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Religiösität und Transzendenz 3

Um mein Gepöble (1, 2

) etwas mit Inhalt zu füllen, noch einige Ausführungen zu Religionskritik aus rationalistischer und psychoanalytischer Sicht.

Gott ist … egal


Es geht nicht darum, ob es Gott gibt oder nicht. Diese Frage ist metaphysisch und deshalb – nach Kant – nicht zu beantworten und somit sinnfrei. Es ist also egal ob, wie Nietzsche sagen würde, Gott tot ist oder Gott eben schlichtweg nicht existiert oder ob er gar existiert.

Vulgärmarxismus: Opium des Volkes

Der traditionelle Marxismus sieht in der Religiösität breiter Schichten eine Affinität zu Drogen und vergleicht dies auch so. Marx Religionskritik basiert hauptsächlich auf den Feuerbachthesen, die allerdings zu kurz greifen. Zwar ist die Religion ein Ausdruck des begrenzten Selbstbewusstseins oder nach Freud eine Neurose aber eben nicht nur ausschließlich eine psychische Deformation, sondern zugleich auch ein Prinzip, die Möglichkeit des transzendenten Denkens.

Kritische Theorie: transzendentes Denken vom Wahn befreien


Herbert Marcuse kritisiert in »Der eindimensionale Mensch« (oder auch Theodor W. Adorno in »Minima Moralia«) die Religionsrezeption des klassischen Marxismus’, die zu verkürzt sei. In der Fähigkeit der Menschen zur Religiösität drückt sich eben nicht nur die Fähigkeit zur irrationalen Neurose, sondern ebenso die Möglichkeit zum transzendenten Denken, zum »Prinzip Hoffnung«, wie Bloch sagt, aus. Diese dialektische Sichtweise der Religiösität, nicht der Religion, ist der Realität viel eher gewachsen. Transzendentes Denken, also die rationale Möglichkeit dazu, das Eigentliche zu antizipieren, ist von der Idiotie der Religösität zu befreien, um die Möglichkeit sozialer Emanzipation aufrecht zu erhalten. Auch wenn Kant das anders gesehen hätte. In dieser Folge wird auch ein Schuh daraus, denn trotz alledem ist der Mensch, um Jean-Paul Sartre zu genügen, das was aus sich macht – oder machen lässt.

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Comments

  1. mawa says:
    published on August 27th 2005, 03:08:25 am *

    "Diese Frage ist metaphysisch und deshalb — nach Kant — nicht zu beantworten und somit sinnfrei."

    Das stimmt so nicht. Kant beschäftigt sich über weite Strecken seines Werkes damit, metaphysische Fragen zu beantworten. Das "und deshalb" ist daher schon mal daneben. Kant hat auch nirgendwo gesagt, die Frage nach der Existenz Gottes sei sinnlos.
    In der Tat hat er gesagt, dass sie nicht beantwortbar sei. Das ist, man verzeihe mir das Wortspiel, ein himmelweiter Unterschied.

    "die rationale Möglichkeit dazu, das Eigentliche zu antizipieren"

    Ist das dasselbe Eigentliche wie bei Heidegger?

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  2. Lars Strojny answers:
    published on August 27th 2005, 11:24:57 am *

    Wegen Kant, ich pack die Bücher ein uns such’s dir in Köln raus, bin gerade noch zu sehr mit Umziehen beschäftigt. Kann auch sein, dass ich mich täusche aber dazu hab ich ja dann dich ;-)

    Heidegger: Nö, »das Eigentliche« ist in der Terminologie der Kritischen Theorie die befreite Gesellschaft, das zu erreichende Notwendige. Das sieht Heidegger, AFAIK, deutlich anders.

    Reply

  3. mawa returns:
    published on August 27th 2005, 10:18:11 pm *

    Du brauchst mir nichts rauszusuchen. Ich weiß, was Kant geschrieben hat. Wenn du zur eigenen Information nochmal nachschauen willst kannst du anfangen bei: KrV (3.5., S. A603/B633ff.), GMS (Oberhaupt im Reich der Zwecke, 433ff., sowie passim) oder MdS, (§13, S. 437ff. und Beschluss der Methodenlehre, S. 384ff.).

    Das Eigentliche bei Heidegger ist übrigens durchaus auch etwas Gesellschaftliches, siehe Rektoratsrede. :-P

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