Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, der sich sonst im Haltungsturnen übt, macht sich Gedanken über die Parteien und ihren Platz im Wertekanon. Zuerst einmal taugen die Kategorien nicht, sie sind meines Erachtens zu grob, zu unsensibel. Auch die daraus gezogenen Schlüsse kann ich nicht teilen. Die alte Mär von der Kongruenz der Radikalen ist so einfach und verkürzt, wie die Leugnung jeglicher Schnittstellen. Ich habe mir ein anderes Modell überlegt, welches mehr darauf basiert, sich unterschiedliche für die derzeitige Politik wahrgenommene Leitideen vor Augen zu führen und in diese die Parteien einzusortieren. Ich habe jetzt recht wahllos einige hinausgegriffen, andere können (und sollen) folgen. Hier also mein Gegenvorschlag:
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Ein bisschen Erklärung
Zu den unterschiedlichen Punkten ist zu sagen, dass ich erst einmal die mir offensichtlich einfallenden außen- sowie innenpolitischen Dominanten gewählt habe. »Autoritär« ist hier synonym mit »autoritärer Fixierung«, »europatriotisch« der positive Bezug auf Europa als Gegenmachtblock, als widerstreitendes Element zu den USA. PDS und WASG habe ich unzulässigerweise zusammengenommen. Unzulässigerweise deswegen, da sie eigentlich völlig unterschiedliche Parteien sind und unterschiedlich zu bewerten wären. Da sie aber wahltechnisch gemeinsam antreten werden, habe ich versucht, die Unterschiede soweit wie möglich zu nivellieren.
Schlüsse
Im Gegensatz zu Herrn Lünenbürger-Reidenbach würde ich die Theorie der Schnittstellen oben halten. PDS/WASG und NPD liegen nicht »nahe beieinander«, sondern weißen vielmehr teilweise gemeinsame Charakteristika auf. Ebenso wie das Gros der deutschen Parteien, den skandalisierten Lafontaine-Ausspruch der den Schutz vor Fremdarbeitern proklammierte sicherlich unterschreiben würde. Wer weitere Begründungen zu den einzelnen Bewertungen lesen möchte, soll einfach einen Kommentar schreiben…
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Lars Strojny opines:
published on June 29th 2005, 12:06:41 amEntschuldigung, dass ich den Kommentar, der meiner Antwort vorrausging, löschte. War etwas unkonzentriert beim »entspammen«.
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Lars Strojny supposes:
published on June 29th 2005, 12:10:46 amKlar, prinzipiell stimmt der Vergleich der Ausrichtung auf’s Autoritäre. Nur eben völlig unterschiedlich. Einmal geht es um den »starken Staat« als Wohlfahrtsstaat und einmal um den »deutschen Staat« als völkisches Gebilde (»von der … bis an den Belt«).
Ich finde es schon recht wichtig, dass zu unterscheiden, da das entscheidende Gemeinsame IMHO eben nicht das autoritäre Element ist (viel zu unterschiedlich um dazu zu taugen), sondern die Schnittmenge völkischer Tendenz, also der positive Bezug auf das haluzinierte Konstrukt »deutsches Volk«.
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Haltungsturner says:
published on June 28th 2005, 10:14:26 pmGrüne & Neoliberal:
Es stimmt, dass bei den Grünen neben der FDP zuerst eine neoliberale Rhetorik auftrat (allerdings rund 10 Jahre, nachdem die Wirtschaftspolitik in diesem Land bereits neoliberal ausgerichtet worden war). Aber Klaus Müller, einer der Protasgonisten, vertritt heute einen gänzlich andere Position, Christiane Scheel war da nie so eindeutig, und Oswald Metzger ist völlig isoliert und derangiert. Bleibt vielleicht noch Rezzo Schlauch, bei dem ich allerdings auch eher andere Positionen wahrnehme, seit er Mittelstandbeauftragter ist. Nein, heute kann ich diese Einschätzung nicht mehr teilen.
Zur Kongruenz der Extremisten:
Die habe ich nicht behauptet und die behaupte ich nicht! Ich sehe nur, genau wie du, die Gemeinsamkeiten in der autoritären Ausrichtung. Mehr nicht. Relative Nähe im Schema sagt ja gerade nichts über die programmatische Nähe aus bei mir, sondern nur etwas über die politischen Grundhaltung auf der Werte-Ebene. Insofern sehe ich unsere Ideen eher als Ergänzung, denn als widersprüchlich. Ich komme halt von Haltungen und der Ethik her :-) Alte Theologen-Krankheit…
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Anonymous says:
published on June 28th 2005, 07:56:45 pmDeleted Comment
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Lars Strojny responses:
published on June 28th 2005, 08:35:53 pmNPD vs. CDU: ist verkürzt, eindeutig. Die NPD will ein Europa der nationalstaatlichen Souveränität, die CDU eher ein förderalistisches.
Neoliberalität und Grüne: die Grünen waren eine der ersten Parteien, die die neoliberalen Propagandatricks am unverholensten vertraten, bis heute sind sie eine der schärfsten Verfechter dieses Kurses. Während man in der CDU noch die rechten konservativen hat, denen ihre Gemarkung wichtiger ist als die große weite Welt.
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