Um einmal der etwas penetrant gewordenen Aufforderung entgegenzutreten, ich solle doch endlich einmal sagen, wen man denn wählen kann, wenn ich schon die ganze Zeit meckere, hier einmal einige Dinge grundsätzlich.
Ich bin kein Politikberater
Ich bin weder Thinktank noch Politikberater einer wie auch immer gearteten Gruppierung oder Organisation, ich bin Blogger, der Kritik übt und zu dessen Lieblingsbeschäftigungen es zählt, das Objekt der Kritik möglichst genau zu treffen.
Alles was ich über die anstehende Wahl schreibe, tue ich aus Spaß an der Freude (oder aus Lust am Frust), als Selbstzweck und damit die Herren und Damen WASG-Anhänger, die mich ab und an mit ihren hübschen Hassmails beglücken, jeden Morgen aufwachen können und sich versichern können, der Herr Strojny ist noch immer zum Kotzen, somit ist alles ok.
Ich bin Linker
Ja, jetzt ist es raus. So peinlich das heute manches Mal ist. Ich bin wirklich Linker. Trotz der ganzen tumben Honks, die sich auch schonmal »Links« nannten (1, 2, 3, das war der Beginn der längsten Liste der Welt). Und als würde das nicht reichen, es kommt noch dicker: ich bin sogar auch noch Marxist. Nicht orthodox aber dennoch Marxist. Ich befinde mich ideologisch also irgendwo im Nirgendwo zwischen Poststrukturalismus, Kritischer Theorie, Cultural Studies und Wertkritik. Aber warum erzähle ich das, klingt es doch in erster Linie irrelevant. Nein, nicht ganz. Daraus lässt sich herleiten, warum ich es wirklich für eine der unwichtigsten Fragen halte, wer nächste Woche Bundeskanzler ist. Natürlich ist die bürgerliche Demokratie ein Fortschritt gegenüber dem Feudalismus und ja, es ist geschickt, ein Weblog führen zu können. Relative Presse- und Redefreiheit haben einfach den Vorteil, dass sie vieles erleichtern. Somit gilt meine Ablehnung der bürgerlichen Demokratie nicht per se, sondern a priori. Nämlich in dem Wissen, dass dies ein sehr grausames »Ende der Geschichte« wäre und deshalb selbiges nicht sein darf. Wahlen sind mehr etwas wie der Streit um Förmchen im Sandkasten zwischen zwei Kindern, die noch nicht merken (können), dass sie irgendwann die Förmchen gar nicht mehr interessieren werden. Verteilungskämpfe zwischen unterschiedlichen Fraktionen bürgerlicher Herrschaft, die mich alle wenig interessieren, da sie für mich nicht relevant sind. Wenn mir eine der Parteien einen gut bezahlten Job, vorzugsweise Staatsminister oder so etwas anbietet, können wir darüber vielleicht nochmal reden. Ich habe ja nie behauptet, nicht korrumpierbar zu sein. Nur bisher sind einfach die Angebote zu schlecht.
Wahlempfehlung? Keine Chance
Wenn es hier eine Wahlempfehlung gibt, dann nur nach Jobangebot. Staatsminister im Umweltministerium würde mich interessieren. Aber bitte nur mit Chauffeur, wenig Arbeit und viel Zeit für Pressekonferenzen zur Singvogelschutzverordnung und ähnlich spannendem. Alles was nach Arbeit riecht, nehme ich nicht an.
Aber da das (hoffentlich) nie passieren wird, dass ich über solch ein Angebot entscheiden muss, bleibt alles beim Alten. Ich werde weiter kritisieren, alternativlos und destruktiv, ohne freundliche, wohlgemeinte oder gar konstruktive Ansätze. Wer das lesen möchte darf das tun. Und dann freu ich mich auch. Wer sowieso weiß, dass ich Scheiße schreibe soll doch einfach Indymedia bemühen, das ist eher für Spatzenhirne. Das ist s.z. der Müll der Blogosphere. Die Leute die nicht einmal ein Weblog einrichten bzw. sich bei einem der vielen kostenlosen Services (z.B. Blogg.de, Schleichwerbung, ich bin schon korrumpiert!) anmelden können.
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immo opines:
published on August 7th 2005, 12:52:46 pmSehr schick. Das verschicke ich ab jetzt als Link, fals mich jemand nach Stimmabgabe fragt.
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