Nun ist er also wieder. Das Stehaufmännchen und der linke Hoffnungsträger jenen Teils der Linken, die alle zehn Jahre eine Partei gründen, um vier Jahre später, wenn sie keinen Posten oder Pöstchen bekamen, frustriert wieder auszutreten.
Lafontaine will also eine vereinigte Linke, eine keynesianische
Alternative links von der SPD. Relativ unbekannt ist, was dieser
Politiker für einen Werdegang hinter sich hat. Seine Positionen werden
kaum beleuchtet, hingegen wird sein Gewäsch von den bösen
Fremdarbeitern, die einmal mehr das deutsche Vaterland bedrohen, als
"Unfall" abgetan. Das solcherlei bei Herrn Lafontaine eher die Regel,
denn die Ausnahme ist, ist eher unbekannt.
Oskars AsylantenErinnern wir uns also ein bisschen
zurück: 1993, der Bundestag befand über eine Asylrechtsnovelle. Diese
Novelle war die faktische Abschaffung der Möglichkeit, in Deutschland
Asyl gewährt zu bekommen. Wer stimmte zu? Lafontaine. Aber nicht nur
das. Auch sorgte er dafür, dass die Kritiker innerhalb der SPD – und
deren gab es einige – mundtot gemacht wurden.
Oskars FlüchtlingeNoch gar nicht lange her, Otto
Schily – deutscher Haider-Ersatz und Anthroposoph – schlägt
Internierungslager in Nordafrika vor: Lafontaine eilt herbei um sich
sein Privatierdasein nicht von den "einströmenden Drogendealerhorden"
kaputt machen zu lassen:
"…es sind nicht die Schweachen, die Alten, die Kranken und
die elternlosen Kinder (die nach Europa möchten, Anm. d. A.). Es sind
vielmehr die Gesunden, die Leistungsfähigen, die nach Europa wollen, um
besser zu leben."
Oskars Sozialschmarotzer
Auch sozialpolitisch ist Herr Lafontaine sicherlich kein Chorknabe. In
seiner Amtszeit als saarländischer Ministerpräsident war er der erste,
der ein Hartz IV-ähnliches Zwangsarbeitsprogramm für jugendliche
Sozialhilfeempfänger einführte. Also eine staatlich kontrollierte
Zwangsverteilung überflüssiger Arbeiten. Kritische Journalisten, die
dies beleuchteten, wurden wiederum mit überbordender Phantasie an ihrer
Arbeit gehindert.
Oskars DeutscheDas Lafontaine immer wieder völkische
Postionen vertritt, in welchen Interesse nicht mehr der Motor
politischer Äußerung ist, sondern die Haluzination einer zweifelhaften
Zugehörigkeit zu einem imaginierten "Volk", ist ebenso kein Zufall.
Fügt es sich doch wunderbar in seine ordinär-rassistischen Positionen
ein. Er faselt von "Fremdarbeitern" und "deutschen Müttern und Vätern"
(das er hier nicht Männer und Frauen benützt ist vermutlich ebensowenig
Zufall, sind doch die Eltern die Produktionsanlage für neue
Generationen von aufrechten Deutschen) und bedroht all jene mit
Ausschluss, die sich seinem (deutschen) Konsens nicht zu fügen
gedenken. Steuerhinterziehung will er mit Aberkennung der
Staatsbürgerschaft bestrafen, denn:
"…der ist dann kein Deutscher mehr, der gehört dann auch zu unserer Solidargemeinschaft nicht mehr"
Oskars Frauen
Auch die Frauen scheinen ihn offensichtlich v.a. als Gebährmaschine für
die oben antizipierten "aufrechten Deutschen" wohlfeil zu sein. Wie der
letzte CDU-Hinterbänkler bedient er das Ressentiment der hässlichen,
emanzipierten Frau. Diese Vorstellung ist nichts weiter, als die
Forderung an die Frau, das spezifisch männliche Bedürfnis, der Wunsch
nach vollkommner Unterwerfung, zu erfüllen.
"Womit verhüten Emanzen – mit dem Gesicht"
Oskars, remixed
Worum geht es Oskar eigentlich nun? Das beantwortet folgendes Zitat Lafontaines – bezugnehmend auf Hartz IV – recht hübsch:
"Wenn diese Politik zu Wachstum führt, bin ich der Erste, der das anerkennt."Das
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Lars Strojny reckons:
published on June 20th 2005, 04:55:33 pmDie Frage ist, worauf willst du hinaus. Soll ich eine Wahlempfehlung abgeben? Werde ich vermutlich nicht tun, dass was ich (wahrscheinlich) wählen werde, ist peinlich genug.
Wegen den Drogen und den Grünen: das klingt viel zu gut. Die Grünen betreiben inzwischen eine völlig fatale Drogenpolitik. Mit dem Versprechen, zumindest weiche Drogen zu legalisieren ist es seit 1998 nicht mehr weit her. Wegen Arbeitsplätze schaffen: schonmal überlegt, warum so viele Leute arbeitslos sind? Ist das deren Verschulden, das Verschulden einer verfehlten Politik oder liegt’s einach daran, dass zu wenig Arbeit vorhanden ist und somit die Durchschnittsarbeitszeit gesenkt werden müsste. Aber ich bin ja kein Politikberater, sondern Kritiker. Das ist viel entspannter- immer nur meckern und nichts besser machen müssen.
"Handfeste Politiker"
Wen meinst du damit? Strauß und Konsorten oder bitte wen?
Denkzettel:
Wenn es dir um nen Denkzettel geht, solltest du vielleicht NPD wählen. Jedenfalls ist die Idee der "Denkzettelwahl" aus dieser Ecke.
