“Das ist ein schwerer Rückschlag für unser deutsches Ziel, die europäische Einigung herbeizuführen Guido Westerwelle, FDP am 29. Mai 2005 in der Sendung »Sabine Christiansen»Interessant, Herr Westerwelle. Danke für die Offenheit. Wolfgang Neuss formulierte es einst anders:
“Heute schaffen wir es ohne Waffen SS”
Filed under Politik & three comments & two trackbacks
Nico Lumma schlägt in »Bloggen zur Bundestagswahl 2005« vor, einen gemeinsamen Weblog zur diesjährigen Wahl zu betreiben. Durchaus spannend und würdig dort mitzumischen. Themen meinerseits wäre v.a. die Betrachtung des linken Randes, ideologiekritische Destruktion des Stehaufmännchen Lafontaine und seiner Schergen. Alles andere finde ich sowieso eher unspannend, werde mir allerdings Spitzen nicht verkneifen können.
Ich hoffe auf ein wirklich kontroverses Weblog, auf ausgetragene Debatten und – nicht zu vergessen, schließlich endlich – den Nichteinzug der PDS, der [s]Qual[/s]Wahlalternative und der anderen laut-populären Schreihälse.
Update:
Hanno hat noch einige sehr sinnige Anmerkungen in einem Kommentar hinterlasse (Lummaland stellt keine Permalinks für Kommentare zur Verfügung)
Filed under Politik & no comments & one trackback
Heute Familienausflug mit kompletter Family + Klara. Ziel: Heidelberg. Wirklich eine schöne Universitätsstadt, kann mir gut vorstellen, dort einmal zu studieren. Hab mir Klara Villen betrachtet und Zukunft gesponnen. Irgendwie schon ein komisches Gefühl, sich ernsthaft Gedanken über eine länger andauernde Beziehung zu machen. Mit allen Folgen. Nicht so entscheidend, darüber wollte ich nicht bloggen.
In Heidelberg lohnt es sich in jedem Fall, viel Zeit für die Stadt selbst mitzubringen. Es ist großartig, die engen Gassen zu durchschlendern, immer wieder einen Blick auf den an dieser Stelle wirklich tollen Neckar zu erhaschen und dann in einer schönen Pizzeria guten Salat und feine Lasagne zu genießen.
Eine wirklich lohnenende Anstrengung ist der Philosophenweg am linken Ufer des Neckars. Benannt nach sich dort vergnügenden Studenten und Ort der Besinnung und der Ruhe für Philosophen, Dichter und Schriftstellern wie Eichendorff, Thies und Benl lädt dieses Stückchen weg zum gepflegteen Chillen unter schattigen Kastanien ein. Hierbei ist ein wirklich atemberaubender Blick auf den Neckar garantiert.
In Richtung Innenstadt, zwischen Theodor-Heuss-Brücke und Fußgängerbrücke ist auf der linken Seite eine große Grünanlage zu finden, die bei warmen Wetter Magnet für Sonnenapologethen zu sein scheint. Heidelberg ist wirklich eine der charmantesten Städte, die ich bisher gesehen haben. Ich denke, dass ich ein Studium dort durchaus attraktiv fände.
Update:
Wie blöd kann man eigentlich sein? Nicht mal mehr die Stadt zu wissen, in der man war. Wie abgefahren.
for (a=0;a<1000;a++)
printf ( "I will never blog when I'm tired\n" )
Filed under Consumption, Me & two comments & one trackback
Nachdem Hanno es sich in seiner grenzenlos-traditionslinken Bösartigkeit nicht verhalten konnte mir »Die antideutsche Ideologie« von Robert Kurz zum Geburtstag zu schenken nun hier einige Bemerkungen zu diesem Buch, die ich mir – natürlich auch aus Bösartigkeit – nicht verkneifen kann.
