Wenn sich die Koriphäen christlicher Verblendung zu Wort melden, wirds meist gruselig. Wenn sich dann auch noch spezielle Charaktere (z.B. die Kardinäle Meisner und Ratzinger) diesem anachronistischen Schauspiel des Diskurseingriffs kirchlicher Institutionen hingeben, schlägt das Gruselige um und wird schockierend. Schock darüber, dass es solcherlei Geisteshaltung noch gibt und dass jene Geisteshaltung institutionalisiert existiert.
So kürzlich die Äußerungen des Kardinal Meisners, der sich erdreistete deutsche Vernichtung mit Abtreibung in Relation zu setzen und somit das Unvergleichbare zu vergleichen. Damit schwimmt er mit auf der Welle der geschichtsvergessenen und schlau-blöden Nachgeborenen. Beispielhaft dafür ist die Kampagne Babycaust (Vorsicht: sehr schockierendes Bildmaterial und ständig lauernde Brechgefahr), welche sich den Vergleich Meissners zur Standardmetapher erhoben hat. Die von Pro Leben initiierte Kampagne schlägt den Bogen von christlich-verklemmter Sexualmoral, Hetze gegen liberale Beratungsstellen wie Pro Familia, Ablehnung von Verhütung bis hin zu Abtreibungsgegnerschaft, welceh sich antisemitisch verbrämt und geschichtsvergessen artikuliert.
Der Zentralrat der Juden reagierte prompt: Meisner müsse sich, so dessen Vorsitzender Dr. hc. Paul Spiegel von den gemachten Aussagen distanzieren. Die Antwort des Sprechers Meisners war ebenso klar wie unmissverständlich, er habe nicht Verbrechen verharmlost sondern den Kontext zurechtgerückt. Ideologisch bedeutet das, dass im Weltbild des Herrn Meisner der Holocaust unter dem angeblichen Verbrechen der Abtreibung steht und zudem eben, dass Herr Meisner Verbrechen hierarchisiert.
Meisner ist, trotz des Zölibats, kein unbeflecktes Blatt: 1999 verglich er die Abtreibungspille RU 486 (“Mifygene”) mit dem in deutschen Konzentrationslagern zur Vernichtung verwendeten Zyklon B. Auch bei Meisner mischt sich das Ressentiment gegen selbstbestimmte Sexualität, welche der Verhütung und im unglücklichen Fall eben auch der Abtreibung bedarf mit medizinischer Unkenntnis, antijudaistischem Vorurteil und realer Unwissenheit.
Wieso wird Herr Meisner und seine prüden Bundesgenossen eigentlich zu Themen wie Sexualität, Lust, Verhütung usw. als Gesprächspartner anerkannt? Unterhält man sich mit einem Metzger über die Produktion von Brot bzw. Brötchen?
Herr Meisner, wenn sie ihr erstes Mal hatten, unterhalten wir uns wieder über solcherlei Probleme. Bis dahin bleiben sie vom Diskurs, aufgrund ihrer Unwissenheit, einfach ausgeschlossen.
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posted on January 23rd 2005, 11:16:09 am Das moderne Amerika oder "FrDa hing mir nach der Lekt
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posted on August 16th 2005, 02:56:11 pm Opium des VolkesNachdem die Blogosphäre sich ja fast schon Kollektiv zur Religionsfreien Zone erklärt (Schockwellenreiter, Isotopp, Lars, Stefan), fühl ich mich gerade genötigt, auch was zum Pop-Event der Christenjugend zu sagen. Eigentlich sollte man ja meinen, dass sich…