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Lars Strojny replys:
published on June 20th 2005, 06:58:32 pm>Nö, eine Wahlempfehlung wollte ich nicht. Aber Deine Meinung hätte mich schon interessiert.
Ich tendiere gerade zur FDP. Aus verschiedenen Gründen. Einer davon ist, dass es scheint, als würde diese Partei ihre liberalen Traditionen widerentdecken.
> Das Problem mit den Arbeitsplätzen ist meiner Ansicht nach eher wirtschaftlich bedingt. Europäische Union, öffnen der Grenzen, abwandern der Firmen in Billiglohnländer usw.
Dies hat viel damit zu tun, dass sich der Charakter dessen, was Deutscheland international darstellt, ändert. Sprich: war Deutschland früher eher Produktionsstandort, so hat es eine Phase verschlafen, in denen andere westliche Länder die Transformation zu einer genuin post-fordistischen Materieproduktion durchmachten. Sprich: der IT- und Dienstleistungssektor.
Zudem kommt eben die völlig verfehlte Ideologie der aktuellen Politik, nach der mit völlig veralteten Mitteln Arbeitsplätze geschaffen werden sollen. Es gibt keine Arbeit mehr zu verteilen, das ist das Problem. Somit bedarf es einer radikalen Reduktion der Wochenarbeitszeit auf max. zwanzig Stunden.
Meine ideale Welt sieht eher ganz anders aus aber das lassen wir mal außen vor. Wichtig wäre eben eine starke Erhöhung der Sozialausgaben, radikale Arbeitszeitverkürzung, Einführung eines Mindestlohns von mind. 1500€ für alle Branchen. Zudem konsequente Entmilitarisierung, Aufhebung der ganzen überflüssigen Überwachungsgesetze usw. usw. Ebenso deutlich schnellerer Ausstieg aus der Kernenergie – innerhalb von ca. sechs Jahren sollte das machbar sein und mit diesem Förderung des Technologiesektors der regenerativen Energien. Das ist ein zukunfsträchtiger Wirtschaftszweig, zweifellos.
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ac responses:
published on June 20th 2005, 06:41:47 pmNö, eine Wahlempfehlung wollte ich nicht. Aber Deine Meinung hätte mich schon interessiert.
Das Problem mit den Arbeitsplätzen ist meiner Ansicht nach eher wirtschaftlich bedingt. Europäische Union, öffnen der Grenzen, abwandern der Firmen in Billiglohnländer usw.
Das Problem liegt nicht darin, daß die Lohnnebenkosten zu hoch sind, sondern das auch die Kosten zum Lebensunterhalt sehr hoch sind. Jemand aus Polen oder China könnte hier vermutlich locker mit 5€/h klarkommen, aber ein normaler Arbeiter halt nicht. Besonders dann nicht, wenn seine Lebenserhaltungskosten selbst hoch sind. Annahme: Haus, Kinder, Auto, Frau, Haustiere und evtl. pflegebedürftige Eltern. Das kostet alles. Mit 5€/h bei 170/h mtl. wären das 850€/mtl. Brutto. Davon muss er Haus, Kinder, Auto, Frau, Haustiere und evtl. pflegebedürftge Eltern bezahlen ? Das geht nicht. Aber in China scheints ja zu gehen, das liegt aber daran das dort 5€/h schon Tageslohn darstellt.
Gut angenommen, wir reduzieren die Lebenserhaltungskosten auf ein Minimum und können folglich darauf reagieren und die Lohnnebenkosten senken und die Löhne selber. Was bringt uns das ? Wir sind dann nicht mehr konkurrenzfähig mit dem Ausland, weil dort dann alles zu teuer ist.
Naja, es gibt sicherlich keine Arbeit hier in der BRD. Sprich körperliche Arbeit, dafür aber geistige Arbeit satt – sprich Dienstleistungen (IT) bzw. arbeiten im Ausland.
Politik schafft keine Arbeitsplätze, aber Politik schaft bessere Regulierungen (in der idealen Welt).
Naja mal schaun, was abgeht. Hellseher bin ich nicht.
Aber Du hast was die alteingesessenen Politiker betrifft schon fast recht. Ich bin immer noch für Leute wie Lafontaine, Brandt, Blüm, Möllemann, Gysi, Schmidt. Das waren/sind Macher. Sicherlich nicht alle mit Gold befleckt aber immerhin für mich sympathischer, als daß, was gegenwärtig Politik betreibt.
Naja ist eh nur meine Meinung dazu.
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ac says:
published on June 20th 2005, 05:15:20 amHab mir Dein blog auf planet.gnome.de durchgelesen und fand das sehr interessant. Aber mal ernsthaft. Was wählen wir denn als nächstes ? SPD ? CDU ? Wenn ich mir so Leute wie Angela Merkel, Edmund Stoiber usw. ansehe, dann meine ich, das letztgenannter echt schon fern von der Realität ist und eigentlich nach meiner Ansicht in Pension gehört.
Wählen wir CDU, dann haben wir die selben Probleme, wählen wir SPD dann haben wir die selben Probleme. Von FDP und Grüne mal abgesehen. Letztgenannte halten es für wichtiger weiche Drogen legalisiert zu bekommen, als das Arbeit geschaffen wird.
WASG/PDS mag sicherlich nicht jedermanns Sache sein, aber persönlich halte ich das für die beste Alternative die es momentan gibt. Politisch werden sie auch nicht viel reissen können, aber um SPD und CDU einen Denkzettel zu verbraten, sind sie allemal gut.
Ich bin eh Beführworter der guter alter Politiker und würde den ganzen Krempel von Heute gerne wieder gegen alte handfeste Politiker eintauschen.
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