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Historisches 1

Vielleicht zum besseren Verständnis des ganzen Vorgangs. Dass die WASG gerade Beifall von anderer Seite bekommt, ist kein Versehen, sondern Produkt falscher Ideologie<sup>1</sup>. Was Arbeitermarxismus bedeutet hatte ich schon einmal ausgeführt. Das Problem dieser verkürzten Analyse und Kritik hat die WASG, wie im übrigen fast alle (rest-)linken Gruppen, dass die Sicht der Welt binär unterteilt wird. Das gute Unten, das böse Oben. Mit den dazugehörigen Implikationen. Während das revolutionäre Subjekt, dass der Arbeiter zu sein hat, jenseits der Verfasstheit dieser Klientel »gut« zu sein hat, wird das gesellschaftliche Oben als immer entfernter, ja, fast schon verschwörungstheoretisch wahrgenommen. Im Gegensatz zu den Operaisten, die die Differenzen der Arbeiterschaft als Grundlage marxistischer Kritik noch betrachteten und sich der »militanten Arbeiteruntersuchung« widmeten, taugt das ostdeutsche ALG II-Empfänger, dessen deusche Mordsucht sich gern Asylanten als imaginäre Ziele sucht, für die WASG genauso als »popular underdog«<sup>2</sup>, wie der iranische Familienvater, dessen Affirmation der Sharia diese auch noch hier wirksam werden lässt. Zusätzlich gibt es überqualifizierte Migranten, die hier als Reinigungsfachkräfte tätig sind, da die westliche Biopolitik, die Politik der totalitären Verwaltung der Körper, sie als solche unterminiert.

Subjektsuche ist Quatsch
Die Not, eine Projektionsfläche, eine allgemeine soziale Gruppe mit angeblich identischen Eigenschaften, zu finden, ist die Not des Selbstbewusstseins politischer Ideen. Liberalismus war ein großartige Idee, egal wie viele das auch so sahen, Das was Marx schrieb und dachte ist ebenso brauchbar, auch wenn das heute niemand glaubt. Wozu bedarf es des tollen Arbeiters, der mit stählerner Faust (»Kruppstahl«) begeistert zur Arbeit wandelt, um seinen »Dienst am Volk« auch heute zu erfüllen. Es bedarf keines Subjekts, in wessen Namen man etwas tut. Eine politische Forderung hat sich ideologisch unter Beweis zu stellen, nicht soziotopisch. Die Forderung der FDP nach Einschränkung der Aufweichnng der Bürgerrechte ist vielleicht ein Schritt dazu. Die SPD muss wieder die kleinbürgerliche Arbeiterschaft entdecken, die sie mit Heuschrecken-Ressentiments aber ja schon ganz gut bedient. Die CDU bleibt als Partei der »christlichen Mitte«, als Bewahrer abendländischer (sic!) Tradition und völkisch-patriotischer Attitüde und der FDP stände es wirklich gut, sich als wirklich liberale Partei zu präsentieren. Der WASG bleiben ungebildetete Arbeitslose und andere Menschen, deren Lebens- und Arbeitsverhältnisse sich mehr und mehr prekarisieren. Die »Partei der kleinen Leute« übt sich nun schon einmal in der Glorifizierung ihrer neu-entdeckten Underdogs: der gemeine Deutsche und die gemeine Deutsche fürften nicht von »Fremdarbeitern« verdrängt werden. Doch wo Lafontaine ist, da darf Ulrich Maurer nicht fehlen. Während einer Podiumsdiskussion im letzten Jahr, wo ich die zweifelhafte Ehre hatte, neben ihm zu sitzen, träumte er von der EU als positiven Machtblock, mit nationaler Identität und allem drum und dran. Irgendwie hat die WASG aber wahrlich ihrer Charme: als frustrierter SPD-ler würde ich mir einen Wechsel womöglich auch überlegen. Die Hoffnung, mit der WASG bald dort zu sein, wo die SPD vor 10 Jahren vielleicht noch war, ist ja durchaus eine berechtigte und wird sich sicher erfüllen. Für alle konservativen SPD-ler und nicht anderes sind die Herren und Damen Maurer, Lafontaine, Nahles & Co. bietet sich hier die einmalige Chance Karriere zu machen, trotzdem ihre politische Attitude im Tagesgeschäft nicht mehr ganz en Vogue ist.


  1. <span id=”#hist_id1”></span>»Falsche Ideologie« im Sinne des Wahrheitsanspruchs der Kritischen Theorie. Das Rückschrittliche ist das Falsche, das Fortschrittliche noch lange nicht richtig.
  2. <span id=”#hist_id2”></span>In Anlehnung an Adornos »popular girl« bzw. »popular boy«

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  1. Trackback from WEBLOG (Haltungsturnen - Klopfzeichen aus der Wirklichkeit)
    posted on June 28th 2005, 05:03:39 pm Parteien durch die Werte-Brille

    Einen etwas anderen Aspekt zur Verortungsfrage spricht Lars Strojny an – er geht mehr auf die Adressierung der Positionen ein, wobei ich ihm ausdrücklich zustimme (wenn man mal davon absieht, dass er die Grünen vergisst – oder nicht berücksichtigen kann, da sie aus materialistischer Sicht auch kaum erfassbar sind?).

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