Erst einmal, das Buch ficht nicht Zitatschlachten (“der/die hat dann das gesagt”) und räsoniert ebensowenig über den angeblichen antideutschen Rasssimus, sondern setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit die antideutsche Rezeption der Realität eine doppelt-verquere, sprich: eine bürgerlich-invertierte ist. Leider muss man einfach sagen, Robert Kurz offenbart sich hier als Profi der projektiven Kritik: er konstruiert Realität um dann diese adäquat zu kritisieren. Seine Wahrnehmung antideutscher Publikationen scheint sehr auf das ISF Freiburg bzw. der berliner Bahamas beschränkt zu sein, deren theoretische Arbeit er teilweise wahrlich fundiert kritisiert. Er sprich von verkürzter Wertkritik und wärmt die Mär der Traditionslinie des Arbeitermarxismus innerhalb »der Antideutschen«™ auf. Das es die so nicht gibt, interessiert ihn nicht, ihm geht es um Zuschreibungslogik und politische Denunziation und dies auch oft noch doppelt verdreht: so kritisiert er die metaphysische Tendenz der antideutschen Geschichtsbetrachtung und spricht von der Notwendigkeit, zugleich immanent und transzendent zu denken, wo noch nicht einmal die Möglichkeit der Überwindung gegeben ist. Er haluziniert, Auschwitz gehöre zum Refugium der Möglichkeiten der bürgerlichen Gesellschaft und begreift nicht die Dialektik zwischen Anlage und Perversion – Und dies sind nur einige Punkte.
Ich hatte mir ernsthaft erhofft, dieses Buch würde einiges ideologisch gerade rücken. Soweit sind Wertkritiker und vernünftige™ Antideutsche gar nicht auseinander. Man könnte den Unterschied der beiden Strömungen als eine Art postfordistische Arbeitsteilungskonstellation begreifen und sie dementsprechend – sich gegenseitig befruchtend – arbeiten lassen. Mit ständiger immanenter und gegenseitiger Kritik. Das ist aber auch der einzig sinnvolle Vorschlag den das Buch zu Beginn liefert, der Rest verfällt in reflexhafte Muster und kritisiert das Falsche. Es gäbe genug zu kritisieren innerhalb der Antideutschen, nur leider weiß Robert Kurz vermutlich nicht einmal, wer das ist. Das Buch müsste somit viel eher »Bahamitische Ideologie und warum ich die nicht mag – eine Soapopera in drei Teilen« heißen. Aber das wäre zu ehrlich.
Filed under Philosophie, Politik & two comments & one trackback
Just to use my weblog as some kind of pad I want to write about creating an software RAID5 as I did with Johannes’ server yesterday. It doesn’t differs much from setting up a RAID1 but a bit.
First of all, you must have three partitions in the same size. The filesystem of this partitions is unimportant, just create one. Using three 200GB IDE-discs (hda, hdb, hdc) we first have to install mdadm (emerge sys-fs/mdadm). Then we’re going to set up the software RAID5.
$ mdadm –create /dev/md/0 –raid-devices=3 –level=5 /dev/hda1 /dev/hdb1 /dev/hdc1
Now /dev/md/0 exists and could be uses as a default block device. To make sure, that your Gentoo system reloads the RAID5 correctly on bootup, add the following lines to your /etc/mdadm.conf:
$ cat /etc/mdadm.conf
DEVICE /dev/hda1 /dev/hdb1 /dev/hdc1
ARRAY /dev/md/0 devices=/dev/hda1,/dev/hdb1,/dev/hdc1
MAILADDR admin@yourdomain.tld
Now you can follow »Crypt Your Partition With DM-Crypt«.
Filed under Gentoo, Linux, Security & no comments & three trackbacks
My media-volume became more and more filled and so I decide to resize it. It’s so easy, if you have an LVM-dm_crypt-XFS-setup.
Hint: Device could be mounted (when doing xfs_growfs it’s a must).
