Vor einigen Tagen habe ich gemeinsam mit Hanno Böck den Film Route 66 – ein amerikanischer Alptraum angesehen. Dem Blogartikel ist nichts hinzuzufügen.
Viel interessanter dann heute der Film CH7, der wirklich erste Film unter einer freien Lizenz (naja, in jedem Fall so ein bisschen frei). Der Film manifestiert die adornitische Erkenntnis
“…in dem lückenlosen Gefüge der Verdoppelung der Realität durch die technische Apparatur des Films wird jede Intention, und wäre es selbst die Wahrheit, zur Lüge.”in der doppelt absurden Form der cineastischen Reinkarnation. Also die Kritk vermittelt sich durch das Kritisierte.
Minima Moralia
Story:
Der Film beginnt mit einer Szene in der zwei Bewerber einer Schauspielschule innerhalb des konkurrierenden Prozesses unterliege, sprich: nicht angenommen werden. Die weibliche Protagonistin tritt hieraufhin eine Stelle als Mädchen für alles bei einem Fernsehsender, CH7, an. Frustriert über die Verfasstheit der Medienwelt und ihrem Job hierin, beschließt sie, gemeinsam mit dem anderen “Durchgefallenen” einen Film zu drehen. Hinzu kommt einer ihrer Freunde, notorisch pleite und mit strafrechtlich eher gräulicher Weste bekleidet, welcher das Trio komplettiert. Aufgrund der fehlenden Finanzmittel und eines missglückten Versuchs, dieses Problem durch einen Besuch an der Quelle, einen Banküberfall, zu lösen, stiehlt die Hauptdarstellerin (Tina, gespielt von Denise Meilli) eine Kamera des sie beschäftigenden Senders CH7. Damit beginnen die drei ihr krudes Filmprojekt. Nun beginnt der weiter unten genauer ausgeführte Film im Film. In Ermangelung eigenen Personals werden die Darsteller des Film jeweils, Szene für Szene, rekrutiert. Und dies mit Teils obskuren Mitteln. So wird ein nicht genauer spezifizierter Besuchers einer zur medialen Selbstbeweiräucherung angelegten Veranstaltung unfreiwillig der filmischer Mörder der Leaderin einer klassisch-nervigen Girlieband. Die Antizipation des Endes würde dem Film sein Geheimnis und somit sogleich auch seine Intention rauben. Schaut ihn euch doch einfach selber an.
Der Film, dessen erweiterter und formulierter Kontext die Frage des Widerspruchs zwischen Kreativität und Konsum ist löst diese Frage gleich doppelt absurd auf. Darsteller des Film sind zugleich Vermittler und Ziel der eigenen, in sich vermittelnden Kritik. Das cineastische Werk erlaubt sich hierbei viele hübsch verwendete Anleihen an Goethes Faust (Film im Film, vgl. Szene Walpurgisnacht, Faust I, Theater im Theater) und dem klassischen
“Habe ach nun hier Juristerei und MedizinDies macht den Film sehr reizvoll. Hinzu kommt die politische Intention der Macher des Films, welchen damit eine Intervention in die Debatte um Copyrights, Patente u.ä. gelingen wollte.
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!”
Johann Wolfgang v. Goethe, Faust I, Szene Nacht
Macht weiter so!
Schließen möchte ich, wie so oft, mit den Worten meines Hausgotts Adorno, welche ich recht passend finde und dem Film anhein stellen möchte:
“Der totale Zusammenhang der Kulturindustrie, der nichts ausläßt, ist eins mit der totalen gesellschaftlichen Verblendung. Darum hat er mit den Gegenargumenten so leichtes Spiel.”
Theodor Wiesengrund Adorno, Minima Moralia, S. 275
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Leider gibst du ungenügend Hinweise, aus welcher Auflage/Version der Minima Moralia das Zitat von Adorno stammt. Scheinbar besitze ich eine andere, trotzdem würde ich wetten, dass es statt "erblendung" entweder "Erblindung" oder "Verblendung" heisst. So unverständnlich wie das Zitat durch diesen Fehler würde, so undurchsichtig bleibt mir deine Ausfürhung: "Also die Kritk vermittelt sich durch das Kritisierte." Ausserdem würd ich – trotz der grossen Stücke, die ich auf Adorno halte, seinen beschränkten Horizont in Sachen Filmen nicht einfach aussen vorlassen.
23. Auflage, 1997 Surkampf Verlag. Gebundene Ausgabe.
Und ja, es heißt Verblendung. Danke!
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posted on February 18th 2005, 10:23:30 pm Freie Filme - ch7, Paul der Fisch, Lord MeiaNachdem ich schon vor einiger Zeit hier über Route 66, den ersten deutschen Open Source-Film, berichtet habe, hab ich mich mal umgeschaut, was es sonst noch so an frei herunterladbarem Filmmaterial im Netz gibt.