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Nachhilfe für Linke: Fremdherrschaft und Macht 4

Ich habe beschlossen eine neue Serie zu starten, neben BlogDiktat, »Larry the Teacher« und den allseits bekannten und auch recht beliebten Musik Reviews (Vol. V, Vol. IV, Vol. III, Vol. II, Vol. I) nun also die vierte beständige Serie. In dieser Ausgabe soll es um den Themenkomplex Herrschaft und Macht und im speziellen über die Nichtigkeit und die Implikationen der in der Linken achso beliebten Kategorie der »Fremdherrschaft« gehen. Ich möchte also aufzeigen, warum es politisch-analytisch vollkommen absurd ist, diesen Terminus zu bemühen bzw. dem Status der s.g. Fremdherrschaft eine besondere machtökonomische Rolle beizumessen.

Begrifflichkeit:

Fremdherrschaft wird meist im Zusammenhang kultureller oder militärischer Okkupation benützt. Klassische Beispiele dafür sind heute der Irak, dessen »Besatzung« immer wieder angeprangert wird oder auch Tibet, deren buddhistische Feudalstrukturen und Naziverstrickungen tibetischer Eliten für viele einen positiven Bezugspunkt darzustellen scheinen. Kulturelle Besatzung meint die eine Dominanz, die sich historisch, meist nicht primär militärisch entwickelt hat (Unterdrückung der Basken, Unterdrückung der wasauchimmer) und die sich aufgrund moderner Staatlichkeit, die sich nicht anhand ethnischer Grenzen konstituiert, sondern anhand staatspolitischer Kalkül und historisch-militärischen Fakten. Spanien ist also so groß wie es ist, inklusive dem »Baskenland«, weil es über die Jahrhunderte durch Kriege, politische Auseinandersetzungen, Annektionen etc. etc. so »gewachsen« ist.

Minderheitenrechte vs. universelle Staatlichkeit:

Bleiben wir erst einmal beim Phänomen der »kulturelle Okkupation«, deren absurde Grundkonstruktion die Eigentümlichkeiten gewisser »Völker«, »Ethnien« etc. sind. Diesen werden ein generische Eigenschaften und Interessen unterstellt und durch die fremde Macht, dem historische gewachsene (s.o.) »Mutterstaat«, unterdrückt wird.
Minderheitenrechte oder gar nationale Souveränität basieren auf dem Konstrukt der »Ethnie« oder des »Volkstums«. Wer diese Minderheitenrechte fordert, wird sich schwer tun, schlüssig zu argumentieren, warum Schlesien nicht doch »unser« ist. Der Fortschritt der modernen Staatlichkeit liegt unter anderem darin, dass sie die Möglichkeit der s.g. »Vielvölkerstaaten« schafft (ein in sich eigentlich schon rassistischer Begriff). Diese Form der Staatlichkeit kennt nur noch gleiche Rechtssubjekte. Kennt keine Stände, keine Religionen, keine Völker oder Ethnien.

Okkupation als militärisches Phänomen:

Die Kategorie Fremdherrschaft taugt nicht, da sie den Begriff der Herrschaft um ein Attribut erweitern, das irrelevant für die Analyse selbiger ist, die sich grundsätzlich völkisch konstituieren muss. Da ist einerseits das gute Volk, dass so wunderbar romantisch sich nur untereinander beherrscht und andererseits der böse Eindringling von außen, der das Land, seine Kultur, etc. etc. beherrscht.
Es gilt für Linke zu analysieren, inwieweit militärisches Eingreifen den Charakter der Herrschaft verschlimmern oder verbessern, alles andere ist zweitrangig. Will sagen: nur wer sich in den Clichés des »Fremden« und des »Eigenen« bewegt, kann Fremdherrschaft überhaupt als Problematikum erkennen. Es muss aber vielmehr um den Charakter der Herrschaft gehen, um Fortschritt vs. Regression und nicht um eine pathische Projektion, die sich immer ganz sicher ist, was »fremd« und was »eigen« und somit »eigentlich« ist.

Zusammenfassung:

»Fremdherrschaft«…

  1. …ist ein absurder Begriff, da er sich notwendigerweise rassistisch, bzw. mindestens kulturalistisch definieren muss. Er schafft gezwungenermaßen die Notwendigkeit, aus eigentlich gleichen Rechtssubjekten unterschiedliche Individuen zu konstruieren, damit diese, ja nach Ethnien- oder Volkszugehörigkeit, unterschiedlich behandelt werden.
  2. …verschleiert den Blick auf die Phänomenologie der Macht und in ihrer institutionalisierten Form der Herrschaft, die es eigentlich zu analysieren gäbe. Diese ist deutlich vielschichtiger als nur rein militärisch fassbar. Vielmehr geht es hier um Diskurse, um Zugang zu Wissen, um Bildung und um Konditionierung.
  3. …zu kritisieren bedeutet kulturelle Eigentschaften über individuelle Rechte zu stellen. Vergisst also die Perspektive des Individualismus, der ja nun nicht zu den schlechtesten, hingegen eher zu den pervertiertesten, Erfindungen der Moderne gehört.
  4. …bedient sich vormoderner Begrifflichkeiten, konstruiert Kollektive, wo sie aufzuheben wären und deren Existenz immer ein Nachsehen haben müssen hinter der Erfindung des universalistischen Staates, der zwar repressiv und bürgerlich ist aber in der Tendenz fortschrittlicher als feudale und vorfeudale Strukturen.

