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»Du bist ja irgendwie total oberflächlich« 0

Auf speziellen Wunsch einer Leserin gibt es dieses Posting nun schon etwas früher. Ich wollte mir damit eigentlich noch etwas Zeit lassen, um das Persönliche etwas besser in den Griff zu bekommen. So werde ich mich nun schwerlich mit einer Tatsachenbeschreibung begnügen können, das Filtern sei dann eben meinen Lesern überlassen.

Der Titel ist Programm. Nicht zufällig gewählt, sondern »aus dem Leben gegriffen« ist die Überschrift. Sie ist der Antwortsatz einer ehemaligen Klassenkameradin auf meine Festlegung: »Ich glaube nur, was ich sehen und beweisen kann«. In der ganzen Debatte ging es um langweiligen Kram wie Spiritualität, Esoterik, Religion. Und wie üblich, wenn es um so etwas geht, bin ich relativ alleine mit meiner Position, alles Mystische sei Einbildung.

Worauf will ich hinaus? Auf den »Typus Mensch«, auf die Charakterform, die Waldorfschulen tendenziell erzeugen. Natürlich nicht empirisch, sondern nur erfahrungsbasierend, d.h. ohne Versuche, Umfragen, Tests etc.

Charaktermerkmal: Antirationalismus
Immer wieder fällt auf, dass der typische Waldorfschüler, nennen wir ihn ab jetzt »Usual Steiny«, sein Unbehagen gegen das schwer-Erklärbare in einem fast schon manischen Anfall wider rationalistischen bzw. streng wissenschaftlichen Denken zum Ausdruck bringt. Dieser ist nicht klassisch wissenschaftsfeindlich, sondern mehr eine Kombination aus der Überhöhung eines kruden Naturbegriffs und der Ablehnung des kritischen Geistes.

Charaktermerkmal: autoritäre Fixierung
Das sozioökonomisch relative Oben, in den meisten Fällen also der Lehrer oder die jeweils älteren Schüler »genießen« eine kruden Allgemeingültigkeit. Trotz vordergründig-penetranter Rebellion mit klassische Che-Guevara-Shirt, den Batikklamotten und dem linksbürgerlichen Habitus, ist der »Usual Steiny« meist komplett autoritär orientiert. Mit »Das Gute kommt von oben, sonst wäre es nicht dort« ließe sich die durchschnittliche Geisteshaltung beschreiben.

Charaktermerkmal: Simplizität
Ein weiteres Merkmal des »Usual Steiny« ist die komplette Vereinfachung von schwierigeren Fragestellungen. Da gibt es die Klassenkämpfer, die das relative Unten verherrlichen, die invertierten Klassenkämpfer, die das selbe mit dem relativen oben tun. Auch gibt es selbstredend alle politischen Strömungen, die man in der Normalgesellschaft findet. Nur eines ist ihnen allen gemein: die Welt ist einfach, die Wahrheit ist schlicht und recht haben sie zudem noch alle (was ja kaum sein kann, da ich ja schon recht habe). Die Komplexität, die eine sinnvolle Gesellschaftsanalyse notwendigerweise mit sich bringt, wird vom »Usual Steiny« verdrängt.

Charaktermerkmal: »gefühlte Kritik«
Wie schon im Absatz zum Themenkomplex »Antirationalismus« beschrieben, muss der »Usual Steiny« nichts begründen. Für ihn reicht es, Kritik zu fühlen. Ganz offen verwehrt er sich auch gegen überbordende Wissenschaftlichkeit oder gar das Einfordern einer Begründung. Wenn er die Welt als lilablassblau fühlt, dann ist sie das. Eines Beweises bedarf es nicht.

Ursachen
Die Ursachen für die Grundkonfiguration des »Usual Steinys« ist in der Schulform zu suchen. Sie liegen in der völlig unklaren, nebulösen Vermittlung verschiedener politischer Theorien und darin, dass man Wissenschaftlichkeit nicht als Prinzip, sondern ausschließlich das Resultat dieser Denkform als Unterrichtsinhalt benützt. Alles andere ist idealistisch, tendenziell romantisierend und – ebenso tendenziell – reaktionär.

Allgemeingültigkeit
Natürlich sind diese Aussagen nur eine Tendenz, keine absolute Festlegung. Insgesamt lassen sich diese Charakterkonfigurationen allerdings wirklich gehäuft feststellen. Oft kombiniert mit starker neurotischen Zügen, wenn es um die Beschreibung der Realität geht. Eines sollte man auf jeden Fall vermeiden, will man nicht Aggressionschübe und Wutanfälle über die komplette Beklopptheit des Gegenübers bekommen: mit einem »Usual Steiny« politische Themen zu diskutieren.

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