…so der dezent invertierte Text des wundervollen Songs Summertime von Morcheeba. Vielleicht liegt es am Winter, an den vielen Quartalsidioten, bildungsresisten Legastenikern, beschränkten Frauen (Modell: bauch- und hirnfrei) oder einfach nur daran, dass alles so destruiert ist, wie es scheint, ich weiß es nicht ganz. Eines ist in jedem Falle sicher, die Wahrnehmung meiner Außenwelt gestaltet sich immer feindlicher, weder im Sinne einer Neurose oder psychotischen Störung, sondern viel mehr wie von den Augen fallende Schuppen die den Blick schärfen.
Aber das wollte ich ja eigentlich gar nicht schreiben. Ich könnte fortfahren mit einer kleinen Anekdote mit einem <s>rassistischen</s> Fahrkartenkontrolleur. Nennen wir den bemitleidenswerten Schulversager <i>Schnauzi</i> (als Tribut an seinen Pelz auf der Oberlippe). Also: <i>Schnauzi</i>, sicher reichlich überarbeitet und genervt von pöbelnden Fahrgästen, Schwarzfahrern oder Ähnlichem erdreistet sich das zu tun, was viele tun, wenn sie genervt sind: ein Ventil suchen. Glücklicherweise findet er ein Ventil, falsche Hautfarbe dient hierbei als Erkennnungsmerkmal. Nachdem <i>Schnauzi</i> sein Inneres nach Außen kehrt, den in seinen Augen <i>schwarzen Wilden</i> dezidiert unfreundlicher als den Rest der anwesenden Fahrgäste zu behandeln beginnt, reagiert dieser gefasst und einsilbig: <i>You’re stupid</i>. Nun platzt <i>Schnauzi</i> aber der sowieso zu enge Kragen und er weißt den Fahrgast an, auszusteigen. Dieser Bitte wird nachgekommen und <i>Schnauzi</i> verabschiedet sich mit <i>“Ey, Geh doch auf’n Afrika”</i> (Rechtschreibung und Interpunktion wie im Original). Ich verbitte mir gegenüber <i>Schnauzi</i> solcherlei Bemerkungen und ohne einen weiteren Satz beginnt er sich zu rechtfertigen (psychologisch sehr interessant das <strong>Faktum des <i>schlechten Gewissens</i></strong>, antizipierte Rechtfertigung ohne Vorwurf). Er sei kein Rassist aber man müsse doch einmal etwas über <i>die Schwarzen</i> (vermutlich ™) sagen dürfen. Nach einem Wortwechseln schnauft <i>Schnauzi</i> von Dannen. An meinem Ausstieg versuche ich ihm deutlich zu machen, seine Dienstnummer haben zu wollen, welche er dann auch unwillig herausrückt.
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“Ich bin kein (Rassist|Xenophob|Antisemit|[a-zA-Z0-9]{0-9}*) aber man wird doch nochmal was gegen die (Juden|Ausländer|Obdachlose|[a-zA-Z0-9]{0-9}*) sagen dürfen”
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mawa replys:
published on February 2nd 2005, 04:34:31 pmGroßes Kompliment für deine Reaktion. Das schaffe z.B. ich nicht immer. Ich kriege ein sehr schlechtes Gewissen dabei, dass ich die beiden Medizinstudenten, die sich hinter mir im Bus mal über die "Verdummung Deutschlands" durch den Kindermangel der Mediziner und den Geburtenüberschuss der Sozialhilfebezieher (mittlerweile ist diese Meinung übrigens anscheinend FDP-Linie) beschwert haben, nicht ordentlich angeschissen habe.
Die Beobachtung selber ist natürlich auch toll, wobei Schnauzi wohl noch recht harmlos ist. Mir stellen sich die Haare erst dann richtig, wenn Mitabiturienten mir zu erklären versuchen, dass es doch unklug von Friedmann gewesen sei, sich so klischeekonform zu verhalten, wenn er schon so klischeekonform aussieht… und dass es in Bezug auf "die Juden" und Israel doch eine Art vorauseilende Zensur in den deutschen Medien gebe… etc. Allerdings war das da wohl einfach unreflektiert, nicht bewusst antisemitisch, wobei ich nicht weiß, was eigentlich schlimmer ist.
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