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Comments

  1. Lars Strojny returns:
    published on August 10th 2005, 07:10:43 pm *

    Ich weiss ja, bei euch Imperialisten ist das ja anders, da muss ja jeder gleich Leben und eigentlich ist militärische Intervention geil, solange ein paar Moslems und keine Amerikaner etc. draufgehen.

    Hm, mein imperialistisches Streben ist bisher eigentlich eher gering. Und nein, militärische Interventionen sind nicht geil und das Ableben von Moslems ebensowenig wie das von Amerikanern. Ich weiß nicht, wo du das gelesen hast, bei mir jedenfalls sicherlich nicht. Wer in diesem Falle »eucht« ist, finde ich auch ein bisschen unklar. Militärische Interventionen sind grundsätzlich einmal problematisch, es gibt allerdings Punkte, an denen sie welthistorisch (wahrscheinlich) angebracht sind, um schlimmeres zu verhindern. Realpolitisch wage ich dort kein Prognose, sondern kritisiere meist die, die solches tun.

    Ja Fremdherrschaft definiert sich Kulturell, natürlich muss er das. Nur was definiert Kultur. Wenn jemand CDU wählt, und die SPD gewinnt, ist es ja zwangsweise auch eine Fremdherrschaft, da er sich ja eigentlich der christdemokratischen Gesellschaft, Kultur, Partei zugehörig fühlt.

    Das musst du noch etwas erläutern, da komme ich nicht recht mit.

    Es ist doch aber Schwachsinn dann gleich einen Rassisten aus Ihn zu machen. Ebenso ist es schwachsinn, Fremdherrschaft gutzuheissen, nur weil die eine Kultur besser ist als die andere, was zuallererst mal eh eine sehr subjektive Sichtweise ist, da natürlich jeder seine als die Beste betiteln würde.

    Ich sprach nicht von Rassisten, sondern von rassistischen Clichés, die notwendig sind um »autochtone Kulturen« zu konstruieren. Von deren Verteidigung halte ich nix und ich halte dies auch nicht für eine aufklärerische Perspektive, dies zu tun. Du kannst das toll finden oder »irgendwie faszinierend« oder wasauchimmer aber emanzipatorisch – und das ist die entscheidende Qualität – ist es sicher nicht.

    Reply

  2. Lars Strojny replys:
    published on August 11th 2005, 09:43:38 pm *

    »Naja, nehmen wir an die CDU gewinnt die Wahl mit 50+x%, was ich für nicht hinnehmbar halte, nun bleibt mir doch folgendes, entweder ich wandere aus, oder ich arrangier mich damit. Trotzdem ist und bleibt es eine Fremdherrschaft, weil ich mich nicht von ihr beherrschen lassen will.«
    Ähem. Ich würde dir schlicht raten, meine Artikel noch einmal durchzulesen. Ich glaube du bringst irgendetwas ganz deutlich durcheinander.
    »Kulturen lassen sich nicht konstruieren, sie sind nunmal da. Da lässt sich nichts dran drehen.»
    Na woher kommen sie denn, die Kulturen? Gott gegeben oder durch irgendeine höhere Macht?
    »Ich mein, du kannst es natürlich für gut finden, wenn Ureinwohner eines Gebietes niedergemetzelt werden, weil sie nunmal vorher dort wohnten oder nicht an den richtigen Gott glauben.«
    Für diese Behauptung, ich würde/könnte das gut finden, hätte ich dann dochmal einen Textbeweis.
    »Es geht hier doch nicht nur um Tibeter, Iraker oder Palästinenser, eigentlich hat es doch alle erwischt, von den Amerikanischen Ur-Einwohnern, von den ja praktisch garnichts mehr übrig ist, über Afrikanische Völker bis nach Australien.«
    Ich bin mir immer sicherer, das du nichts aber auch wirklich gar nichts meines Blogs verstanden hast.
    (...Wikipedia-Definition…)
    »also, wenn man deine grundlage zutage nimmt, wäre grad die befreiung der Tibeter, der Palästinenser, der Iraker, der Indianer usw. der eigentliche Akt der emanzipation, nicht deren Unterdrückung und Auslöschung ihrer Kultur.«
    Von wem sollen die denn befreit werden? Wo besteht die Diskrimierung aufgrund des Seins?

    Reply

  3. Sulla answers:
    published on August 10th 2005, 08:32:12 pm *

    Naja, nehmen wir an die CDU gewinnt die Wahl mit 50+x%, was ich für nicht hinnehmbar halte, nun bleibt mir doch folgendes, entweder ich wandere aus, oder ich arrangier mich damit. Trotzdem ist und bleibt es eine Fremdherrschaft, weil ich mich nicht von ihr beherrschen lassen will.

