Der Vergesellschaftungsform Freier Software folgend wäre anzunehmen, dass Materie auch hier bewusstseinbildend oder zumindest -erweiternd wirken sollte. Dass dem nicht so ist, sondern viel mehr der nationale Reflex zum Grundreportaire an Verhaltensmustern von (europäischen) Teilen der Freie-Software Bewegung gehört, zeigt sich leider immer wieder in eklatenter Weise: es gilt die “gute EU” gegen die US-amerikanischen Softwarepatente zu verteidigen, die “gute, deutsche Firma SuSE” wird an den “US-Konzern Novell verschachert” (sic!) und der europäische Mittelstand ist Partner im Kampf gegen die Softwarepatente. Wenn sich Freie-Software-Aktivisten äußern, betreiben sie meinst eines: Affirmation der Verhältnisse mitsamt ihres Hegemoniegefüges.
Ganz im Sinne des alteuropäisch-linken Mainstrems wird Freie Software zur Manifestation gegen die als “typisch amerikanisch” identifizierte microsoft’sche Übermacht und zugleich eine Selbige für den eigenen Nationalstaat und sein Kollektiv. Hier stehen sich dann “deutsche Wertarbeit” – oder die modernisierte Version der “(alt-)europäischen” – und “amerikanischer Kommerz” gegenüber.
Nun aber ist diese Argumentation weder besonders naheliegend noch schlüssig oder ausweglos. Vielmehr ist sie das Produkt einer nicht zu Ende gedachten Idee der Freien Software. Wenn Freie Software also ein neues Vergesellschaftungsmodell darstellt, das völlig offensichtlich sowohl jenseits des Markts und erst recht jenseits des Staats funktioniert, so ist es widersinnig daraus nationale Hegemoniestreits konstruieren zu wollen. Vielmehr gilt es, die Grundlagen als Experimentierfeld für ökonomisch-politische Prozesse zu verdeutlichen. Nicht im Sinne kulturalistischer Rücksichtsnahme sondern im Sinne der Aufklärung: Freie Software und deren Produktion als Beispiel einer differenten Oragnisierung der Gesellschaft!?
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published on March 19th 2005, 03:25:44 pmIch bin zwar ein rettungslos neoliberaler Europatriot, aber über diesen Blödsinn, der ja in allen möglichen Foren hochgekocht ist, als Novell SuSE übernommen hat (im Vorwort zur US-Ausgabe meines Buchs habe ich versucht, dazu was zu schreiben), teile ich deine Meinung vollkommen. Es ist IMHO ein großes Problem, dass die ganze freie Softwareszene so stark von jungen Männern dominiert wird, wo man(n) ja immer sehr schnell mit Macht- und Kriegsfantasien bei der Hand ist.
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