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Kyoto ist toll - Hauptsache gegen die USA 4

Es ist schon erstaunlich, was alles bemüht wird, wenn es gegen die USA geht. Nicht dass man nicht legitime Kritik an allerhand außen- wie innenpolitischen Umformungstendenzen der gegenwärtigen US-Administration üben könnte aber so nicht, meine Damen und Herren Blogger. Ich will es schlichtweg nochmal in Erinnerung rufen, wie das mit dem Kyoto-Protokoll so war und ist. Erst einmal: das ganze Protokoll bringt dem Klimaschutz gar nichts. In erster Linie ist es die Festschreibung neokolonialistischer Politik, die dafür sorgt, die Länder des Trikonts weiter westlicher Dominanz zu unterwerfen, diesmal im Zuge eines »ökologischen Imperialismus«. Es bringt nichts, da die festgesetzten Raten so gewählt sind, das einfach weitergemacht werden kann wie bisher. Selbst UNO-Forscher sehen die Notwendigkeit einer Reduktion von 60-90% in den nächsten Jahren, wenn der Klimakollaps verhindert werden soll. Und denen ist nun mitnichten Ökoextremismus zu unterstellen.

Die Industrieländer, die die Hauptverantwortung der derzeitigen Situation tragen können allesamt, die Reduktion zum größten rein rechnerisch »erzeugen«. In Deutschland werden bspw. als Rechengrundlage die Zahlen der pre-wiedervereinigten BRD bemüht, somit ist es keine Kunst, mit einer desolaten ex-DDR Wirtschaft die angestrebten Ergebnisse zu erzielen. Ebenso eine große Schwäche des Protokolls ist die Frage der Klimagerechtigkeit. Man darf an die heutigen s.g. Entwicklungsländer nicht die selben Kriterien anlegen wie an den »entwickelten«. Sondern vielmehr ist es notwendig, um historisch gerecht zu bleiben, diesen erst einmal größere Freiräume in dieser Frage einzuräumen, um die dortige wirtschafltiche Entwicklung nicht zu hemmen.

Fazit wäre also, dass man sich vielmehr ganz prinzipiell an der Kritik des Kyoto-Protokolls üben sollten, anstatt pseudo-betulich immer wieder die USA deswegen zu attackieren. Das diese nicht unterzeichnet haben, hat unter anderem etwas damit zu tun, dass das Kyoto-Protokoll ein europäisches bzw. von europäischer Seite diktiertes Projekt war und ist.

Und, Kai: warum setzt du bitte den islamistischen Terror in Anführungszeichen? Zu was führt das? Gibt es bald nur noch »Tote« in London oder »Anschläge« in New York?

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Comments

  1. mr_spuck opines:
    published on July 29th 2005, 09:59:35 am *

    Das was zum Klimaschutz getan werden muss, dürfte unzweifelt sein. Ob das Kyoto-Protokoll dazu ein probates Mittel darf indes bezweifelt werden. Auf jeden Fall ist es ein erster Schritt in die richtige Richtung !!!

    Da allerdings die USA sich einen Scheiss um die Themen Klimachutz und globale Erwärmung scheren, ist es meines Erachtens durchaus legitim verbal auf dieses Land und die dortigen Machthaber einzuprügeln. Allerdings sollte man dies vielleicht nicht unbedingt im Zusammenhang mit dem Kyoto-Protokoll tun.

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  2. raven states:
    published on July 29th 2005, 10:15:38 am *

    Das Kyoto etliche Kritikpunkte enthält und nicht radikal genug ist, weiß ich auch. Das es rein gar nichts bringt ist deine Einschätzung. Ich denke, es ist nur ein Baustein und wir können es uns nicht mehr leisten, selbst auf diesen kleinen Beitrag zu verzichten. Soweit ich weiß, sind die sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländer weitestgehend von den Forderungen ausgenommen, deshalb dürfte sich dein "Ökoimperialismus" allenfalls auf den Export, die Errichtung und Wartung von Umwelttechnik und die Durchführung von Umweltschutzprogrammen in diesen Ländern beziehen (z. B. Clean Development Mechanism), die allerdings die Frage nach neuen Abhängigkeiten aufwerfen. Es ist aber bekannt, dass die Bush-Regierung und auch Bush selbst in seiner damaligen Rolle als Gouverneur stets eine industriefreundliche Politik betrieben hat, die z. B. darin bestand und besteht, Ökoauflagen abzubauen oder auf die "Freiwilligkeit" der Unternehmen zu setzen. In den USA selbst werden wissenschaftliche Untersuchungen und Wissenschaftler, die allzu kritisch mit der "Umweltpolitik" der Bush-Regierung ins Gericht gehen unterdrückt usw. usf. Das sind die Motive für die Bush-Regierung, Kyoto zu torpedieren und nicht das Dikatat der EU. Seit wann bitteschön lässt sich die Bush-Regierung etwas von der EU oder der UNO diktieren? Seit Bush im Amt ist? Das ist doch lächerlich. Außerdem: Was hindert die USA daran, sich in eine Änderung, Ergänzung, Weiterentwicklung von Kyoto einzunringen, anstatt ein "propietäres" Protokoll zu kreiieren? Wenn doch angeblich das Abkommen auch dem Umweltschutz durch den Einsatz von Umwelttechnik dienen soll, wo wir wieder bei Clean Development Mechanism angekommen sind.
    Warum "islamistischer Terror"? Weil es mir in meinem Beitrag eben gar nicht so sehr um Kyoto ging, sondern um einen Terror, der aus der Verzweiflung und dem Elend in den Ländern entstehen könnte, die am heftigsten vom Ökozid betroffen sein werden, halt als Abgrenzung vom Terror, der durch Islamisten befördert wird und als Verweis darauf, dass zwar alle "Terrorismusexperten" und Sicherheitspolitiker ständig den Islamismus im Munde führen und dabei bewußt oder unbewußt andere Aspekte, wie die fortscheitende Umweltkatastrophe, völlig aus den Augen zu verlieren scheinen. Ach ja, noch was zum Punkt der "historischen Gerechtigkeit" – Du denkst also, es ist notwendig und legitim, die Bevölkerungen und die Ökosysteme der Entwicklungsländer genau den gleichen Fehlern und ihren Folgeerscheinungen auszusetzen, wie wir sie durchgemacht haben? Das würde ich als westliche Borniertheit bezeichnen.

