Nun ist der Stuhl Petri einmal mehr leer. Papst Johannes Paul II ist zu seinem Paps zurückgekehrt und hinterlässt eine Stange grauenhafter Erinnerungen: Hetze gegen Verhütung, ungezügelte Homophobie, Verleumdung Abtreibung und Frauenrechten.
Die Mehrzahl der kulturindustriellen Würdenträger in Zeitung und Rundfunk urteilen nun hochentzückt (derStandard) über dieses graunhafte Lebenswerk, Staatstrauer allerorten und Nachfolgespekulation. Dabei wäre Freude und Erleichterung die angemessene Reaktion: was wäre denn passiert, wenn andere religiöse Führer undemokratischer Staaten sterben würde. Wenn Khomenei eines Tages das Zeitliche segnet – was angebracht wäre – wird dann Tagesschau, Spiegel etc. auch von seiner ach so großen Lebensleistung berichten? Seine wundervollen Taten loben?
Die Reaktion der medialen Meinungsbomber lässt zwei unzweifelhaft unfeine Schlüsse zu: erstens, sie stimmen mit dem Gedankengut dieses toten Reaktionärs überein oder zweitens, sie wachsen im Zweifelsfall immer dichter an eine als großartig definierte Persönlichkeit und dessen politisches Programm.
Da spricht ein Papst seinen mindestens ebenso abstoßenden Vorgänger Pius XII heilig, also genau der Papst, der den Massenmord der Nazis übersah, Autor der Enzyklika quanta cura ist und in generale gegen die Freiheitsforderungen der Moderne seine widerwärtige Version eines katholischen Gottesstaates setzte. Ebenso veröffentlicht er seinen Weltkatechismus, der eine Moral- und Sittenlehre zum State of the Art erhebt, wie sie reaktionärer kaum sein könnte. Als Herr Wojtyla es für notwendig hielt, Galileo Galilei zu begnadigen lebte dieser schon einige hundert Jahre nicht mehr. Schlimm genug, dass dies erst ein Papst des 20. Jahrhunderts tat. Nun schafft jeder Mensch irgendwie ein Lebenswerk, zu feiern ist das des Ex-Papstes gar in keinster Weise.
Vielmehr sollte man sich fragen, warum mitten in Europa, dass sich ja ach so demokratisch düngt und dessen Offizielle immer wieder seinen ach so fortschrittlichen Charakter hervorheben ein Gottesstaat toleriert wird, dessen feudales Recht ein paar alten Männern die Intronisierung des Oberhaupts zu spricht. Deshalb plädiere ich aufgrund der Konfussion innerhalb der Führungselite des Vatikans für ein “Enduring Freedom”-Programm für selbigen. Möge auch hier die US-Armee Terror, Despotismus und Fundamentalismus beseitigen und den Bewohnern dieses Zwergenstaates demokratische Freiheits- und Grundrechte bringen. Free Vatican!
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Gut das jemand auch mal die andere Seite der Medaille beleuchtet. Es müssen sich ja nicht alle so stockkatholisch zeigen.
ich hasse den
Was will uns dieser geistreiche Kommentar sagen? Hasst er den Papst, den Artikel, die Kommentare, seinen Browser, sein Betriebssystem oder doch nur den Typen der ihm seine Freundin ausspannte?
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posted on April 4th 2005, 10:40:51 pm Leichtfertig, sorglos, würdelos und achtungslosIm Blog /usr/portage, das ich u. a. regelmäßig lese, bin ich auf einen Beitrag gestoßen, auf den ich mit einem Kommentar reagiert habe, der etwas behandelt, was ich auch hier schon länger loswerden wollte…
Trackback from WEBLOG (Bernd bloggt)
posted on April 7th 2005, 01:11:46 pm Rund um den PapstEigentlich wollte ich gleich nach den ersten großen Meldungen um den Papsttod einen Artikel drüber schreiben. Dann erschien mir das aber irgendwie blödsinnig, denn es berichtet ja eh schon jeder drüber…