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Filmri:ss - »Der Untergang« reloaded 0

Filmri:ss - Studien über den Film »Der Unterang«»Ein Volk wartet auf seinen Untergang«, so titelt die Seite zum Film der Untergang. Der Führer in seinem Bunker, seine Sekräterin Traudl Junge, Frau Goebbels, der SS-Arz Schenk und Speer, Architekt der architektonischen Monstranz sind die Plotfiguren. Im web-cam Stil werden die letzten Tage im »Führerbunker« auf die heimische Mattscheibe bzw. die Kinoleinwände gebannt. Man sieht einen Onkel Adolf, der weint, eine Traudl Junge, die symbolisch für das unschuldige, das unbefleckte Deutschland steht und einen Albert Speer, der ebenso als Mann des Zweifels, Mann des Gewissens und Mann der großen Taten historisiert wird. Also ein wunderschöner Plot um den Deutschen, die ja angeblich so munter alles verrabeitet haben und heute mit Vorliebe Vergangenheitsbewältigung als Exportschlager präsentieren, ihren Führer mal »ganz anders« nahe zu bringen. Pädagogenkino par excellence.

Das Feuilleton stritt sich v.a. ob man dies dürfe: darf man deutsche Geschichte schon so zeigen oder ist es vielmehr angebracht, sich den alten, belehrend-pädagogischen – und zugleich nicht weniger revisionistschen – Stil beizubehalten, um seine Zuschauer nicht abzuschrecken. Eines sei vorweg genommen: das Experiment ist geglückt. Der Untergang zählt zu einem der meistbesuchten Filme und dient als Beweis deutscher Läuterung im Ausland.

Das es mit dieser Läuterung nun nicht ganz so weit her ist, dass versuchen verschiedene Autoren in dem Buch »Filmri:ss« herauszuarbeiten. Der Film wird unter künstlerischen, gesellschaftlichen und geschichtspolitischen Gesichtspunkten auseinandergenommen. Thomas Nöske analysiert den Film als künstlerisches Werk und attestiert der deutschen Befangenheit, die Kontemplation, die Schoppenhauer als signifikantestes Charakteristikum eines Kunstobjekts ausmacht, nicht herstellen zu können. Der Film ist, so Nöske weiter, für eine Dokumentation zu seicht und für einen Kunstfilm zu befangen. Jan Weyand geht im Kapitel »So war es!« der Frage nach, in wieweit dieser Film der derzeitig immer üblicher werdenden Umdeutung deutscher Geschichte als Geschichte der deutschen Opfer in die Hände spielt. Alexander Ruoff hingegen betrachtet das Bernd-Eichinger-Machwerk in der popkulturellen Traditionslinie und analysiert zugehörige Diskurse. Birgit Schmidt lässt das Verquere mit der Betrachtung der Nazi-Frauen als willenloses, emotional geleitetes Subjekt beginnen und deutet diesen cineastische Untergang als eingebetteten Versuch, über den Umweg der »symphatischen Nazi-Frau«, Unpopuläres in das Bedürfnis nach nationaler Identität einzubinden.

Dieses wirklich bunte Sammelsurium an Meinungen, Betrachtungsweisen und auch unterschiedlichen Schlüssen macht das Buch, das mehr einer Textsammlung gleicht, so spannend zu lesen. In jedem Kapitel überraschen den Leser wieder andere Gesichts- und Schwerpunkte.

Den insgesamt positiven Eindruck trüben die vielen Tippfehler, eine weitere Korrektur hätte sicherlich gut getan. Ebenso wirkt Buch teilweise mehr wie ein Plot denn ein fertiges Buch. Zu viele Gedankengänge sind scheinbar nur angelegt und unvollendet. Wer dennoch einmal Geistreiches über diesen Film lesen möchte, sollte zugreifen.

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