First Step – Resize The Logical Volume:
$ lvresize -L +10GB /dev/lvm_device/device
Second Step – Resize The DM-Crypt Device:
$ cryptsetup resize /dev/mapper/crypt-device
Third Step – Resize The XFS-Partition:
$ xfs_growfs -d /dev/mapper/crypt-device
Fourth Step – See What You’ve Done
$ df -h /mnt/media/
Filesystem Size Used Avail Use% Mounted on
/dev/mapper/crypt-device
110G 95G 16G 86% /mnt/media
Other Articles Related To This Topic:
Filed under Gentoo, Linux, Security & one comment & one trackback
What is it for?
You have a big flac-compilation, all sorted cleanly in the following style:
/path/to/media/ARTIST/ALBUMNAME/TRACKNUMBER - TRACKTITLE.flac
You want to have the possibility of autogenerating playlists for each album in the EXT3MU-format (Extended 3MU), auto-adjust permissions etc. etc. Look at the script to really understand what it is doing. This post is mainly for Johannes, to show him, that I’m a hero and I’d found out how to calculate the duration of a FLAC-file (if you also want to do this, check out the script. I’m not willing to help you while being lazy).
fix_media_directory reads Trackname, Artist and Albumname out of the path. This should be changed in another version but I’m not motivated now. If you’re, send patches.
But: You should be warned, no other formats are working, mixed compilations will result possibly in lost data. Also the script is completely alpha, it works for me but I don’t know what it will do with your collection. So be careful or not but take it for granted, I don’t care about your tears.
Where can it be found?
Filed under Code & one comment & no trackbacks
You’re shocked, are you? Ha, I fooled you, heading was delusive. Just enabled moderation of comments containing an hyperlink because of an increasing emergence of comment spam.
Filed under Blogosphere, News & no comments & no trackbacks
[c]Wie heißt es richtig?
a)
“Lies endlich mehr, du Quacksalber!”
“Lese endlich mehr, du Selbiger!”
b)
“Seidt geraumer Zeit ist Deutschland grauenvoll”
“Seit geraumer Zeit ist…”
“Seid geraumer Zeit ist…”
c)
“Kaum jemand ist schlauer und toller wie ich”
“Kaum jemand ist schlauer und toller als wie ich”
“Kaum jemand ist schlauer und toller als ich”
d)
“Hingegen ist Hannes fast so schön wie ich“
“Hingegen ist Hannes fast so schön als ich”
“Hingegen ist Hannes fast so schön als wie ich”
Lösungen bitte per Mail an blog-linguas@lars-strojny.org, der Rechtsweg ist ausgeschlossen, bei Dopplungen wird gelost.
Preise:
Filed under & four comments & three trackbacks
Heute letzte Geschichtsklausur zurückbekommen, 1.0. Damit ist ein jahrelanges Trauma überwunden und im diesjährigen Zeugniss steht als Nebenfachnote eine 1. Endlich. Ganz nett: keine Note dieses Jahr war schlechter als 1.5.
Außerdem bekam Klara heute ihre Mandeln raus. Ich hatte glaube ich mehr Angst, als sie. War sie besuchen, schien ihr ganz gut zu gehen.
Filed under Me, News & no comments & no trackbacks
As I said: Cynics could say…
Maybe this was one of the most requested things but now it’s done: Gentoo’s Bugzilla is avaliable via SSL.
Filed under Gentoo, Linux & no comments & no trackbacks
<img src=”/img/rotarmist_reichstag.png” align=“left” alt=“IMG: Rotarmist auf dem Reichstag” />
“Es gilt, die deutsche Bestie zu besiegen. Sie zu erwürgen und nie wieder erstarken zu lassen”
Josef Stalin in einer Ansprache an Arbeiter der Kaleko-Werft
Stattdessen: selbstvergessene Besserwisserei, sozialpädagogische Verhaltensratschläge, Erinnerungskultur als Standortvorteil und sendungsbewusste Vergangenheitsbewältigung. Die Befreiung am 8. Mai 1945 war keine Befreiung der Deutschen. Diese sind a priori nicht zu befreien und taugen nicht als positiven Bezugspunkt. Vielmehr konnte das deutsche Fiasko, historisch gewachsen, nur gegen die Deutschen gelöst werden. Die Befreiung von 1945 ist in sofern eine Befreiung, als dass sie eine solche von den Deutschen war. Also eine Befreiung von den Qualen, die die Deutschen in ihrer Mehrheit der Welt zufügten. Spätestens seit Auschwitz taugt speziell die deutsche Nation nicht mehr als positiver Bezugspunkt und ist eine Art “natürlicher” Feind all jener, denen es um Emanzipation und individuellen wie sozialen Fortschritt geht.
