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Ausführungen zu »Unmöglichkeit von Transzendenz« - Deutschland seit Auschwitz 1

[frame]Introduktion: Transzendenz oder “transzendentes Denken”?
Transzendenz meint in der Philosophie seit Immanuel Kant, die Möglichkeit der Überschreitung des bisher Bekannten, also die Fähigkeit, Denken und Handeln vom freud’schen Über-Ich abzuleiten. Scharf zu unterscheiden ist es von der Transzendentalität, deren Bedeutung hier allerdings keine Rolle spielt (aus dem Denken die Erfahrung des Denkens möglich machen).[/frame]<p>
In meinem Artikel »Die Antideutsche Ideologie« steht folgende Anmerkung:

(…)und [Robert Kurz, Anm. d. A.] spricht von der Notwendigkeit, zugleich immanent und transzendent zu denken, wo noch nicht einmal die Möglichkeit der Überwindung gegeben ist.

Diesen Satz halte ich im Bezug auf die Kritik deutscher Verhältnisse für unbedingt ausführenswert. Somit soll dieses Traktat Anleitung und Anstoß zu einer sinnvollen Rezeption und -Kritik der speziefisch deutschen Verhältnisse sein. Hierbei soll es nicht um historische Fakten, sondern um die politische Einordnung und den ideologischen Umgang damit gehen.

Germany, the lovely ol’ wife – die Deutschen und ihre Nation
Die Nationalgeschichte Deutschlands ist insofern einzigartig, als das sich innerhalb ihrer Entwicklung ausschließlich eine Traditionslinie abzeichnet: Die reaktionären Revolution von oben zur Verhinderung von relativem Fortschritt und das Bedürfnis nach Kollektivität, nach gesamtgesellschaftlichen Lösungen. Letzteres reicht von der bismarck’schen Sozialgesetzgebung bei gleichzeitigem Verbot relativ fortschrittlicher – wenn auch weiterhin völkischer und antisemitischer Kräfte – bis hin zum »Bündnis für Arbeit«, zur Agenda 2010 oder auch das Phänomen des Atomkonsensus’. Das Bedürfnis nach Auflösung jedweden Aufflammens von Interessenspolitik und Vertretung des – teilweise sicherlich haluzinierten – Klassenstandpunkts nicht durch Austragung dieses Konflikts, sondern durch Begräbnis unter einer Schicht nationalen Selbstverständnises, dass sich nicht an historisch Erreichtem festmacht, sondern an der urdeutschen Gewissheit, im Endeffekt und a priori doch »irgendwie nur das Gleiche zu wollen«. Hierbei wird ein nicht-materialistisches Faktum virulent: das Bewusstsein wird manifest.

I’m what I’m – Identitätskonstruktion und Antisemitismus

“Vollkraft, Biederkeit, Gradheit, Abscheu der Winkelzüge, Rechtlichkeit und das ernste Gutmeinen waren seit einem Paar Jahrtausenden die Kleinode unseres Volkstums…”
Friedrich Ludwig Jahn

Aus dieser Konstellation ergibt sich das Bedürfnis nach Abgrenzung. Die Eigentümlichkeiten der Deutschen, deren Nationalbewusstsein sich immer wieder neurotisch-zwanghaft antijüdisch und später dann industrialisiert-antisemitisch formulierte. Dieser Zusammenhang sei aber an anderer Stelle erläutert. Die Konstruktion der spezifisch und genuin deutschen Identität bedarf des Bewusstseins um Eigenheiten, die dem ganzen Volk obliegen, also als Volkscharakter virulent werden. Antisemtismus ist hier willfähriges Vehikel, diese Andersartigkeit die Schwächsten, die Juden in der Diaspora, spüren zu lassen. Als unbewaffnete und (damals) staatenlose Religionsgemeinschaft eine leichte Beute deutschen Wahns.
Dem Doppelcharakter der Industrialierung folgend, ergab mit dieser eine neue Perspektive für den Judenmord: die genauestens geplante Vernichtung all dessen, was sich der deutschen Eigentümlichkeit widersetzte war damit als Möglichkeit gegeben. Es bliebt nicht bei der bloßen Möglichkeit.

Think, think, think! – linke Rezeptionen und Rezepte
Die zentrale Fragestellung lautet also heute weiterhin, sind die Deutschen ein Tätervolk und somit bezüglich emanzipatorischer Anstrengungen personi non grata oder weiterhin – je nach Klassenlage – Projektionsfläche revolutionärer Bedürfnisse – denn zu mehr reicht es so oder so nicht. Und zusätzlich, ist Auschwitz ein Produkt der Aufklärung, der bürgerlichen Gesellschaft, also nur eine Regressionstendenz dieser Entwicklung oder eine Umkehrung all des erreichten der bürgerlichen Gesellschaft. Während Robert Kurz und seine Wertkritiker deutlich zu ersterem neigen, ist für deren platte Inversion die berliner Bahamas zuständig.
Beide Positionen sind schlichtweg falsch. Wird die Bahamas leugnen, dass Ausschwitz in dieser Form jenseits der Möglichkeit, Zyklon B zu produzieren und massenweise ökonomisch zu denken, möglich gewesen wäre. Jenseits dessen, dass aus dem Christusmörder der jüdische Bankier wurde, der Betrüger und Verführer, der materielle Abhängigkeit simulierte. Was bitte sagt R. Kurz auf die Frage, warum Auschwitz nun gerade in Deutschland stattfand, also doch Produkt eines verkrüppelten, weil unterbliebenen bürgerlichen Aufklärungs- und Revolutionsprozesses war. Es gilt, Auschwitz als ein Produkt beider Entwicklungslinien zu denken, als die Symbiose aus industrieller Möglichkeit, bürgerlicher Individualität, völkischem Bedürfnis nach Kontinuität und Gemeinschaft und eben der bruchlosen Identifikation mit der Nation.</p>

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  1. Trackback from WEBLOG (Wahlblog)
    posted on June 5th 2005, 11:01:12 am »Mainbube« tut Deutschland gut

    »Mainbube« man sich Sorgen um Deutschland. Er hat Angst vor der roten Gefahr, denn die tut Deutschland nicht gut. Was Deutschland gut tut, tut nunmal auch den Menschen gut, denn Volk und Staat waren in Deutschland immer wieder kongruent. Zudem hat Herr Mainbube Angst vor dem linken Rand, welchen er meint ist unklar. Er könnte, angesichts der Marginalisierung der Linken doch einfach ganz beruhigt sein. Vielleicht meint er die da, den da, vielleicht auch jenen oder doch die da mit diesem IM…

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