    Ich sprach nicht von Rassisten, sondern von rassistischen Clichés, die notwendig sind um »autochtone Kulturen« zu konstruieren. Von deren Verteidigung halte ich nix und ich halte dies auch nicht für eine aufklärerische Perspektive, dies zu tun. Du kannst das toll finden oder »irgendwie faszinierend« oder wasauchimmer aber emanzipatorisch – und das ist die entscheidende Qualität – ist es sicher nicht.

    Kulturen lassen sich nicht konstruieren, sie sind nunmal da. Da lässt sich nichts dran drehen. Ich mein, du kannst es natürlich für gut finden, wenn Ureinwohner eines Gebietes niedergemetzelt werden, weil sie nunmal vorher dort wohnten oder nicht an den richtigen Gott glauben. Es geht hier doch nicht nur um Tibeter, Iraker oder Palästinenser, eigentlich hat es doch alle erwischt, von den Amerikanischen Ur-Einwohnern, von den ja praktisch garnichts mehr übrig ist, über Afrikanische Völker bis nach Australien.

    Ich weiss nicht wie man zu der Auffassung gelangen kann, sowas sei nicht "schützenswert". Ich mein du sprichst von Emanzipation, nun Emanzipation:

    Emanzipation (lat. emancipare: einen Sklaven oder erwachsenen Sohn aus dem mancipium – das ist die feierliche Eigentumserwerbung durch Handauflegen – in die Selbstständigkeit entlassen)

    Im 17./18. Jahrhundert erfolgte eine Bedeutungsverschiebung: Aus dem Akt des Gewährens von Selbständigkeit wurde eine Aktion gesellschaftlicher und insbesondere politischer Selbstbefreiung; Ziel jedes emanzipatorischen Bestrebens ist ein Zugewinn an Freiheit bzw. Gleichheit durch Kritik an Diskriminierung und/oder paternalistischer Strukturen.

    Oft bezeichnet Emanzipation die Befreiung von Gruppen, die aufgrund ihrer Rasse, Ethnizität, Geschlecht, Klassenzugehörigkeit usw. diskriminiert und von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen sind (z.B. Judenemanzipation – siehe unten). Für diesen weiteren Begriff politischer Emanzipation hat sich insbesondere im amerikanischen Sprachgebrauch auch die Bezeichnung empowerment (wörtl. "Ermächtigung") durchgesetzt.

    Im engeren Sinne und alltagssprachlich wird "Emanzipation" heute in erster Linie mit der Frauenemanzipation (siehe unten) assoziiert; abwertend werden Feministinnen daher auch als "Emanzen" bezeichnet.

    also, wenn man deine grundlage zutage nimmt, wäre grad die befreiung der Tibeter, der Palästinenser, der Iraker, der Indianer usw. der eigentliche Akt der emanzipation, nicht deren Unterdrückung und Auslöschung ihrer Kultur.

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  4. Sulla means:
    published on August 10th 2005, 05:20:37 pm *

    Geil, also können wir uns wieder einen Lebensraum Ost schaffen? Nur halt, weil eignetlich ist ja Okkupation weder rassistisch und das unsere freiheitliche Kultur der Polens, Tschechien und Russlands überlegen ist, wird ja keine bezweifeln?

    Ich geb dir mal ein Einwurf:

    Selbstbestimmung

    Es ist doch erstmal jeden Menschen selbst überlassen, wodurch er sich definiert. Ob durch Nation, Familie, Gesellschaft, Clan, Religion, Haarfarbe usw. usf.

    Ebenso kann er selbst definieren, mit wem er zusammenlebt, wie er dieses Konstrukt nennt, und ob er will, das jemand anderes da reinfuscht.

    Ich weiss ja, bei euch Imperialisten ist das ja anders, da muss ja jeder gleich Leben und eigentlich ist militärische Intervention geil, solange ein paar Moslems und keine Amerikaner etc. draufgehen.

    Ja Fremdherrschaft definiert sich Kulturell, natürlich muss er das. Nur was definiert Kultur. Wenn jemand CDU wählt, und die SPD gewinnt, ist es ja zwangsweise auch eine Fremdherrschaft, da er sich ja eigentlich der christdemokratischen Gesellschaft, Kultur, Partei zugehörig fühlt.

    Es ist doch aber Schwachsinn dann gleich einen Rassisten aus Ihn zu machen. Ebenso ist es schwachsinn, Fremdherrschaft gutzuheissen, nur weil die eine Kultur besser ist als die andere, was zuallererst mal eh eine sehr subjektive Sichtweise ist, da natürlich jeder seine als die Beste betiteln würde.

    Selbstbestimmung ist das höchste aller individuellen Rechte. Und zur Selbstbestimmung gehört es, welcher Kultur man sich zugehörig fühlt. Mindheitenschutz zieht da nicht, wenn mir eine vorherrschende Kultur nicht gefällt, kann ich gehen, (kann ich nicht gehen ist es etwas anderes) geh ich nicht, passe ich mich an oder lebe mit den konsequenzen. Werde ich vertrieben, ist es ein Verbrechen.

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