Mag das stalinistische Riesenreich nach Innen wie nach Außen ein Komglomerat korrupter und mörderischer Apparatschiks gewesen sein, mag der Antisemitismus Stalins virulent gewesen sein, mag die Sowjetunion ein von Anbeginn gescheitertes Experiment gewesen sein: die Niederringung der Deutschen und ihrer Eigenheit, die Thomas Mann einmal als “deutscher Innerlichtkeit” titulierte, ist und bleibt vor allem der Verdienst der Soldaten der Roten Armee. Als Marxist bleibt die Grausamkeit militärischer Aktionen immer beliebtes und richtiges Ziel der Kritik, doch nichts von dem ist angebracht, wenn es um die Befreiung von 1945 geht.
Der Fingerzeig “aber die waren doch auch schlimm” ist Ausdruck deutscher Selbstvergewisserung, nicht die einzigen Bösen dieser Welt zu sein. Also das Unvergleichbare in einen Kontext zu rücken in dem der Zählerei die Leichfledderei folgt. Der sozialpädagogische Impetus, mit dem heute Erinnerungsdebatten geführt werden, meist untermalt von nostalgisch-individueller Relativierung, ist nichts weiter als arrogante Besserwisserei und pädagogische, posthume Beleidigung.
Das bis heute teilweise ungeregelten Entschädigungszahlungen sind weiterer Ausdruck genuin deutscher Geschichtspolitik: die offene Rechnung wird erst dann beglichen, wenn sie sich zum Standortvorteil transformieren lässt und zunächst möglichst viele potenzielle Empfänger verstorben sind. Nicht nur die post-nationalsozialistische Unverfrorenheit, mit der sich die Mörder, ihre Kinder und Kindeskinder an dem Wirtschaftswunder erfreuen, dass ohne die Zwangsarbeiter nie stattgefunden hätte, auch ist das Eingeständnis der alleinigen Schuld bis heute unmöglich. Verantwortung, Erinnerung, Belehrung.
Allesamt sind diese sozialpädogischen Richtschnüre zur Erklärung des Unerklärbar-Erklärbaren, der deutschen Variante antikapitalistischer Regression und dem Rückfall in pre-bürgerliche Verhältnisse. Tendenzen hierzu reichen von Martin Luther bis zu Johann Gottlob Fichte, über den berühmt-ekelhaften Turnvater Jahn bis hin zu Wagner. Kultur in Deutschland, ein Widerspruch in sich. Wo sich Fuchs und Has’ gute Nacht sagen, wo sich Eichendorff mit Wagner und Heidegger mit Streicher verbrüdern, da ist Deutschland und seine Eigenheiten: okulte Naturanbetung, völkischer Selbstbezug anti-bürgerliches wie anti-intellektuelles wie individuelles Ressentiment. Konkretes Opfer dieses Wahns ist der ewige Jude, der ab und an andere Metarmorphosen anzunehmen hat um der kompletten Realitätsfremde auszuweichen. Die Raupe ist auch nichts weiter als die Urform des Schmetterlings, Heidegger, Wagner und Konsorten sind die deutschen Haus und Hofdichter. Nicht ohne Zweck und Grund.
So bedarf es hier und jetzt des Folgenden: Dank euch, ihr Soldaten der Roten Armee.
Anm.: Ich hoffe, dass mein Russisch noch ausreichte, um die Überschrift korrekt zu gestalten. Hinweise sind willkommen.
