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»Благодарю вам, вы солдаты рабоче-крестьянской Красной Армии« 5

<img src=”/img/rotarmist_reichstag.png” align=“left” alt=“IMG: Rotarmist auf dem Reichstag” />

“Es gilt, die deutsche Bestie zu besiegen. Sie zu erwürgen und nie wieder erstarken zu lassen”
Josef Stalin in einer Ansprache an Arbeiter der Kaleko-Werft

Ein ehrliches, ernstgemeintes Danke zum 60. Jahrestag des 8. Mai 1945 wäre die angemessene Haltung im Land, das den Tod als Maestro hat.

Stattdessen: selbstvergessene Besserwisserei, sozialpädagogische Verhaltensratschläge, Erinnerungskultur als Standortvorteil und sendungsbewusste Vergangenheitsbewältigung. Die Befreiung am 8. Mai 1945 war keine Befreiung der Deutschen. Diese sind a priori nicht zu befreien und taugen nicht als positiven Bezugspunkt. Vielmehr konnte das deutsche Fiasko, historisch gewachsen, nur gegen die Deutschen gelöst werden. Die Befreiung von 1945 ist in sofern eine Befreiung, als dass sie eine solche von den Deutschen war. Also eine Befreiung von den Qualen, die die Deutschen in ihrer Mehrheit der Welt zufügten. Spätestens seit Auschwitz taugt speziell die deutsche Nation nicht mehr als positiver Bezugspunkt und ist eine Art “natürlicher” Feind all jener, denen es um Emanzipation und individuellen wie sozialen Fortschritt geht.

Mag das stalinistische Riesenreich nach Innen wie nach Außen ein Komglomerat korrupter und mörderischer Apparatschiks gewesen sein, mag der Antisemitismus Stalins virulent gewesen sein, mag die Sowjetunion ein von Anbeginn gescheitertes Experiment gewesen sein: die Niederringung der Deutschen und ihrer Eigenheit, die Thomas Mann einmal als “deutscher Innerlichtkeit” titulierte, ist und bleibt vor allem der Verdienst der Soldaten der Roten Armee. Als Marxist bleibt die Grausamkeit militärischer Aktionen immer beliebtes und richtiges Ziel der Kritik, doch nichts von dem ist angebracht, wenn es um die Befreiung von 1945 geht.

Der Fingerzeig “aber die waren doch auch schlimm” ist Ausdruck deutscher Selbstvergewisserung, nicht die einzigen Bösen dieser Welt zu sein. Also das Unvergleichbare in einen Kontext zu rücken in dem der Zählerei die Leichfledderei folgt. Der sozialpädagogische Impetus, mit dem heute Erinnerungsdebatten geführt werden, meist untermalt von nostalgisch-individueller Relativierung, ist nichts weiter als arrogante Besserwisserei und pädagogische, posthume Beleidigung.

Das bis heute teilweise ungeregelten Entschädigungszahlungen sind weiterer Ausdruck genuin deutscher Geschichtspolitik: die offene Rechnung wird erst dann beglichen, wenn sie sich zum Standortvorteil transformieren lässt und zunächst möglichst viele potenzielle Empfänger verstorben sind. Nicht nur die post-nationalsozialistische Unverfrorenheit, mit der sich die Mörder, ihre Kinder und Kindeskinder an dem Wirtschaftswunder erfreuen, dass ohne die Zwangsarbeiter nie stattgefunden hätte, auch ist das Eingeständnis der alleinigen Schuld bis heute unmöglich. Verantwortung, Erinnerung, Belehrung.

Allesamt sind diese sozialpädogischen Richtschnüre zur Erklärung des Unerklärbar-Erklärbaren, der deutschen Variante antikapitalistischer Regression und dem Rückfall in pre-bürgerliche Verhältnisse. Tendenzen hierzu reichen von Martin Luther bis zu Johann Gottlob Fichte, über den berühmt-ekelhaften Turnvater Jahn bis hin zu Wagner. Kultur in Deutschland, ein Widerspruch in sich. Wo sich Fuchs und Has’ gute Nacht sagen, wo sich Eichendorff mit Wagner und Heidegger mit Streicher verbrüdern, da ist Deutschland und seine Eigenheiten: okulte Naturanbetung, völkischer Selbstbezug anti-bürgerliches wie anti-intellektuelles wie individuelles Ressentiment. Konkretes Opfer dieses Wahns ist der ewige Jude, der ab und an andere Metarmorphosen anzunehmen hat um der kompletten Realitätsfremde auszuweichen. Die Raupe ist auch nichts weiter als die Urform des Schmetterlings, Heidegger, Wagner und Konsorten sind die deutschen Haus und Hofdichter. Nicht ohne Zweck und Grund.

So bedarf es hier und jetzt des Folgenden: Dank euch, ihr Soldaten der Roten Armee.

Anm.: Ich hoffe, dass mein Russisch noch ausreichte, um die Überschrift korrekt zu gestalten. Hinweise sind willkommen.

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  1. Trackback from WEBLOG (Wahlblog)
    posted on June 5th 2005, 11:01:11 am

Comments

  1. Bernd replys:
    published on May 10th 2005, 08:01:52 am *

    Ich versteh deine Überschrift zwar mangels Russisch-Kenntnissen nicht, aber schön zu sehen, dass es wenigstens korrekt angezeigt wird. ;-)

    Reply

  2. Lars Strojny responses:
    published on May 10th 2005, 03:36:10 pm *

    »Dank euch, ihr Soldaten der Roten Armee« (im russischen Original heißt es: »Rote Arbeiter und Bauern Armee«)

    Reply

  3. Vitei responses:
    published on May 18th 2005, 11:29:14 am *

    Ein paar Fehler haben sich in Überschrift eingeschlichen, aber der Sinn kommt trotzdem klar rüber ;)

    Korrekt heißt es : "Благодарю вам, вы солдаты рабоче-крестьянской Красной Армии"

    Woher kannst du eigentlich Russisch? Wenn das Schulkenntnisse sind, dann großen Respekt.

    Reply

  4. Lars Strojny states:
    published on May 19th 2005, 02:53:00 am *

    Ich hatte von Klasse 1-11 Russisch in der Schule. Davon ist noch ein letzter Rest hängen geblieben.

    btw: danke für den Hinweis

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