabhängikeit freut, sich kritisch dünkt und nicht einmal merkt, wie sehr »die ganze Scheiße« (Marx) nur neu verpackt von sich gibt. Wie sehr Kritik nur Teil des Spiels ist, in dem die Personen austauschbar und die Protagonisten so unselbstständig sind, wie ihre Kritiker. Wer das nicht begreift ist ähnlich versessen und unmündig, wie das Objekt seiner Kritik, dem man allerorten diesen Vorwurf macht. Wer nicht erkennt, mit seiner falschen Kritik dem falschen Ganzen nur die wohlfeile Folklore zu liefern, die es um seiner Existenz und Akzeptanz willen benötigt, dem ist nicht zu helfen. Der Verflachung ein Ende!

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Comments

  1. Rayson supposes:
    published on September 18th 2005, 11:48:16 pm *

    Das stimmt sogar aus einer – Moment, ich muss nachschlagen…aha: – bürgerlichen Sicht (unter die ich meine halbwegs klassenbewusst und pflichtschuldigst subsumiere): Man lässt sich viel zu schnell in das Geschäft der Politikdarstellung hineinziehen. Der Sog ist natürlich groß, aber als permanent im geistigen Widerstand Befindlicher sollte man das ja gewohnt sein.

    Dabei ist Politik etwas ganz Anderes als die Frage, welcher Verein mit welchem kungelt.

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  2. Anonymous replys:
    published on September 17th 2005, 08:13:02 pm *

    Halt! Du schreibst ein Blog. Du verstehst und akzeptierst dessen Wirkmechanismus, der auf die Verbreitung inhaltlich minderqualitativer aber sozial "warmer", ja gutbürgerlicher Informationen ausgerichtet ist. Was soll dann das demonstrative, verzweifelte Aufbäumen gegen diesen?

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  3. Lars Lindner states:
    published on September 17th 2005, 08:14:13 pm *

    BTW der Autor geht beim Posten von Beiträgen verloren.

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  4. Lars Lindner responses:
    published on September 17th 2005, 08:14:42 pm *

    ... aber nur manchmal

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  5. Lars Strojny supposes:
    published on September 17th 2005, 11:55:24 pm *

    Ha, that’s it. Weil ich ihn durchschau, oder zu durchschauen beginne, finde ich ihn umso abstoßender. Außerdem war ich wohl eher Blogger, denn dass ich das bin ;-)

    Reply

  6. Lars Strojny answers:
    published on September 17th 2005, 11:56:29 pm *

    Hm, das wäre ein neuer Bug. Bist du dir sicher, dass du den richtig eingeben hast? Also dass das Feld nicht leer war?

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  7. Lars Lindner states:
    published on September 19th 2005, 07:48:28 pm *

    Hmm… laß uns der Einfachheit halber mal davon ausgehen.

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  8. stricki means:
    published on September 24th 2005, 10:02:10 am *

    @classless

    als binaerprimitiver kann dir sagen: es bringt uns nicht naeher. das waere zu einfach.

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  9. Classless Kulla supposes:
    published on September 23rd 2005, 02:48:01 pm *

    Nicht gerade neue Erkenntnisse, dennoch halte ich Kritik und Debatte keineswegs für so eingeführte Bestandteile des Spiels, zumindest hierzulande. Gerade die Qualität der meisten Blogs und die flachen, quasi-binären Diskussionen in den Kommentaren sagen mir, daß jeder abweichende Beitrag, jeder fundierte Widerspruch dringend nötig ist. Womit ich nicht sagen will, daß es mir besser gelingen würde, die Fallen in der Blogosphäre zu umgehen.

    Vielleicht liegt es einfach am unerschütterlichen Hackeroptimismus, Medien kapern zu können und in der Art etwa der Simpsons mit "gewöhnlicher" Verpackung weniger gewöhnliche Inhalte zu transportieren. Ob uns das der Aufhbeung des Kapitalverhältnisses näherbringt, kann ich natürlich auch nicht sagen.

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