Filed under Politik & five comments & two trackbacks
Cynics would possibly say: “Oh, they are quite fast”. But: only cynics…
Read more: Bug #84701
Filed under Gentoo, GNOME, Linux & no comments & one trackback
"Diese Juden, die hier unter uns leben, die sich wie verzehrende Heuschrecken unter uns verbreiten, und die das ganze preußische Christentum dem Umsturz drohen, das sind Kinder derer, die da schrien: kreutzige, kreutzige.
Intelligenzblatt für den Unter-Mainkreis des Königreichs Bayern, 20. Juli 1819
Die norwegische Presse, die bisher so gar kein Verständnis für die Judenfrage hatte, merkt plötzlich, was es heißt, wenn eines Tages die Kinder Israels wie die Heuschrecken in ein Land einfallen. Es wird eine ganz heilsame Lehre sein, die Norwegen hier erteilt wird."
Auswärtiges Amt Berlin, 1939
"Wie die Heuschrecken kommen sie über unser Land!"
Aus: Jud Süß, antisemitischer Propagandafilm
"Heuschrecken und Raupen sind diese Juden, sie fressen mein Frankreich auf!“
Napoleon Bonaparte
Interessanter wird es dann schon, wenn den Funktionseliten (oder ihren Propagandaexperten) der Wertverwertung ihre immanenten Krisen zu Kopf steigen: Franz Müntefering – höchstpersönlich passionierter Dummschwätzer und sowas wie das Propagandabureau der SPD – ist dafür ein klassisches Beispiel. Sein Gerede von den Heuschrecken, die den rheinischen Kapitalismus und seine wundervolle soziale Marktwirtschaft bedrohen, soll nun man etwas genauer auf den Zahn gefühlt werden. Nicht mit Hammer und Meisel, wie Münteferings ökonomistische Konkurrenz, sondern vielmehr mit Pinzette, Mikroskop und erst zum Schluss, mit dem legänderen, woody-allen’schen Baseballschläger.
Bei antisemitisch chiffrierten Beiträgen nach Intention zu fragen ist wie immer sinnfrei. Vielleicht wollte er sich einfach neben Napoleon stellen und damit seiner biederen Karriere als Parteisoldat einen weltmännischen Anstrich geben.
Spannender ist also die grundsätzliche Frage danach, wie man auf die Verknüpfung animalischer Bedrohungsszenarien mit Krisenerscheinungen der kapitalistischen Wertverwertung kommt. Dazu bedarf es eines kurzen Exkurses in die geistigen Untiefen des klassisch-orthodoxen Arbeiterbewegungsmarxismus, in dessen Kontinuität, dem Aggregatszustands der sozialdemokratischen Erklärungsversuche, Müntefering durchaus gesehen werden kann.
Der angebliche Antagonismus von Kapital und Arbeit, der bei Marx aus der Differenz zwischen Erkanntem und Milleubestimmtem herrührt, der aber aufgrund seiner einfachen Vermittelbarkeit und seiner fast schon mystischen Anschlussfähigkeit von Anbeginn der post-industriellen Arbeiterbewegung zentrale Identitätfindungsfunktion darstellte, ist die Grundlage der Idee von der äußeren Bedrohung. Da Arbeiterbewegung und somit die Affirmation derselben für die Wahlchancen der SPD irrelevant geworden sind, findet nun die Transformation des falschen Weltbildes auf das Phänomen der herbeigeredeten Globalisierung statt. Hierbei ist der Nationalstaat der Gute – als postfordistischer Nachfolger des obsolet gewordenen, tüchtigen und rechtschaffenden (sic!, welch emanzipatorische Kategorien) Arbeiters – der gegen das Äußere, früher das Kapital in generale und seine Transformationsstufen als heutige Multinationale Konzerne bzw. eben der Private-Equity-Trusts verteidigt werden muss. Der Dualismus von »kleiner Mann« und Stammtisch ist hierbei verlockend und sorgt für seine exaltierte Position als Werbeobjekt: die Sorge des kleinen Mannes, dessen Beschädigung – emotionale und soziale Disfunktionen – es nicht einmal zulassen, seine eigene Unmündigkeit zu erkennen, ist somit beliebter Anknüpfungspunkt für soziale Phrasendrescherei. Egal ob von links oder von rechts. Die Schnittstelle von Antisemitismus und Antiamerikanismus, der Müntefering hier – ob bewusst oder unbewusst – auf den Leim geht, ist nichts weiter als die Transformation des Ressentiments auf das aktualisierte Objekt »der Begierde«.
