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Über Fortschrittsverhinderer 3

Patrick Meier schreibt im Wahlblog über die Fortschrittsverhinderer, dem WASG/PDS-Brimborium und Konsorten. Seine neu-alte These: man sei auf dem Linken Auge blind und sehe somit nicht die Gefahr, die von dieser merkwürdigen Truppe ausgehe. Die Gefahr der »Fortschrittsverhinderung«.
Das man »von links« nichts sieht, hat allerdings weniger mit »Berufsblindheit« zu tun, als vielmehr der Inexistenz linker Alternativen. Damit meine ich nun wahrlich nicht die PDS, die WASG oder ähnliche, sondern eine wirkliche Alternative, die das tut, was eine sinnvolle Linke zu tun hätte. Nämlich Kritik zu üben, die Basiskategorien anzugehen, das Verhältnis Ware-Wert, das Verhältnis Preis-Wert und den Fetischcharakter kapitalistischer Vergesellschaftung. Dass wären »Jobs«, die Linke zu erfüllen hätten. Dann müsste man vielleicht auch wieder nach »links« schauen.

Was aber Herr Meier macht, ist die platte Kritik an angeblichen Fortschrittsverhinderern. Fortschritt scheint also in seinen Augen zu sein, wenn die Umverteilung von unten nach oben statt findent, das relative, gesellschaftliche unten immer weniger hat, sich die materielle Schere innerhalb der Gesellschaft immer weiter öffnet und ein ALG II-Empfänger froh sein kann, dass er noch nicht verhungert ist. Gegen solche Art von »Fortschritt« macht es aber sehr wohl Sinn, sich zur Wehr zu setzen. Die Verteidigung des »Alten« ist dabei sicherlich nicht sinnvoll, wenn auch ein normaler Reflex.

Dass die PDS im Osten noch immer die Partei des »kleinen Mannes™« ist, zeigt weniger die Verkommenheit der PDS oder die Idiotie ostdeutscher Unterschichten (nicht dass diese nicht auch aufzeigbar wäre, nur in diesem Punkt taugt sie nicht), sondern vielmehr das Versagen der bürgerlichen Parteien, sinnvolle Perspektiven jenseits der absurden »blühenden Landschaften« zu formulieren.

Aber zurück zum Text des Herren Meier:

»Was will die neue Partei am linken Rand der momentan bis zu 12% der Stimmberechtigten Ihre Stimme geben wollen? Umverteilung im klassischen Sinne? Darauf läuft es für mich hinaus, die Fortschritte die Deutschland gemacht hat sollen wieder zurückgedreht werden.«

Klar, dass ist kein Geheimnis, dass das das Ziel dieser Partei ist. Aber lassen Sie sich diesen Satz mal auf der Zunge zergehen: »Fortschritt« ist Umverteilung nach oben, »Rückschritt« selbiges in die andere Richtung. Die Verkommenheit einer Geesellschaft sieht man auch an der Besetzung ihrer Begriffe. Wenn Armutsprogramme Fortschritt sind, dann ist der Weg zur Wahrheit, deren Kern die Lüge ist, nicht mehr weit.

Dass dies alles kein Grund ist, über diese krude »Linkspartei« zu jubeln oder sie gar zu wählen, ist nun völlig klar. Was sich dort zusammenbraut ist – ich zitiere mich selbst – gefährlich und alles andere als Links. Die Rezeption dieser Gruppierung von Seiten ihrer bürgerlichen Konkurrenten ist aber nicht weniger erheiternd: paranoid, verlogen und heuchlerisch.

Zudem ekele ich mich vor Bloggern, deren hübsches rosa Gardinen den Blick auf die Straße verhindern und denen die Realität nur noch als Zerrbild erscheint. Denn wären diese Rosa Gardinen, die zugleich eine Art schwedischer für Geist und Verstand sind, ein bisschen gelüftet, würden die Herren (und Damen) Blogger entdecken, dass es einfach nunmal Realität ist, dass immer mehr Arbeitslose ihre lang bewohnte Wohnung verlassen müssen, weil sie einige Euro über dem unterstütztem Satz liegt, dass Ein-Euro-Jobs mitnichten eine reale Jobchance – sprich: Aufstiegschance in Richtung erster Arbeitsmarkt – sind, sondern ausschließlich ein Drangsalierungselement, dass den ständigen und penetranten staatlichen Zugriff auf die Ware Arbeitskraft der unteren Schichten ermöglicht. Und dann würden diese Leute vielleicht auch nicht mehr von Fortschritt sprechen, wenn eine Gesellschaft alles Soziale über Bord wirft und mit fast schon esoterischer Impetus es das »individuelle Schicksal« sein lässt, wenn Arme verhungern, Arbeitslose arbeitslos sind und der ALG II-Satz immer geringer wird. Und dass Herr Meier »Befreieung« im hier bemühten Artikel klein schreibt, halte ich für ein freud’sches Versehen.

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Comments

  1. mr_spuck says:
    published on July 19th 2005, 12:13:02 pm *

    ... dann las uns doch einfach ne Partei gründen die nicht "beschissen" ist, wie auch immer die dann aussehen würde … ;-)

    Reply

  2. mr_spuck states:
    published on July 18th 2005, 10:56:16 am *

    da dir die politische Willensbildung deiner Leser anscheinend am Herzen liegt, verrat mir doch mal, welche Partei Otto Normalverbraucher (also ich respektive wir) wählen soll ???

    Reply

  3. Lars Strojny says:
    published on July 18th 2005, 02:31:39 pm *

    Nein, nein. Wahltipps gibt’s von mir (wenn überhaupt) kurz vorher. Erstmal grundsätzlich: die sind einfach alle beschissen. Schieb ne scheibe Wurst oder Käse in deinen Wahlumschlag etc. Ändert vermutlich mehr als der Urnengang.

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