Nachdem Hanno es sich in seiner grenzenlos-traditionslinken Bösartigkeit nicht verhalten konnte mir »Die antideutsche Ideologie« von Robert Kurz zum Geburtstag zu schenken nun hier einige Bemerkungen zu diesem Buch, die ich mir – natürlich auch aus Bösartigkeit – nicht verkneifen kann.
Erst einmal, das Buch ficht nicht Zitatschlachten (“der/die hat dann das gesagt”) und räsoniert ebensowenig über den angeblichen antideutschen Rasssimus, sondern setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit die antideutsche Rezeption der Realität eine doppelt-verquere, sprich: eine bürgerlich-invertierte ist. Leider muss man einfach sagen, Robert Kurz offenbart sich hier als Profi der projektiven Kritik: er konstruiert Realität um dann diese adäquat zu kritisieren. Seine Wahrnehmung antideutscher Publikationen scheint sehr auf das ISF Freiburg bzw. der berliner Bahamas beschränkt zu sein, deren theoretische Arbeit er teilweise wahrlich fundiert kritisiert. Er sprich von verkürzter Wertkritik und wärmt die Mär der Traditionslinie des Arbeitermarxismus innerhalb »der Antideutschen«™ auf. Das es die so nicht gibt, interessiert ihn nicht, ihm geht es um Zuschreibungslogik und politische Denunziation und dies auch oft noch doppelt verdreht: so kritisiert er die metaphysische Tendenz der antideutschen Geschichtsbetrachtung und spricht von der Notwendigkeit, zugleich immanent und transzendent zu denken, wo noch nicht einmal die Möglichkeit der Überwindung gegeben ist. Er haluziniert, Auschwitz gehöre zum Refugium der Möglichkeiten der bürgerlichen Gesellschaft und begreift nicht die Dialektik zwischen Anlage und Perversion – Und dies sind nur einige Punkte.
Ich hatte mir ernsthaft erhofft, dieses Buch würde einiges ideologisch gerade rücken. Soweit sind Wertkritiker und vernünftige™ Antideutsche gar nicht auseinander. Man könnte den Unterschied der beiden Strömungen als eine Art postfordistische Arbeitsteilungskonstellation begreifen und sie dementsprechend – sich gegenseitig befruchtend – arbeiten lassen. Mit ständiger immanenter und gegenseitiger Kritik. Das ist aber auch der einzig sinnvolle Vorschlag den das Buch zu Beginn liefert, der Rest verfällt in reflexhafte Muster und kritisiert das Falsche. Es gäbe genug zu kritisieren innerhalb der Antideutschen, nur leider weiß Robert Kurz vermutlich nicht einmal, wer das ist. Das Buch müsste somit viel eher »Bahamitische Ideologie und warum ich die nicht mag – eine Soapopera in drei Teilen« heißen. Aber das wäre zu ehrlich.
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b_l states:
published on May 27th 2005, 02:49:25 pmIm Rahmen einer fundierten Kritik am "Antideutschtum" scheint Kurzens Kritik dennoch die mit Abstand Fundierteste zu sein. Alle anderen geitigen Ergüsse über die Anideutschen(als mehr oder minder monolithischen Block) waren wahre Stilblüten. Z.B. das erst Anfang des Jahres erschienen Anti-Antideutschen Buch von Gerhard Hanloser. In dieser Hinsicht hast du also noch das Bessere zum Geburtstag bekommen.
Wie du selbst auch schreibst, ist Kurzens Kritik an der Bahamas und dem Isf pointiert und zutreffend. Dass in diesen beiden Zusammenhängen antideutsche Possitionen nicht zur Gänze aufgehen ist klar, dennoch sind beide die Pole der antideutschen Theoriebildung. Wenn mensch so will, auch in postfordistischer Arbeitsteilungsmanier: die Bahamas die Leute fürs Grobe und Denunziatorische, die Isf für die nuanciertere Kritik.
Kurzens Auschwitzrezeption ist zum Teil verquer, und groteils das Spiegelbild einiger antideutscher Positionen, die mit Schaum vor dem Mund vom NS als "negative Aufhebung des Kapitals" fabulieren. Kurz selbst bezieht sich ebefalls auf Postone und unterscheidet sich somit wohltuend von anderen tradionslinken Auschwitzverklärungen.
Deine letzten zwei Sätze bleiben mir ein Rätsel.
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Lars Strojny opines:
published on May 27th 2005, 02:59:07 pmMit dem Fingerzeig, das alle anderen noch viel schlechter sind hast du leider recht. Trotzdem ist es erbärmlich, dass dieses Buch das noch genaueste sein soll.
Auschwitzrezeption: Klar, Bahames & Co. nehmen dies als Anlass um zu "Freunden der offenen Gesellschaft" zu mutieren.
Letzte zwei Sätze: sorry, das hat mir ein C&P verhauen. Ist jetzt korrigiert und — danke für den Hinweis!
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