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Die Armut als Prinzip 0

Wenn man sich ernsthaft in der Szene-Linken herumtreibt, gibt es genügend Leute die einem das ganz schnell wieder austreiben.
Antisexistinnen, die Flirt-Verbote unter Bedrohung der Funktionalität männlicher Genitalien aussprechen, Atomenergie-Gegner, für die der Besitz eines Siemens®-Handys Hochverrat an »der Bewegung« ist, Anarchisten, die so herrschaftsfrei sind, dass sie mit ihrem ungebührlichen Verhalten anderen auf den Nerv fallen oder eben auch die komische Spezies der Veganer, die ihre persönlichen Essstörungen zum gesellschaftlich-verallgemeinerbaren Prinzip überhöhen.

Jenem Teil der Linken ist eines gemein: der Hass auf das Prinzip der Lust. Gutes Essen, unbeschränkte Sexualität und Luxus insgesamt sind für diese nicht Ausdruck einer verstockten Entwicklung, die dieser Güter zu Privilegien macht, sondern sind Grundübel, denen es entgegenzutreten gibt. Jene Form einer besseren Gesellschaft ist die Verwaltung von Prekarität, Verknappung von Verfügbarem und die Lust am Verzicht. Das jene Linke meist gut-bürgerlicher, mittelständischer Herkunft sind und ihr Verzicht sich aus vom »sponsoring by wealthy parents« speist, ist dabei nur ein Amüsement, zeigt aber doch, dass die materielle Frage völlig vergessen wird. Als würde es nicht mehr darum gehen, gesellschaftlich-verfügbaren Reichtum umzuverteilen, sondern nur noch um Lifestyle und kulturalistischen Blödsinn. Nische statt Gesellschaft scheint der Schlachtruf der derzeitigen Linken zu sein. Wobei »Schlachtruf« schon euphemistisch ist, führt sie eben gerade keine sozialen Kämpfe mehr, die so notwendig wären, um das Bröckeln der neoliberalen Hegemonie zu beschleunigen.

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