"Die Glorifizierung des Underdogs ist die Glorifizierung seiner Gesellschaft"Wenn also der Jude fehlt, weil Auschwitz sein Übriges tat, bedarf es der erneuten Suche eines Projektionsopfers. Hier erfindet sich der Ungeist seinen amerikanischen Trust und seinen promiskuren Turbokapitalismus um seiner vormodernen Sehnsucht nachmodern Nachdruck und Faktizität zu verleihen. Das Puppenspiel zwischen Ökonomie und dem Createur ihres Rahmens, der Politik, ist gleichsam zu kritisieren. Die mörderische Vernunft der Wertvergesellschaftung und deren notwendiges Pendant der ebenso tödlichen Unvernunft: dem Ressentiment und Wahn.
Theodor W. Adorno, »Minima Moralia«
Update:
Gerade habe ich noch dieses Banner gefunden. Wie Recht Sie haben. Müntefering und Lafontaine stehen wundervoll in einer Linie mit Lenin, der Marx noch nie verstand.
Filed under Philosophie, Politik & one comment & three trackbacks
In der heutigen Sonntag Aktuell, der Sonntagsausgabe einiger regionaler Zeitungen in der ludwigsburger Umgebung, war zum »Tag der Arbeit« ein interessantes Interview mit dem Teilzeit-Mediziner und Buchautor Axel Braig (»Die Kunst, weniger zu arbeiten«), zu bestaunen. Eine strunz-bürgerliche Zeitung, CDU-nah und penetrant deutschtümelnd, befragt einen wirklich klugen Kritiker. Einer der verstanden hat, welcherlei materielle Folgen die postfordistischen Krisenerscheinungen mit sich bringen: den Verfall der Ware Arbeit und die Regression der sozialen Standards. Trotz teilweiser Reduktion der Analyse auf Begriffsbestimmung ein wirklicher Lichtblick für meinen müden Katerkopf. Einige Exzeptionen:
Kein Tag also, um die Arbeit zu feiern?
Bestimmt nicht. Der 1. Mai müsste ein Tag des Nachdenkens darüber sein, dass die Arbeit heute nicht mehr im Mittelpunkt stehen kann.
Aber Arbeit macht doch auch glücklich?
Wir müssen uns über den Begriff einigen. Natürlich hat jeder Mensch das Bedürfnis, tätig zu sein und sich darin zu verwirklichen. Außerdem hat die Arbeit eine soziale Funktion, weil ich mit anderen in Kontakt komme. Aber die Zeiten, in denen die Erwerbsarbeit der einzige Weg war, etwas Sinnvolles zu tun und Gesellschaft zu haben, sind endgültig vorbei.
Was also tun mit der raren Arbeit?
Die Arbeit taugt immer weniger als Instrument, gesellschaftlichen Reichtum zu verteilen. Das ist das Problem, das wir als Gesellschaft zukündftig lösen müssen, schließlich können wir die Menschen nicht einfach verhungern lassen, die an der Erwerbsarbeit nicht partizipieren können. Und außerdem, und das muss jeder individuell lösen. müssen wir lernen, dass Arbeit nicht die einzige Sinninstitution im Leben ist.
Sind die Deutschen besonders ungeeignet für den Müßgiggang?
(…)Und für das protestantische Arbeitsethos, ein Stichwort, das Max Weber ins Spiel gebracht hat, sind die Deutschen sicher besonders anfällig. Arbeit, das wurde uns als Gottesdienst anerzogen.
Filed under Politik & one comment & five trackbacks