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  3. Lars Strojny means:
    published on July 29th 2005, 11:40:27 am *

    »Schritt in die richtige Richtung«
    Das was du hier tust, ist eine Setzung. Mich würde interessieren, warum es ein solcher sein soll, wo es doch kaum etwas mit Klimaschutz und viel mehr mit der Sicherung von Einflusssphären zu tun hat.

    »Die USA kümmern sich einen Scheiß um Klimaschutz«
    Geschenkt. Die EU aber auch. Das Kyoto-Protokoll konnte die USA deswegen nicht unterzeichnen, weil sie als eine der einzigen real Reduktionen hätten bringen müssen. Die EU, aufgrund des Rechenmodells, nicht bzw. kaum.

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  4. Lars Strojny returns:
    published on July 29th 2005, 12:07:33 pm *

    Lächerliche europäische Dominanz:
    So absurd ist das gar nicht. Alleine die Stimmrechtverteilung ist hier relevant. Die ganzen »Öko«-Gipfel wie Johannisburg, Rio de Janeiro oder eben auch Kyoto sind paritätisch organisiert, sprich jedes Land eine Stimme. Die EU als Machtblock mit halbwegs kongruenten Interessen (früher mehr, heute weniger), hat also 25 (früher: 15) Stimmen, die USA eine.

    Das Motiv:
    Keine Ahnung, inwiefern es überhaupt funktioniert, nach Motiven zu fragen ohne dabei verschwörungstheoretisch zu argumentieren. Wenn ich mich dazu herablasse, dazu etwas zu sagen, dann würde ich behaupten es ist die Kombination daraus, es nicht unterzeichnen zu können, da die Einschränkungen, die man sich dadurch auferlegt hätte, ungleich härter gewesen wären, als die der anderen, konkurrierenden Machtblöcke EU und Asien.

    Terror:
    Das heute v.a. islamistischer Terror thematisiert wird, dürfte einen Grund haben, nämlich dass dieser sich immer wieder selbst schmerzlichst in Erinnerung ruft. Somit ist es erst einmal irrelevant, welche Terrorformen es sonst noch so geben könnte. Die immer steigende Anzahl der Prekären dieser ist ebenso ein sinnvolles Potenzial für allerlei Scharlatane und Wahnsinnige.

    Historische Gerechtigkeit:
    Es geht nicht darum, sie irgendetwas auszusetzen. Ich bin aber durchaus kein Protege, der sie vor irgendetwas beschützen möchte. Das ist nämlich ebenso paternalistischer Kolonialistenstyle par excellance.
    Es ist einfach Fakt, dass zu Begin einer wirtschaftlichen Entwicklung der Leitsektor oftmals Schwerindustrie im weitesten Sinne ist. Dieser ist in den meisten Fällen verbunden mit Resourcenabbau und Raubbau in der Natur. Und eben auch übermäßigem Ausstoß klima-schädlicher Gase und Verbindungen. Und ja, ich halte das immer noch für gerechtfertigt, das diesen Ländern zuzustehen. 200 Jahre wurde ihre Entwicklung durch den Westen gehemmt, weil dieser sie als Sandkasten für Kriegsspielchen und Umweltzerstörung benütze. Nun sollte dem hoffentlichen Ende dieser Politik nicht die Unterjochung im Namen des »guten«, den »reinen« führen.

    Und noch ein paar Worte zu Ökoimperialismus:
    Das Kyoto-Protokoll erlaubt den Handel mit Resourcen. Luft wird in den kapitalistischen Verwertungskreislauf einbezogen. War Luft früher »kostenlos«, wie Freibier, so ist sie heute – mit Kyoto – dem Wertgesetz unterworfen. Eine deutliche Verschlechterung.
    Ebenso können sich Industriestaaten, die ihre Verpflichtungen nicht erfüllen, ihre Emissionsreduktionen einkaufen. Daraus folgt, dass es nur virtuelle Reduktion geben wird, keine reale. Bringt also klimaschutztechnisch gar nichts.
    Auch zum Thema meint dieses Protokol einiges unfreundliches: Erhöhte Anrechnung von Monokultur-Wäldern. Anreiz alte Mischwälder, die für das Ökosystem sehr wichtig sind, zu entfernen und diese durch Pflanzen mit gentechnisch verändertem Saatgut zu erstzen. Das Abholzen von Regenwäldern und Ersetzen durch genetisch identische Bäume wird ebenso angerechnet.
    Und jetzt möchte ich gerne wissen, wo dieses Protkoll ein Fortschritt ist? Das hast du nämlich dezent im ganzen Kommentar ausgespart.

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